Die eine sanfte Stimme

von Dallas Willard |

Wie können wir Gottes Stimme hören und seinen Willen erfahren? Diese Frage beschĂ€ftigt jeden Christen und sie gehört zu unserem geistlichem Leben. Auch wenn wir an die FĂŒhrung Gottes glauben, so ist es doch immer wieder schwer in konkreten Situationen seinen Willen zu erkennen.
Der Bestsellerautor Dallas Willard schenkt uns in seinem Buch ein tiefes VerstĂ€ndnis von Gottes Willen. Wenn wir in einer intensiven Beziehung zu ihm leben, werden wir auch fĂ€hig sein, seine sanfte Stimme zu hören. Dies geschieht in großer Freiheit und lĂ€sst uns Raum fĂŒr unsere eigene Initiative. Die eine, sanfte Stimme ruft zu einem gelingenden, erfĂŒllten und gesegneten Leben.
Willard, Dallas. Die eine sanfte Stimme. Gott hören lernen in einer lauten Welt. ISBN 3775141022. HÀnssler 2004. 280 Seiten.

Eine Buchzusammenfassung von Felix Ruther

Vorwort

Zu den einsamsten Momenten gehören zweifelsohne die Zeiten der Entscheidung. Wenn wir falsche Entscheidungen treffen, haben wir die Konsequenzen vielleicht ein ganzes Leben lang zu tragen. Da kommen Fragen auf: Habe ich richtig oder falsch entschieden? Ist es das gewesen, was Gott wollte? ...

In jungen Jahren entscheidet man sich leicht. Durch einige Desaster haben wir erfahren, dass man Handlungen nicht rĂŒckgĂ€ngig machen kann und Konsequenzen dauerhaft sind. Dann schauen wir uns nach Hilfe um und schreien: „Dein Wille geschehe ...“

Gott hat uns fĂŒr eine innige Freundschaft mit ihm geschaffen. Und wie in jeder persönlichen Beziehung können wir sicher darauf zĂ€hlen, dass Gott mit jedem von uns spricht. Das bedeutet, dass wir alle Tricks weglassen, mit denen man herausfinden will, was Gott sagen will. Beim Hören auf Gott kann man nicht erfolgreich sein wenn man nur darĂŒber nachdenkt, was Gott will, und die Frage ausschliesst, was man sich wĂŒnscht, das Gott tun soll. Das Hören der Stimme Gottes ist nur eine Dimension einer reichen interaktiven Beziehung, und FĂŒhrung zu erfahren ist nur eine Facette, seine Stimme zu hören. Innerhalb des Willens Gottes zu leben, ist weit entfernt davon, nur das zu tun, was Gott von uns wĂŒnscht. Wir können uns ganz eindeutig im gehorsam Gott gegenĂŒber befinden und uns dessen auch bewusst sein, ohne dass wir bei einzelnen Details wĂŒssten, was Gott an der Stelle möchte. Wenn meine Kinder im Garten spielen, sind sie ganz in meinem Willen, obwohl ich nicht im Detail festlege, was sie dort spielen sollen. Innerhalb des Willens Gottes gibt es einen grossen Raum fĂŒr unsere eigene Initiative.

Es gibt aber auch viele Lebens- und Daseinsformen, die eindeutig nicht seinem Willen entsprechen (10 Gebote). Es geht aber nicht um die Gebote, es geht um die Liebe. Es kann sein, dass die Zwanghaftigkeit, all das tun zu wollen, was Gott gebietet, jemanden daran hindert, zu der Person zu werden, zu der er von Gott berufen wurde. Es geht um die freimĂŒtige Zusammenarbeit mit Jesus und seinen Freunden - um ein freimĂŒtiges und vernĂŒnftiges GesprĂ€ch mit Gott.

1. Gott hören - eine Paradoxie

Viele Christen haben Probleme mit dem Vernehmen von Gottes Stimme. Es ist nicht unbedingt so, dass ihnen diese Erfahrung mangelt, aber sie verstehen die Sprache nicht oder können diese Erfahrungen nicht deuten.

Erst durch Erfahrung lernen wir zu unterscheiden, ob nur wir es sind, die reden und Bibeltexte zitieren, oder ob sich mehr abspielt. Wenn sich in einer Predigt z.B. nicht mehr abspielt, wenn der Geist Gottes nicht spricht, dann ist die Predigt nur ein mehr oder weniger gelehrtes Geplauder.

Wenn man Gottes Stimme nicht kennt, dann ordnet man Gottes Wille einfach dem „Schicksal“ zu. Das kann so weit fĂŒhren, dass man Gott auch die schrecklichen Dinge zuschreibt - selbst wenn sie eindeutig die Folge menschlicher Entscheidungen waren.

Ich glaube, dass Menschen dazu bestimmt sind, in fortwĂ€hrendem GesprĂ€ch mit Gott zu leben, in dem sie reden und angesprochen werden. Die biblischen Stellen, in denen vom Reden Gottes geschrieben wird, sind nicht als Ausnahmen zu werten, sondern als Beispiele fĂŒr etwas, das allen widerfahren kann. Wenn Jesus sagt, dass er und sein Vater bei uns wohnen werden (Joh 14,23), dann muss das das GesprĂ€ch mit einschliessen

Oft wird das Reden Gottes auch von den Gemeindeleitern verdrĂ€ngt, weiss man doch, dass Menschen allen möglichen IrrtĂŒmern verfallen, wenn Gott beginnt, mit ihnen „zureden“.

Paradoxie: Einerseits wissen wir, dass Gott zu uns spricht und dass geistliche Leiterschaft darauf basiert, dass Leiter in einer stÀndigen Beziehung zu Gott stehen. Auf der anderen Seite finden wir eine schmerzliche Unsicherheit darin, wie das Hören der Stimme Gottes heute tatsÀchlich möglich ist. Uns fehlt oft die FÀhigkeit, mit dem Reden Gottes umzugehen. Die Gefahr besteht, dass wir dadurch in Skeptizismus oder gar Zynismus versinken - hÀufig begleitet von einer religiösen Routine, die nur noch mechanisch ablÀuft. Oft wird auch religiösen Diktatoren kein Widerstand entgegen gebracht, weil die Mitglieder der Gruppe keine klare Vorstellung und erprobte Erfahrung haben, wie solch ein Reden Gottes tatsÀchlich vernommen werden kann.

