Geh langsam, wenn's stressig ist

Geh langsam, wenn's stressig ist

von Benedikt Walker | 21.02.2013

Gerade in intensiven Zeiten ist es wichtig, Ruhepausen und Momente der Stille einzuplanen. Ein paar Praxis-Tipps aus dem Alltag können dabei helfen.

Als Jugendlicher verbrachte ich viel Zeit mit einer Karte im Wald. Spannend fand ich, unterstĂŒtzt von einem Kompass, die schnellste Strecke zwischen zwei Punkten zu finden. Ich lernte dabei, dass meine Beine dafĂŒr bĂŒssen mĂŒssen, wenn ich mir nicht genĂŒgend Zeit fĂŒr die Orientierung im GelĂ€nde und fĂŒr das AbwĂ€gen verschiedener Wegen nehme. Je schwieriger sich das GelĂ€nde erwies, umso intensiver beschĂ€ftigte ich mich mit Karte und Kompass.

Entschleunigung einĂŒben

Der Orientierungslauf ist fĂŒr mich ein gutes Bild fĂŒr das Leben. Ich bin unterwegs mit einem vollen Terminkalender. An einem Tag gelingt es, die Aufgaben so zu erledigen, wie ich es mir am Morgen vorgenommen hatte. Anderentags taucht ein unerwartetes Problem auf, das nicht zulĂ€sst, den eingeschlagenen Weg weiterzugehen. Ich brĂ€uchte einige Minuten, um mich neu zu orientieren. Diese Zeit fehlt mir aber. Und die innere Ruhe, mir diese Zeit zu nehmen, fehlt auch.

 

Was tun? Einfach das Tempo anziehen, die Mittagspause durcharbeiten? Ich versuche auf die antrainierte Weisheit des Orientierungslaufes zurĂŒckzugreifen. Gerade in der stressigsten Phase des Tages versuche ich eine kurze Pause einzuschalten, still zu werden und mich neu zu orientieren. Ich erlebe solch eine Entschleunigung als sehr wertvoll. Mir hilft diese kurze Pause, Abstand vom aktuellen Stress zu bekommen, den Blick auf das Wesentliche zu richten, PrioritĂ€ten neu zu setzen und Gott im Lebensalltag zu erkennen.

 

Wichtig fĂŒr diese pro-aktiv Entschleunigung ist: Die Übungen mĂŒssen einfach und wiederholbar sein. Diese vier Übungen helfen mir einen Gang zurĂŒck zu Schalten:

  • Beim Verschicken einer E-Mail denke ich in einem kurzen Gebet an die EmpfĂ€nger und segne sie im Namen Gottes.
  • Anstatt in den Bus oder das Auto zu steigen, nehme ich Distanzen bis zu zwei Kilometer unter die FĂŒĂŸe. Diese Zeit nutze ich, um die vor mir liegenden Herausforderungen und Begegnungen mit Gott zu besprechen. Diese Vorbereitungen lassen mich in Sitzungen mit einer grĂ¶ĂŸeren inneren Wachheit prĂ€sent sein.
  • Mehrmals pro Tag leiste ich mir eine 30-Sekunden-Pause. In dieser Pause danke ich Gott fĂŒr Gelungenes und lege ihm meine Sorgen hin. Geeignet fĂŒr die 30-Sekunden-Pause sind GlockenschlĂ€ge zur vollen Stunde.
  • Beim Tischgebet mach ich mir bewusst, dass es nicht selbstverstĂ€ndlich ist, dass es mir so gut geht. Ich danke Gott fĂŒr das Essen.

 

Die SÀge schÀrfen

Wie der OrientierungslĂ€ufer im schwierigen GelĂ€nde brauche ich in einer intensiven Woche mehr Momente der Entschleunigung als in ruhigen Phasen. Was ich besonders brauche sind Menschen, die mir in solchen Zeiten Mut machen, mich hinzusetzen und mich bewusst auf Gott auszurichten. Gerade solche Ermutiger sind fĂŒr mich ĂŒberlebensnotwendig, damit ich mich im schwierigen und zeitraubenden GelĂ€nde nicht verlaufe. Der amerikanische PrĂ€sidenten Abraham Lincoln sagte einmal: "Wenn ich acht Stunden Zeit hĂ€tte, einen Baum zu fĂ€llen, wĂŒrde ich sechs davon nehmen, die SĂ€ge zu schĂ€rfen." In diesem Sinne versuche ich mein Leben zu schĂ€rfen und zu entschleunigen.


Dieser Text erschien ursprĂŒnglich als Beitrag fĂŒr das Magazin 3E des SCM Bundes-Verlags.