Bewegende Studienreise nach Bulgarien

Bewegende Studienreise nach Bulgarien

von Anne-Lise Diserens | 16.12.2011

Unter der Leitung von Anne-Lise Diserens und ihren drei russischen Freunden von Art-Tour St. Petersburg erkundeten 18 Teilnehmende Bulgarien. Sie sahen ein noch weitgehend unbekanntes Land zwischen Orient und Okzident.

Das Bulgarische Reich wurde sehr früh, 681 n. Chr., gegründet und erlebte nach 160jähriger byzantinischer Herrschaft seine Blütezeit zwischen dem 12. und 14. Jahrhundert. Es geriet dann während 500 Jahren unter osmanisch-islamischer Herrschaft, wovon es sich erst am Ende des 19. Jahrhunderts befreien konnte. Auf der 2000 Kilometer langen Rundreise von Sofia bis zum Schwarzem Meer begegnete die Gruppe viele Zeugen dieser bewegten Geschichte. Beeindruckt haben sie die byzantinischen Kreuzkuppelkirchen in Nessebar am Schwarzem Meer und die eindrücklichen Klosteranlagen und Kirchen mit ihren wunderbaren Fresken. Unter osmanischer Herrschaft durften die Kirchen nicht höher als die Minarette und ein Reiter zu Pferd gebaut werden. So verbargen sich die herrlichen Wandmalereien hinter niedrigen unscheinbaren Bauten, wie in Arbanassi. Unter allen Klöstern hat vor allem das grösste, das Rilakloster, die geistliche, kulturelle und literarische Identität Bulgariens bewahren können. Unter türkischer Besatzung gab es kaum Bildung, und es herrschte bittere Armut.

Wechselvolle Geschichte

Schulen wurden erst nach der Befreiung mit Hilfe der orthodoxen Kirche eingerichtet. Die Befreiung wirkte sich auch auf die Architektur aus, besonders auf den sogenannten Wiedergeburtstil, den die Besucher des Landes vor allem in Plovdiv bewundern.

Im zweiten Weltkrieg kämpfte Bulgarien auf der Seite der Deutschen und geriet ab 1944 unter sowjetische Herrschaft, die erst 1989 endete. Seit 2007 ist das Land EU-Mitglied und damit das einzige EU-Land mit kyrillischer Schrift und einer der ältesten Staaten Europas. 85% der Bulgarier sind orthodoxe Christen und 13% Muslime. Leider hat der Staat mit massiver Korruption zu kämpfen, und an vielen Orten herrscht grosse Armut. In Sofia, der Hauptstadt mit sowjetisch neoklassizistischem Kern und Plattenbauten, widerspiegelt die postmoderne Glasarchitektur den Aufbruch in eine Hauptstadt westlicher Prägung. Die Landschaft ist sehr abwechslungsreich, von karger Küste am Schwarzem Meer bis zum bewaldeten Bergland. Bei der Ankunft im Rilakloster schneite es. Auf der Reise wurde getanzt und gesungen, einmal an einer Bahnstation ganz spontan zusammen mit einer bulgarischen Volkstanzgruppe. Die Menschen sind offen und herzlich. Köstlicher Wein und Honig fliesst überall. Ein Land, das darauf wartet, entdeckt zu werden!

 

Ausführlicher Reisebericht einer Teilnehmerin (pdf)