Diese Paradoxie muss ĂŒberwunden werden- Dazu drei Vorbemerkungen:

  1. Weil wir je ganz verschieden sind, wird Gott auch ganz verschieden zu uns reden. Einengung der Kommunikationsform ist hinderlich.
  2. Viele Menschen möchten Gott nur zur eigenen Absicherung, fĂŒr ihre Bequemlichkeit oder Rechtfertigung hören. Es geht aber um den Willen Gottes. Wenn wir uns suchen, werden wir Gottes Stimme nur schwerlich vernehmen.
  3. Unser Verstehen von Gottes Stimme wird gestört, wenn wir ein falsches Gottesbild haben. Wir sind keine Marionetten und Gott ist nicht unser Kumpel. Gott fĂŒhrt in der Art, dass in uns SpontaneitĂ€t entsteht und die Entfaltung des Charakters möglich wird. Gott will uns fĂŒhren und nicht ĂŒberfahren. Wenn ein Vater seinem Kind den ganzen Tagesplan vorschreiben wĂŒrde, wĂŒrde das Kind verkĂŒmmern. FĂŒhrung Gottes bedeutet, dass wir immer selbstĂ€ndiger in der Lage sind richtige Entscheidungen zu treffen.

2. Leitlinien fĂŒr das Hören der Stimme Gottes

  1. Wir dĂŒrfen niemals vergessen, dass Gottes Reden darauf gerichtet ist, eine intelligente, freie kooperative Beziehung zwischen reifen Persönlichkeiten zu entwickeln, die mit dem Reichtum echter „Agape“ einander lieben. Es sollte daher unser erstes Ziel sein, in einer liebevollen Beziehung zu Gott, reife Menschen zu werden. Denn nur auf diesem Weg werden wir ihn richtig hören. Ein liebender Mensch wĂŒnscht sich nicht, ĂŒber den geliebten Menschen befehlen zu können. Er wĂŒnscht sich vielmehr, dass der Geliebte versteht, was notwendig ist, sodass Befehle nicht mehr erforderlich sind. Gott freut sich nicht daran, wenn er immerzu erklĂ€ren muss, was nun sein Wille ist. Daher ist es unsere höchste Berufung, Gott zu lieben. Gott ist nicht unser Auftraggeber. Er will, dass wir seine Freunde (Joh 15,13-15; 1. Kor 3,9) und Mitarbeiter sind. Die Rolle des Auftraggebers akzeptiert Gott nur, wenn er durch unseren Mangel an VerstĂ€ndnis dazu gezwungen ist. Nur die Gemeinschaft mit Gott schafft die Voraussetzung fĂŒr die Kommunikation zwischen ihm und uns.
  2. Wir mĂŒssen um den Glauben bitten und um die Erfahrungen, die uns in die Lage versetzen wĂŒrden zu glauben, dass die in der Bibel beschriebenen Dinge auch uns widerfahren können. Denn nur dann werden wir in der Lage sein, sie, wenn sie kommen, zu erkennen, anzunehmen und darin zu leben.
  3. Es gibt eine „demĂŒtige“ Arroganz, die sagt, ich bin doch nicht wĂŒrdig, dass Gott zu mir spricht. Erstens sind wir in den Augen so bedeutend, dass er sogar seinen Sohn fĂŒr uns gab. Und Zweitens verleiht uns sein Reden an sich noch keine besondere Bedeutung. Wie beim Volk Israel, gibt uns Gottes Reden lediglich mehr Gelegenheit, in der FĂŒrsorge fĂŒr andere und ihrer FĂŒhrung mehr Verantwortung zu ĂŒbernehmen. Wenn wir aus seinem Reden ableiten, wir seien ganz besondere Persönlichkeiten, dann wir seine FĂŒhrung ganz sicher zu Ende sein. Denn wenn Gott zu uns redet, beweist das nicht immer, dass wir gerecht und im Recht sind. Es bedeutet nicht einmal, dass wir ihn richtig verstanden haben. Daher ist Demut immer angesagt. Gebet: „Herr, wenn wir Unrecht haben, mach uns bereit, uns zu Ă€ndern und wenn wir im Recht sind, lass uns zwanglos und natĂŒrlich damit umgehen!“

3. Niemals allein

Es gibt sehr viel Einsamkeit in der Welt. Letztlich kann nur Gott diese Einsamkeit durch seine Gegenwart beseitigen. Das erklÀrt auch, warum das Àusserste Leiden und die höchste Strafe darin besteht, von Gott getrennt zu sein.

Unsere Zufriedenheit grĂŒndet nicht in Gottes Geschenke, sondern in seiner Gegenwart: „Ein kluger Liebhaber schĂ€tzt nicht so sehr die Gabe dessen, der liebt, als vielmehr die Liebe dessen, der schenkt.“ Thomas Ă  Kempis. Und der Westminster Katechismus (1647) sagt: „ Das höchste Ziel des Menschen ist, Gott zu verherrlichen und sich fĂŒr immer an ihm zu erfreuen.“

Aber jetzt ist die Einsamkeit noch verbreitet. Sie zeigt die Gottferne an.

Ein Glaube, der nur aus der Überzeugung lebt, dass Gott existiert und kein Bewusstsein seiner Gegenwart erfĂ€hrt ist blind. Diese Art von Glauben soll nicht verĂ€chtlich gemacht werden. Doch ein rein abstraktes BegrĂŒnden des Glaubens ist keine angemessene Grundlage fĂŒr anhaltendes geistliches Wachstum.

Vielleicht ist ein erster Schritt, der ĂŒber den blossen Glauben hinausgeht, ein schwaches Empfinden von Gottes Gegenwart - oft im Gebet, im Gottesdienst, in der Meditation oder BibellektĂŒre erfahren. Manchmal ist es so wie bei den Menschen: Eine bewusste Konzentration auf jemanden, kann bei diesem auch das Bewusstwerden des anderen hervorrufen. Doch manchmal ist das Empfinden von Gottes Gegenwart ausgeprĂ€gter als in anderen Zeiten. Manchmal nimmt man Gottes Gegenwart gar nicht im speziellen Empfinden wahr sondern in den ungewöhnlichen Ereignissen.

Wir können bis dahin drei Formen der Gegenwart Gottes festhalten:

  1. Er ist uns tatsĂ€chlich nahe, aber wir bemerken es nicht – blinder Glaube.
  2. Wir empfinden seine Gegenwart.
  3. Er verbindet sich mit unserem Handeln, so dass wir bemerken, er wirkt.

Wenn wir aber hier aufhören, wĂŒrden wir das Wichtigste in unserer Beziehung zu Gott weglassen. Gott kommuniziert mit uns auch auf der Ebene des GesprĂ€ches.

