Warum Osteuropa?

Warum Osteuropa?

Nach dem weltbewegenden Fall des eisernen Vorhangs zum Ostblock sind viele damals geweckte Hoffnungen enttäuscht worden. Die Einführung der kapitalistischen Marktwirtschaft brachte bisher in diesem Ausmass kaum bekannte Übel wie Arbeitslosigkeit und wachsende Kriminalität mit sich. Die Schere zwischen Arm und Reich begann sich immer weiter zu öffnen. Franziska Rich, Leiterin der Russlandhilfe des schweizerischen Instituts G2W (Glaube in der 2. Welt), schreibt über das zentrale Problem der geistigen Orientierungslosigkeit in Russland – ein Problem, das von Politikwissenschaftern als Mangel an staatsbürgerlicher Kultur bezeichnet wird und sich auch in allen anderen mittel- und osteuropäischen Ländern mehr oder weniger akut stellt:

"Wer in Russland an der Basis arbeitet, erkennt sehr rasch, dass eines der grossen Probleme des Landes ein geistiges ist. Die kommunistische Indoktrinierung hat eine weitgehend atomisierte Gesellschaft hinterlassen, Menschen mit wenig eigenständigem ethischem Bewusstsein und innerem Halt, Menschen, die dem Staat und den Mitmenschen grundsätzlich mit Misstrauen begegneten, die gelernt hatten, dass gut nur ist, was einem persönlich nützt, die anderen Menschen alles neideten." (Rich, Franziska; Russland kann auch anders sein – Beispiele funktionierender nichtstaatlicher und kirchlicher Hilfsorganisationen; Neue Zürcher Zeitung; 6. Januar 2000)

Bibelgruppen für Studierende sind gerade an den Universitäten der Staaten in Osteuropa besonders wichtig, da dort noch heute andere Stellen und Autoritäten fehlen, die zu einer sinnvollen Lebensgestaltung anleiten könnten. Die Anschlagbretter sind mit Werbung von Sekten und anderen fragwürdigen sinnstiftenden Organisationen überfüllt.

Bibelgruppen für Studierende sollen in Ländern mit christlicher Tradition – und dazu gehören die meisten Länder des ehemaligen Ostblocks – Orientierung bieten, und zwar Orientierung anhand der Bibel, auf die sich alle christlichen Konfessionen und Denominationen berufen. Die Studierenden sollen wissen, was in der Bibel steht, und beurteilen lernen, welche Werte, Denkweisen und Handlungen sich damit vertreten lassen und welche nicht. Junge Studierende, die das Evangelium von Jesus Christus kennen lernen und in ihre Denk- und Lebenspraxis integrieren wollen, bewegen oft Fragen, auf welche die einzelne Kirchgemeinde nicht eingehen kann. Diese Fragen entstehen im alltäglichen Umgang mit Naturwissenschaft, Philosophie und anderen Studienfächern. In Bibelgruppen soll der Raum geboten werden, solche Fragen zu stellen, zu diskutieren und nicht zuletzt Antworten zu suchen, die auf christlichen Werten basieren. Hier sollen Studierende lernen, eigenständig und verantwortungsbewusst zu denken und zu handeln.

Bibelgruppen für Studierende sind Organisationen, in denen zukünftige Ökonomen, Politikerinnen, Wissenschafter und Lehrerinnen eine Weltanschauung gewinnen, die mit ihrem persönlichen Glauben an Jesus Christus und mit der christlichen Tradition ihres Landes übereinstimmt, und mit der sie einen konstruktiven Beitrag zur Gesundung einer desorientierten, verunsicherten Gesellschaft leisten können. Deshalb glauben wir, dass es sich nachhaltig lohnt, die mittel- und osteuropäischen Bibelgruppen zu unterstützen.