"Das Christentum ist eine Zwangsjacke"
(Kapitel 3 aus 'Warum Gott?')

von Timothy Keller | 14.08.2014

Ist der Glaube, dass es eine absolute Wahrheit gibt, ein Feind der Freiheit?

Kapitelzusammenfassung von Christoph Egeler

 

Wahrheit ist unvermeidbar! Die Behauptung, dass es keine absolute Wahrheit gebe, beansprucht absoluten Wahrheitsanspruch! Man kann zudem nicht sagen, es gibt keine Wahrheit, und z.B. gleichzeitig fĂŒr Moral oder gegen UnterdrĂŒckung sein (denn wenn man dies ist, grĂŒndet das auf absoluten Aussagen oder Werten).

Keine Gesellschaft kann total offen sein

Jede Gesellschaft oder Gemeinschaft grĂŒndet auf Überzeugungen und Werten, die zwangslĂ€ufig Menschen ein- und ausschliessen (da nie alle einverstanden sind). Wenn eine Kirche gewisse Standards hat bzgl. Glauben und Lebenspraxis (welche ein- oder ausschliessend sein können), so ist dies das normalste der Welt. Jede Gruppe oder Gemeinschaft hat dies.

Das Christentum ist keine kulturelle Zwangsjacke

Es gibt keine christliche Kultur. Und das Christentum ist keine westliche Religion, welche Kulturen zerstört. Vielmehr ist es offener und flexibler gegenĂŒber den verschiedensten Kulturen als manche andere Weltanschauung. Beispiel: Der SĂ€kularismus mit seinem Anti-Supernaturalismus und Individualismus bedroht die afrikanische Kultur und IdentitĂ€t viel stĂ€rker als das Christentum. Wenn Afrikaner Christen werden, wird ihre afrikanische IdentitĂ€t transformiert, nicht aber europĂ€isiert. Der christliche Glaube passt sich der jeweiligen Kultur an, ohne seine Substanz aufzugeben. Lehre bleibt, aber bzgl. Ausdrucksformen gibt es eine riesige Vielfalt und Freiheit. Keiner Weltreligion ist es denn auch gelungen, so viele unterschiedliche Kulturen zu erreichen. Jede Kultur hat Schattenseiten, welche vom Christentum kritisiert und verĂ€ndert werden; aber auch Gutes, welches aufgenommen wird.

Freiheit ist nicht einfach

Viele Menschen definieren Freiheit als Abwesenheit von EinschrĂ€nkungen und Vorgaben. Doch in vielen FĂ€llen sind diese nicht hinderlich, sondern förderlich fĂŒr (echte) Freiheit. Beispiel: Üben = EinschrĂ€nkung von Freiheit. Dadurch gewinne ich aber die (grössere) Freiheit, eine grosse Palette von Musik zu spielen. Oder: Ist ein Fisch frei, wenn er auch auf dem Land statt nur im Wasser sein darf?

Fazit: Freiheit ist nicht Abwesenheit von EinschrÀnkungen, sondern das Finden der richtigen EinschrÀnkungen, welche Leben (und Freiheit in einem höheren Sinne) fördern.

Eine oft gehörte Aussage lautet: "Jeder Mensch hat das Recht, selber zu bestimmen, was fĂŒr ihn richtig und was falsch ist." RĂŒckfrage: "Gibt es irgendwo in der Welt Menschen, die etwas tun, womit sie Deiner Meinung nach sofort aufhören sollten, egal, wie diese Leute persönlich ihr Verhalten bewerten?"

Liebe, die höchste Freiheit, ist einschrĂ€nkend: Man kann nicht eine tiefe Beziehung aufbauen, und weiter sein Leben in eigener Regie fĂŒhren, ohne Mitspracherecht der geliebten Person. Eine Liebebeziehung begrenzt meine Optionen, meine Freiheit. Der Begriff Freiheit ist komplex! Liebesbeziehung = gegenseitige Aufgabe von UnabhĂ€ngigkeit. Ist das in der Beziehung zu Gott nicht anders (einseitig: nur ich muss mich anpassen, Ă€ndern, einschrĂ€nken)? Im christlichen Glauben nicht: Gott selbst hat sich (auch) eingeschrĂ€nkt und angepasst, indem er Mensch wurde und sogar fĂŒr uns gestorben ist!