Es gibt zwei Arten der Leitung. Die erste ist die mechanische: Wir legen einen Schalter um und etwas geschieht. Die zweite ist die persönliche: Auch hier wĂŒnschen wir, dass etwas geschieht. Weil wir es mit Menschen zu tun haben, mĂŒssen wir kommunizieren. Nur so können wir Einfluss auf die Handlungen des anderen gewinnen, ohne seine IntegritĂ€t und freie Persönlichkeit zu tangieren (vgl. Ps 32,9). Einerseits redet Gott klar durch die Bibel. Es gibt aber auch ein Reden mit den „Augen.“ (vgl. Ps 32,8) Dies setzt eine aktivere Rolle von Seiten des EmpfĂ€ngers voraus. Wir können die Absicht eines Freundes erkennen, wenn wir ihn einfach beobachten. Wir entdecken so, was ihn bewegt, worauf sein Auge gerichtet ist, was er möchte. Jede Firma atmet auf, wenn einem Neuen nicht mehr bei jedem Schritt gesagt werden muss, was er tun soll. (vgl. Christus in uns)

Gottes Reden durch Kommunikation und gemeinsames Wirken ist der wichtigste Teil.


Drei MissverstÀndnisse sollen noch erwÀhnt werden:

  1. Eine Botschaft pro Minute: Wir haben keinerlei Anzeichen dafĂŒr, dass der Vater Jesus stĂ€ndig sagte, was er tun soll. Sein Gehorsam beruhte auf einem reifen Willen.
  2. Es steht doch alles in der Bibel: Viele Fragen des Alltags werden durch die Bibel nicht beantwortet. Zwar finden wir Grundprinzipien – sie sagt uns das Nötige – diese Prinzipien mĂŒssen wir aber auf das konkrete Leben ĂŒbertragen. Und gerade hier ist nahezu alles, was denkbar ist, schon mit der Bibel „bewiesen“ worden. (Es sind die bibelglĂ€ubigen Christen, die am hĂ€ufigsten ĂŒber ihre unterschiedlichen Ansichten diskutieren.)
  3. Alles, was geschieht sei Gottes FĂŒhrung: Viele Dinge geschehen nicht nach Gottes Willen (2. Petr 3,9). Wenn wir alles, was kommt, akzeptieren, empfangen wir keine FĂŒhrung, und die Tatsache, dass etwas geschieht, ist kein Beweis, dass es Gottes Wille ist.

4. Unser kommunizierender Kosmos

„In ihm leben, handeln und sind wir“ Apg 17,28.

Man muss beides kennen: was Stimme Gotte ist und was nicht.

Es sind unsere Vorurteile und Annahmen, die darĂŒber entscheiden, was wir sehen, hören oder sonst beobachten können. Diese können nicht durch Geschichten und wunderbare Ereignisse allein verĂ€ndert werden, da sie eine objektive Aufnahme eben dieser Geschichten oder Ereignisse verhindern. (vgl Lk 16,31 und Weigerung Jesu Wunder und Zeichen vorzufĂŒhren). Solche Dinge vermitteln uns nicht aus sich selbst Glauben und VerstĂ€ndnis.

Es ist die Aufgabe der Heiligen Schrift und ihrer Interpretation, uns ein allgemeines VerstÀndnis von Gott zu vermitteln und zu einem dementsprechenden Glauben anzuregen.

Einzelne Vorurteile:

1. Gott redet niemals mit ganz normalen Menschen! Wir dĂŒrfen Gott nicht mit irgendeinem V.I.P. verwechseln, der nur mit Seinesgleichen redet. Es ist Gottes Niedrigkeit, die seine Grösse ausmacht, die ihn befĂ€higt seine Geschöpfe zu hören und persönlich mit ihnen zu sprechen. In seinen Taten und Worten macht Jesus deutlich, wie total nahe Gott den Schwachen, UnterdrĂŒckten  Ausgestossenen und kleinen Kindern ist. Wir sollten eher ĂŒberrascht sein, wenn er nicht zu uns sprechen wĂŒrde. Ps 94.9

2. Er spricht doch nicht zu mir! Hier stellt sich die Frage, ob wir auf ihn eingestimmt sind (analog EmpfĂ€nger und Radiowellen). Die Tatsache, dass wir ihn nicht hören, bedeutet nicht, dass er nicht spricht. Vielleicht sind wir nicht gelehrt worden, wie man seine Stimme in der Natur vernehmen kann (vgl. Ps 19). Es kann auch sein, dass wir mit dem Reden Gottes nichts anfangen können, weil wir nicht danach leben. Gottes FĂŒhrung ist kein Trick, den wir bei Bedarf zu unserem Vorteil ins Spiel bringen können. Wir hören seine Stimme, wenn wir uns fĂŒr den Bau seines Reiches einsetzen und seine Ehre suchen (vgl.  die ersten Bitten im Unser Vater).

Wir mĂŒssen uns auch fragen, was wir tun, das Gott einen Grund böte, mit uns zu reden. Arbeiten wir mit ihm zusammen? WofĂŒr leben wir? Vielleicht sollten wir erst die Frage: Wie höre ich die Stimme Gottes? durch die Frage: Was wĂŒrde ich tun, wenn ich seine Stimme vernehmen wĂŒrde? ersetzen.

3. Es ist unwissenschaftlich zu glauben, dass Gott zu uns reden oder uns fĂŒhren kann! Nach dem heutigen naturwissenschaftlichen Weltbild kommt die Natur ohne Gott zurecht. Auch das öffentliche Erziehungssystem geht davon aus, dass man die bestmögliche Erziehung auch ohne Gott haben kann. So ist der Mensch von heute in die materielle Welt eingekapselt. Gott, wenn er denn existiert, gibt es nur jenseits dieser materiellen Welt, die fĂŒr sich betrachtet, ohne Gott durchaus zu funktionieren scheint.

Im zeitgenössischen wissenschaftlichen Weltbild gibt es eine Menge Raum fĂŒr Gott. Die geistige Komponente der RealitĂ€t braucht keine RĂ€ume zu bewĂ€ltigen, um Wirkungen zu erzielen, so wenig wie einer unserer eigenen Gedanken.

Es ist aber wichtig sich darĂŒber Gedanken zu machen, denn „wenn du an Dinge glaubst, die du nicht verstehst, wirst du Kummer haben.“ Ein Mangel an VerstĂ€ndnis schwĂ€cht den Glauben und fĂŒhrt in die Irre – manchmal ganz katastrophal.

4. Wenn jeder Gott hören könnte, wĂŒrde das zu einem Chaos in der Kirche fĂŒhren! Es gibt Leiter, die diese Vorstellung haben. Das verfĂŒhrt sie Menschen zu manipulieren, anzutreiben oder zu lenken. Das ist aber nicht das Gleiche wie sie zu fĂŒhren. Der Hirte soll kein SchĂ€ferhund sein. Henri Nouwen: „Das Lehren in einer Gemeinde von Erlösten ist bilateral ... Der Lehrer muss auch von seinen SchĂŒlern lernen. Gemeinsam sucht man die Wahrheit.“ Nur in Sekten werden die Mitglieder gelehrt, ihrem eigenen Verstand und eigener Kommunikation mit Gott nicht zu vertrauen. NatĂŒrlich gibt es eine Unterordnung innerhalb der Gemeinde. Es ist aber keine, die aus dem Kampf um Überlegenheit resultiert. Sie stammt aus einer AutoritĂ€t, die auf dem Weg geistlicher Erfahrung geschenkt wird und vom VerkĂŒnden dessen, was wahrhaft Gottes Wort ist.

Der Rat von Franz von Sales an seine SchĂŒlerin Philothea: „Halte die Eingebungen in Ehren. Stimme ihr in Liebe völlig zu. Aber bevor du einer Inspiration zustimmst in Dingen, die von grosser Wichtigkeit sind oder sehr vom normalen Weg abweichen, suche immer deinen Berater auf.“

Eine andere Faustregel: „Wenn du glaubst, dass Gott dir gesagt hat, dass du etwas tun sollst, bitte ihn, es dreifach zu bestĂ€tigen: durch sein Wort, durch die UmstĂ€nde und durch andere Menschen, die vielleicht nichts von der Situation wissen.“

5. Die sanfte Stimme – und ihr Gegenspieler

Jeder Weg, auf dem Gott mit uns kommuniziert, hat seinen eigenen Nutzen, aber sie sind nicht gleich bedeutungsvoll. Das geschriebene Wort und Jesus, das lebendige Wort, gelten immer und ĂŒberall. Sie sind nicht vergleichbar mit einer Vision oder einer Stimme, die Gott benutzt. Auf den Einzelnen bezogen spielt die „eine, sanfte Stimme 1. Sam 3,8.9; 1. Kö 19,11.12“ eine wesentlich grössere Rolle als alles andere. Leider wird dieses freundliche Wort leicht ĂŒbersehen oder nicht beachtet.

Mein Anliegen ist es zu zeigen, dass gerade diese „innere Stimme“, die bevorzugte und wertvollste Form fĂŒr Gottes Reden fĂŒr uns ist. Wir mĂŒssen deshalb diese Form mit den dramatischeren Wegen, auf denen Gott Menschen begegnet, vergleichen. Im Gegensatz zu denen, die eher spektakulĂ€re Erfahrungen machen, zögern die meisten Menschen, die mit Gott im GesprĂ€ch sind, viel ĂŒber diese innere Stimme zu reden. Und so sollte es auch sein.

Ganz allgemein: Gott kĂ€mpft nicht um unsere Aufmerksamkeit. Gelegentlich wird ein Saulus zu Boden geworfen usw., aber wir sollten damit rechnen, dass Gott uns in den meisten FĂ€llen nichts ĂŒberstĂŒlpen wird.

Die RealitĂ€t der Stimme Gottes macht es nicht ĂŒberflĂŒssig, dass wir uns darum bemĂŒhen mĂŒssen. Wenn ich etwas suche, halte ich ĂŒberall danach Ausschau. Wenn wir Gott ernsthaft suchen und dabei bereit sind, uns besondere MĂŒhe zu geben, um alles zu prĂŒfen, das vielleicht eine Anrede von ihm an uns sein könnte (Bibelverse, Gedanken etc.), dann verspricht er uns, sich finden zu lassen (Jer 29,13). Wir werden ihn aber nur suchen können, wenn wir ehrlich glauben, dass er uns in einer Weise ansprechen kann, die zu den PlĂ€nen passt, die er fĂŒr unser Leben hat.


Sechs Wege, auf denen Menschen der Bibel von Gott angesprochen wurden (diese Berichte sollten wir so lesen, als ob das ErzĂ€hlte, uns widerfahren wĂŒrde).

  1. Ein PhÀnomen plus Stimme: 1. Mo 15,17; 2. Mo 3,3; 5. Mo 5,23; Hes 1-2; Mt 3,17; Apg 9,3-8.
  2. Ein Engel: ab 1. Mo 16,7; 1. Mo 18; Jos 5,13; 4. Mo 22,22-35; Ri 6,11-24; Ri 13; Jes 6,6-13; Dan 9.20-27; Mt 1,20-25; Lk 1,11-20; Lk 1,26-38; Mt 28,2-7; Apg 5,19; Apg 27,23.
  3. TrÀume und Visionen: Zwischen Traum und Vision wird in der Bibel nicht gross unterschieden. Der Traum ist aber eine weniger bedeutende Kommunikationsform mit Gott, denn er erfordert normalerweise mehr an Interpretation. Ein Traum ist nur wie Stroh, wenn er mit dem Weizen des Wortes Gottes verglichen wird - Jer 23,28. Ein klares Bewusstsein, welches eine Offenbarung erhÀlt, ist höher zu bewerten als an abnormer Geisteszustand. Apg 89,10-13; 10,9-19; 16,9; 18,9; 1. Mo 28,11-17; 37.5-9; 40,5-19; 41,1-7 etc.
  4. Eine hörbare Stimme: Abraham auf Morija 1. Mo 22,11-18; 1. Sam 3;
  5. Die menschliche Stimme: Von der gesamten christlichen Gemeinde wird die Auffassung geteilt, dass Gott am hĂ€ufigsten durch eine individuelle menschliche Stimme zu uns redet. Die Bibel selbst ist ein Beispiel fĂŒr Gottes Reden mit Menschen – Gott sprach bei der Entstehung der Bibel zu ihnen, und tut es durch die Bibel auch heute noch. Oft spricht Gott durch einfache Menschen. Es darf zu keiner falschen Ehr-Zuweisung kommen: „Wer stolz sein will, soll auf das stolz sein, was der Herr getan hat,“ 1. Kor 1,31.
    Eines ist sicher, dass Menschen Gott nicht zwingen können, mit ihnen zu reden. Doch der Einzelne kann normalerweise schon dem Druck zu reden widerstehen, auch wenn dieser manchmal gross ist. Menschen sind keine blossen Werkzeuge (vgl. Jer 20,9; 23,9).
  6. Die sanfte Stimme:  Dieser Weg bezieht am meisten die FĂ€higkeit freier, intelligenter Wesen als Gottes Mitarbeiter und Freunde ein. Nun wird oft mit dem Hinweis auf Jes 55,8 und Jer 17,9 gesagt, dass man einem Gedanken, wenn es unser Gedanke ist, nicht trauen könne. Sicher gibt es den Unterschied zwischen unserer Sicht und Gottes Sicht. Paulus ermahnt daher: VerĂ€ndert eure Denkweise (Röm 12,2). Aber Gottes gnĂ€diges Eindringen in unsere Seele kann unsere Gedanken in seine Gedanken verwandeln.

Ein Rat: Wenn Gedanken immer wiederkehren, halten Sie betend inne, um zu ĂŒberlegen, ob da vielleicht eine „Kerze“ Gottes in Erscheinung tritt oder ob diese Gedanken eine andere Bedeutung haben. „Erforsche mich ... Ps 139,23: „Bring Licht in mein Leben, damit es gelingt.“


Immer gilt: 1. Thess 5,19-22! Einzelne meinen, diese Wege seien aufgehoben, weil wir nun die Kirche und die Bibel haben. Oft schauen Menschen lieber auf die Interpretation des Wortes Gottes von anerkannten Wissenschaftlern oder buchstabengetreuen Schriftgelehrten, als selbst das Reden Gotte vernehmen zu wollen. Man sagt dann, durch die Kirche und die Bibel haben wir alles, was nötig ist. Aber man kann Gott begegnen auch ohne Bibel und Gemeinde (Röm 1,19-21). Das wĂŒrde bedeuten, dass beide nicht nötig wĂ€ren. Wenn wir aber unter „nötig“ meinen, das was zu einer wahrhaft erlösten, persönlichen Beziehung zwischen Gott und dem Einzelnen erforderlich ist, dann ist die Existenz von Bibel und Gemeinde ganz bestimmt nicht genug. Denn beide mĂŒsste, neben ihrer reinen Existenz, eine Auswirkung auf den Einzelnen haben. Und damit das geschehen kann, mĂŒssen beide zum Mittel werden, durch das Gott jeden Menschen persönlich und einzigartig anspricht. Man könnte anderenfalls von einem Bibel-Deismus sprechen: Gott gab die Bibel und nun schweigt er.

Mit dem Fortschreiten der biblischen Geschichte kann man feststellen, dass im Prozess göttlicher Kommunikation Folgendes galt: Je grösser die Reife der Hörer war, desto grösser auch die Klarheit der Botschaft und desto unbedeutender die Rolle von TrĂ€umen, Visionen und anderen ungewöhnlichen PhĂ€nomenen. Das sieht man besonders bei Jesus. Bei ihm findet man ein starkes Übergewicht von rein geistlicher – nicht-physikalischer – Kommunikation mit dem Vater. Er empfing FĂŒhrung im Gebet.

TrĂ€ume etc. spielen auch heute noch eine grosse Rolle. Wo sie aber zur Hauptsache werden, zeigt das ein weniger entwickeltes geistliches Leben an – sowohl beim Einzelnen, als auch in einer Gemeinde.

Im Allgemeinen tendieren geistliche Erkenntnisse dazu, destruktiv zu sein, wenn sie nicht von einer reifen Persönlichkeit vertreten werden, die von Liebe und Demut durchdrungen ist. Wenige Dinge sind erschreckender im geistlichen Bereich als Menschen, die ein „absolutes Wissen“ besitzen, aber dabei lieblos, stolz oder Ă€ngstlich sind. Und wenn das SpektakulĂ€re gesucht wird, ist das meist ein kindischer Zug. Es mag manchmal wegen unserer Begriffsstutzigkeit nötig sein, dass Gott zu solchen Mitteln greifen muss. Doch sollte man diese Dinge nie als Zeichen geistlicher Überlegenheit ansehe.

Es ist deshalb natĂŒrlich und richtig, dass Gottes Wort auf eine Art zu uns kommt, bei der wir uns anstrengen mĂŒssen, um sie zu vernehmen. Das gilt auch fĂŒr die Bibel, die in mancher Hinsicht sehr deutlich ist, aber es doch stĂ€ndig erforderlich macht, uns anzustrengen, um sie zu verstehen. Und im Prozess dieser Anstrengung wachsen wir.

Gott möchte uns ĂŒber den Punkt hinausbringen, an dem wir Zeichen nötig haben, um seine FĂŒhrung zu erkennen. Wenn die bei uns bleibende Gegenwart Jesu unser FĂŒhrer wird, dann wird FĂŒhrung zu einer nahezu unbewussten Reaktion auf die Anstösse des Heiligen Geistes – kein lautes Wort wird mehr nötig sein.

6. Das Wort Gottes und seine Herrschaft

Gott schuf, Gott regiert und Gott erlöst durch sein Wort.

Auch unsere Worte haben Macht. Deutlich wird es im Buch der SprĂŒche gesagt: 18,21; 25,15; 15,4 – das Thema setzt sich auch im NT fort: Jak 3,5 und Mt 12,37.

Das Wort als das Reden einer Person muss als geistige Kraft verstanden werden. Da Gott Geist ist (Joh 4,24), kann man sagen, dass die Grundlage aller Wirklichkeit Geist ist (Hebr 1,1-3).

Gottes Reich ist ein Königreich. Reiche werden nicht mit Gewalt zusammengehalten, sondern mit Worten, Einsichten, Treueversprechen und BĂŒndnissen. In einem Reich hat das Wort des Königs Macht. Das begreift der Hauptmann von Kapernaum (Mt 8). „Sprich nur ein Wort!“ Was wir hier sehen, ist Vertrauen aufgrund erfahrungsgemĂ€ssen Wissens um die Macht des Wortes, das von autorisierten Personen ausgeht. In einem persönlichen Universum dirigiert das Wort Handlungen und Ereignisse. Vgl. auch Mt 9,6: „Steh auf ... deine SĂŒnden sind dir vergeben.“

Nach den biblischen Berichten, sind solch machtvolle Worte auch Menschen verliehen worden. Z.B. 4. Mo 20,8-12; Mt 10,7-8; Lk 9,1-10; 10,1. Jesus ĂŒbertrug das Wort Gottes mit seiner Kraft auf ganz gewöhnliche Menschen. Interessant ist die Geschichte in Mk 9. Der FallsĂŒchtige Knabe konnte von den JĂŒngern nicht geheilt werden. Jesus sagt: Nur durch Gebet kann der Geist ausgetrieben werden. Dann betet er selber aber nicht. Wie ist das zu erklĂ€ren? Vermutlich gibt es verschiedene Stufen der Kraft, und Beten erhöht die Kraft. Beten sollte die Grundlage des Redens in Kraft sein. Wenn unser Gebetsleben ein vertieftes Niveau erreicht, werden auch die Worte kraftvoller.


Wie unterscheiden sich die schöpferischen Worte Gottes von Zauberei?

Magie: Der Versuch, Ereignisse durch Manipulation von Symbolen, mit besonderen Substanzen, mit Abbildungen oder mit Zauberformeln zu beeinflussen.

Satanismus oder DĂ€monie sind in der Praxis zwar oft mit Magie vermischt, gehen aber nach einem ganz anderen Prinzip vor. Sie dienen einer persönlichen, aber bösen Macht oder nehmen ihre Dienste in Anspruch. Magie und Hexerei sind dagegen eine Form des Aberglaubens. Sie arbeiten aufgrund der Annahme, dass manche Taten, Stoffe oder UmstĂ€nde, die keinen logischen oder natĂŒrlichen Bezug zu einem bestimmten Ablauf von Ereignissen besitzen, trotzdem Einfluss darauf haben, wenn man entsprechend an die Sache herangeht. Beten und Reden mit Gott muss sorgfĂ€ltig von diesem Aberglauben unterschieden werden. Buber: „Magie wĂŒnscht ihre Auswirkungen zu erreichen, ohne in eine Beziehung einzutreten, und praktiziert ihre Tricks ins Leere.“ Aberglaube ist Glaube an Magie. Magische Rituale können durchaus etwas bewirken. Die Kraft steckt nicht im Ritual selber. Die Auswirkung kommt aus dem Bereich des Verstandes und Geistes in einem bestimmten sozialen Umfeld – denn dort hat man bestimmte Überzeugungen (psychosoziale Ordnung). Möglicherweise sind manchmal auch Geistwesen involviert.

Das bedeutet: Im christlichen Umfeld glauben wir nicht, dass die Kraft in den verwendeten Worten oder in den Ritualen selber liegt. (vgl. Mt 6,7) Möglicherweise haben viele Christen in ihren religiösen AktivitĂ€ten wenig anderes aufzuweisen als Aberglauben. Auch Gesetzlichkeit ist Aberglaube. Gesetzlichkeit behauptet, dass offenkundiges Handeln in Übereinstimmung mit ausfĂŒhrlichen Verhaltensregeln uns vor Gott gerecht und ihm gefĂ€llig macht und seinen Segen auf uns herabzieht. Jesus nennt das die Gerechtigkeit der Schriftgelehrten (Mt 5,20). Gesetzliche Menschen neigen zu aberglĂ€ubischem Verhalten, weil sie im Interesse der Kontrolle des Lebens durch ihre Gesetze, sich von den natĂŒrlichen Verbindungen des Lebens lösen. Das Leben kommt aber nicht aus dem Gesetz (Gal 3,21). Gesetzliche Menschen neigen immer zu rein symbolischem Verhalten, von dem sie annehmen, dass es die positiven Wirkungen hervorbringt, die sie sich wĂŒnschen. Auch Magie und Aberglaube legen eine Betonung darauf, alles „richtig“ zu machen (Apg 19).


Die Bibel ist eines der Ereignisse vom Reden Gottes. In seiner ursprĂŒnglichen Form ist sie irrtumsfrei und unfehlbar in dem, was sie beabsichtigt: Uns in eine Leben rettende Beziehung zu Gott zu fĂŒhren. Unfehlbarkeit der vorhandenen Abschriften garantiert nicht vernĂŒnftige und grĂŒndliche, viel weniger irrtumsfreie Interpretationen (vgl. 2. Petr 3,16). Wenn wir jetzt die Bibel lesen, muss unsere AbhĂ€ngigkeit sich auf Gott beziehen, der auch heute zu uns spricht – in Verbindung mit der Bibel und mit unserem besten BemĂŒhen, sie zu verstehen. Das Reden Gottes umfasst viel mehr als die Bibel. Die Bibel ist aber nicht das lebendige Wort, das Christus ist. Die Bibel wurde nicht von einer Jungfrau geboren, gekreuzigt ... Die Bibel ist auch nicht das Wort Gottes, das ewig bleibt (Ps 119,89), das sich in der Ordnung der Natur erweist (Ps 19,1-4), auch nicht das Wort Gottes, das sich in der Apg ausbreitet (12,24).

Wenn wir versuchen der Bibel WĂŒrde zu verleihen, indem wir falsche Dinge ĂŒber sie behaupten – indem wir einfach das Reden Gottes mit der Bibel gleichsetzen -, werten wir sie in Wirklichkeit nicht auf. Wir verfĂ€lschen sogar ihren Inhalt, indem wir leugnen, was sie selbst ĂŒber die Natur des Redens Gottes sagt.

7. Erlösung durch das Reden Gottes

Gott redet nicht nur fĂŒr uns und unsere PlĂ€ne und vorrangig nicht fĂŒr unser Wohlergehen oder unsere Befriedigung. Die erlöste Gemeinschaft soll der Menschheit zeigen, wie sie leben soll. Sie ist das Licht der Welt.

Nur indem wir zeigen, wie man lebt, können wir andere zu leben lehren. Durch unser Beispiel – durch die Art von Leben, das in uns ist, zeigen wir, dass Gott in uns wohnt. Wie in Christus selbst, sollen in uns das Licht und das Leben sein (Joh 1,4). Die Ressourcen aus Gottes Herrschaftsbereich stehen der Gemeinde zur VerfĂŒgung. Wie schwach auch immer, wir empfinden dies und verkĂŒnden es, wenn wir sagen „Christus ist die Antwort.“ Nachfolger und Freunde Jesu bilden in dieser Welt so etwas wie eine Kontaktstelle zwischen Himmel und Erde.

Wie kann das werden? Wenn ein Kohlkopf lebt, dann ist er dennoch tot auf der Ebene des Spielens. Ein KĂ€tzchen lebt auch auf dieser Ebene, ist aber tot auf der Ebene der Poesie. Menschen waren einst Gott gegenĂŒber lebendig. Sie waren erschaffen worden, um ihm zu antworten und mit ihm gemeinsam zu handeln. Als sie Gott ungehorsam wurden, lösten sie sich selbst aus dem Herrschaftsbereich Gottes. Dadurch waren sie in der Beziehung zu ihm tot – biologisch lebten sie zwar weiter. Nun musste Gott ihnen und ihren Kindern eine zusĂ€tzliche Ebene des Lebens vermitteln. Sie mussten „von neuem geboren“ werden (Joh 3,3). Nur so wurden sie Gott gegenĂŒber wieder lebendig. Im Bild: Wie ein KĂ€tzchen, das sich plötzlich fĂŒr Poesie interessiert – ebenso ist die Umwandlung durch diese neue Geburt. Nun entfaltet der geistlich Geborene ein Leben, das aus dem unsichtbaren geistlichen Bereich und seinen KrĂ€ften stammt. Diese Geburt geschieht durch das lebendige Wort Gottes (Jak 1,18; 1. Petr 1,23). Dabei bleibt die Einzigartigkeit einer jeden individuellen Persönlichkeit in der Schönheit und GĂŒte des natĂŒrlichen Lebens erhalten. Aber nun ruht ein heiliger Glanz auf ihr und scheint durch sie hindurch, weil sie nun der Tempel Gottes ist, der Bereich, ĂŒber dem sich die Macht Gottes ausbreitet. Ein neues geistliches Leben entsteht durch das Wort Gottes, wenn dieses Wort die Energien des natĂŒrlichen Lebens in Besitzt nimmt und neu ausrichtet, um die Ziele der Gottesherrschaft zu fördern.

In Eph 5,25-27 wird Christus, das Wort Gottes, als dasjenige dargestellt, das alle Unreinheit und alles Störende abwĂ€scht, das durch unser gottfernes Leben in uns eingedrungen ist. Diese Unreinheiten, die bei der neuen Geburt nicht alle automatisch verschwinden, beschrĂ€nken das geistliche Wachstum und auch die Rolle, die die Erlösten als Licht der Welt ausĂŒben sollten.

Welche Menge an Dingen muss zuerst aus unserem Denken heraus gewaschen werden: Gewöhnlich denken wir, dass der Mensch durch HĂ€rte gut wird – das war nicht der Weg Jesu. Wir sind geneigt zu glauben, dass wir fĂŒr uns selber sorgen mĂŒssten – doch Jesus wusste, dass jener, der sein Leben retten will, es verliert (Lk 9,24-25). Wir sind der Überzeugung, dass wir etwas gewinnen, wenn wir es an uns reissen – Jesus lehrt das Gegenteil (Lk 6,38). ... Selbst fĂŒr langjĂ€hrige Christen wird noch viel innere Wandlung nötig sein: Wenn Schwierigkeiten auftauchen – wie lange brauchen wir, bis wir beten? Wenn wir einen Unfall sehen ... legen wir die Betroffenen Gott im Gebet hin? Wenn wir jemanden treffen sollen, beten wir fĂŒr diese Begegnung? Ist uns stĂ€ndig bewusst, dass Gott gegenwĂ€rtig ist, auch wenn wir alleine sind? Kehrt unser Geist spontan zu Gott zurĂŒck, wenn wir nicht intensiv beschĂ€ftigt sind? Die Antworten zeigen, wie stark unser Geist noch auf eingeschliffenen Bahnen lĂ€uft.

In der weiteren Entfaltung von Gottes Erlösungswerk entwickelt sich Kommunikation zu Gemeinschaft und Gemeinschaft zu Vereinigung. Wenn diese Entwicklung vollendet ist, können wir wahrhaftig sagen: „Ich lebe, doch nicht mehr ich. Christus lebt in mir,“ (Gal 2,20) denn Christus ist meine Leben (Phil1,21). Kommunikation kann auch mit einem Feind geschehen. Wenn aber Kommunikation sich zur Gemeinschaft entwickelt, dann ergibt sich auch ein Teilen der Gedanken und GefĂŒhle. Wenn Gemeinschaft zur Vereinigung fĂŒhrt, geht das Empfinden fĂŒr „mein“ und „dein“ öfter verloren. Da gibt es nur noch „unser“, und wĂ€hrend „mein“ immer noch „mein“ bedeutet, meint es jedoch nicht lĂ€nger „nicht dein“. Das kann in einer Ehe geschehe. Deshalb dient das Bild der Ehe auch fĂŒr die Beziehung zwischen Jesus und seiner Gemeinde.

Wir mĂŒssen es buchstĂ€blich nehmen, wenn es heisst Christus lebt in uns. (Auch Joh 6,53-55)

Nicht dem Fleische nach, sondern im Geiste und in seinem Wort (Joh 6,63).

In Mt 8,26: Die JĂŒnger glaubten an Jesus, hatten aber noch nicht Jesu Glauben an den Vater. Deshalb sagte er: „Ihr KleinglĂ€ubigen.“ Es geht um Christus in uns (Gal 2,20). Erst dann sind wir Reben am Stock. (2. Kor 5,17)

Wenn das neue Leben beginnt, haben wir die Verantwortung und die Möglichkeit, immer mehr unser ganzes Sein darauf zu konzentrieren. Das ist unsere Aufgabe, die Gott nicht fĂŒr uns erledigt. In Röm 7 spricht Paulus von einer Zeit, in der er entdeckte, dass die Neigungen seiner Persönlichkeit sich auch noch weiterhin in ihren alten Bahnen bewegten. Sie befanden sich noch nicht in Übereinstimmung mit dem neuen Leben, das in ihm eingezogen war (7,15). Wie bei einem Boot, das durch seine TrĂ€gheit nicht sofort der Lenkung nachgibt. Wir mĂŒssen uns daher mit dem christusĂ€hnlichen Leben in uns identifizieren und uns gegen die SĂŒnde entscheiden (Röm 6,11). Ist es mein Wille, in dem alten Zustand der SĂŒnde zu leben oder im neuen Leben? (Phil 2,12-13)

Wie kann die Identifikation mit dem neuen Leben zunehmen? In einem angemessenen Umgang mit dem geschriebenen Wort.

Bibelmeditation: Wie Offenheit und Hunger nach Gott auf natĂŒrlichem Weg zur Bibel fĂŒhren, so leitet ihr hĂ€ufiger Gebrauch ganz natĂŒrlich zum Geist Gottes und der Person Jesu.

Wenn wir die Bibel lesen und uns vernĂŒnftig, demĂŒtig und offen mit ihr beschĂ€ftigen, werden wir zunehmend an den Gedanken Gottes Anteil haben. Die Worte der Schrift fĂŒhren uns zur Gemeinschaft und öffnen den Weg zur Einheit.

Einige Tipps (vgl. Madame Guyon Kap. 1-4): Lesen Sie in der Haltung der Unterordnung. Ordnen Sie ihren Wunsch, die Wahrheit zu finden, dem Wunsch unter, diese zu tun, danach zu handeln.

Beginnen Sie mit den Teilen, die sie schon kennen (Ps 23, Röm 8 etc.). Ziel ist es ja nicht, Wissenschaftler zu werden oder andere mit Bibelwissen zu beeindrucken (eine schlimme Falle fĂŒr viele Gemeinden, fĂŒhrt zu Stolz und letztlich zu Streit). Thomas Ă  Kempis: „Wenn du die ganze Bibel auswendig wĂŒsstest, und alle Lehren der Philosophie dazu, was wĂŒrde dir das nĂŒtzen ohne die Gnade und Liebe Gottes?“

Lesen sie nicht viel auf einmal: „Wenn du schnell liest, wird es dir wenig bringen. Du wirst einer Biene gleichen, die nur die OberflĂ€che einer Blume berĂŒhrt. Stattdessen musst du durch diese neue Art, unter Gebet zu lesen, der Biene Ă€hnlich werden, die in die Tiefe der Blume eindringt. Du wirst dabei den sĂŒssesten Nektar ans Tageslicht bringen.“ Madam Guyon. Es ist besser, wenn man in einem Jahr sein Leben nach zehn wichtigen Versen ausrichtet, als wenn in einem Jahr jedes Wort der Bibel an unseren Augen vorbeigezogen ist. Der Buchstabe tötet (2. Kor 3,6).

Beten Sie um die Hilfe des Heiligen Geistes und fragen sie bei einer Stelle: Was bedeutet das fĂŒr mein Leben? Machen sie ein Gebet aus dem Gelesenen – Lob oder Bitte.

Z.B. Ich lese: Der Herr ist mein Hirte.

Zuerst ist das eine Information: David sieht in Gott seinen Hirten.

Beim meditieren kommt in mir die Sehnsucht auf, dass das auch fĂŒr mich gelten soll.

Im weiteren Nachdenken merke ich, dass das doch auch fĂŒr mich gilt ...

  1. Information
  2. Sehnsucht, dass es so sein möge
  3. BestÀtigung, dass es so sein muss
  4. Anrufung Gottes, dass er es so machen möge
  5. Aneignung durch Gottes Gnade, dass es so ist. Diese letzte Phase darf nicht erzwungen oder gar vorgetÀuscht werden. Gott muss es geben.

Wenn eine innere Übereinstimmung herrscht zwischen unserem Denken und der Wahrheit der Bibelstelle, dann wissen wir, dass etwas vom Geist Gottes in uns Raum gewonnen hat. Die lectio divina ist dazu sehr geeignet – durch sie kann das geschriebene Wort in uns lebendig werden.

8. Die Stimme Gottes erkennen

Wenn ein Wort oder ein Gedanke uns trifft – durch andere Menschen, die innere Stimme, besondere Erfahrung, aus der Bibel oder durch bestimmte UmstĂ€nde -, wie können wir wissen, ob Gott da zu uns spricht?

Einige Dinge sind zwar durch die Worte der Bibel klar z.B.: Du sollst keine Götzen anbeten etc.. Dennoch bleibt die Frage. Die einzige Antwort: Durch Erfahrung. Denn selbst das gewöhnlichste Zitat aus der Bibel kann verschieden benutzt werden. Aus sich heraus können die biblischen Lehren alleine unseren persönlichen weg mit Gott nicht fĂŒhren. Sie mĂŒssen immer individuell angewandt werden, oder sie bleiben kein Teil unseres Lebens.

Drei Faktoren: Innere EindrĂŒcke, Bibel und UmstĂ€nde. Fallen die zusammen, dann haben wir eine gewisse Sicherheit, dass es sich um Gottes Reden handelt. Sie sind aber voneinander abhĂ€ngig. Z.B. kann man nur selten anhand „offener TĂŒren“ wissen, wer sie geöffnet hat (Gott, Satan, Menschen). Manchmal kann man auch gar nicht sagen, ob die TĂŒre nun offen ist oder nicht, bevor man gehandelt hat. Die Schrift und ein inneres FĂŒhren muss daher in die Überlegung mit einbezogen werden, ob nun die TĂŒre offen ist oder nicht. Diese drei Faktoren  schliessen aber unser eigenes Beurteilen nicht aus. Verantwortungsvoll in Beurteilung und Handeln zu sein, heisst, demĂŒtig und aufmerksam diese Faktoren einzubeziehen.

Dass wir die Stimme Gottes durch Erfahrung erkennen ist aber nur die eine Seite. Seine Stimme hat auch gewisse Merkmale.

Das Gewicht der AutoritĂ€t: Die Stimme des Unterbewussten streitet mit mir und versucht mich zu ĂŒberzeugen. Gottes innere Stimme streitet nicht, versucht nicht zu ĂŒberzeugen. Sie spricht nur und beglaubigt sich selbst. Das Empfinden, Gottes Stimme zu sein, trĂ€gt sie in sich selbst.

Der Geist der Stimme Gottes: Es ist ein Geist grossen Friedens und Vertrauens, der Freude, sanfter Vernunft und guten Willens. Es ist der Geist Jesu (Jak 3,17).

Inhalt: Er stimmt mit den biblischen Aussagen ĂŒberein. Dabei geht es um die Prinzipien und nicht um NebensĂ€chlichkeiten (lange oder kurze Haare). Es ist auch kein Prinzip, dass man alles verschenken muss (Mk10), denn es ist keine Lehre der gesamten Schrift.

HĂŒten sie sich, die Bibel als Rezeptbuch fĂŒr ein erfolgreiches Leben im westlichen Stil, zu gebrauchen. Gott spricht nicht zu uns, nur um uns aus den Problemen herauszufĂŒhren – obwohl er das manchmal tut. Gottes Reden versichert uns auch nicht, dass es uns gut gehen und sich alles nach unseren WĂŒnschen entwickeln wird.

Um die Stimme Satans zu erkennen, mĂŒssen wir die gleichen Unterscheidungsmerkmale anwenden wie bei gesprochenen oder geschriebenen Mitteilungen, die wir von anderen Menschen empfangen: Beschaffenheit, Geist und Inhalt.

Unfehlbarkeit: Gott hat nicht die Absicht, dass wir beim Erkennen seiner Stimme unfehlbar sind. Wir können uns auch irren bei den meisten anderen Überzeugungen, auf denen wir unser Leben aufbauen. Doch gewöhnlich haben wir Recht. Unfehlbarkeit gehört einfach nicht zu unserer menschlichen Verfassung. Man sollte sie sich nicht wĂŒnschen und auch nicht von unserer Beziehung zu Gott erwarten.

Ich persönlich finde angesichts eines möglichen Irrtums grossen Trost in einer engen Beziehung zur Bibel. Durch Erfahrung haben viele erkannt, dass es einen enormen Unterschied gibt zwischen dem Ergriffenwerden durch ein Wort Gottes aus der Schrift und einer Erfahrung mit der Bibel, bei der ich einfach die Worte, die dort stehen, aufnehme, wie interessant sie auch immer sein mögen. Die Wissenschaft ist sicher wichtig fĂŒr den Einzelnen und die Gemeinde. Sie ist Teil unseres Anteilnehmens am verantwortlichen Leben vor Gott. Doch sie kann niemals die Stelle der Erfahrung der lebendigen Stimme Gottes einnehmen. Und sie kann auch unsere Fehlbarkeit nicht aufheben. Menschen die alles ĂŒber die Bibel wissen, mögen trotzdem niemals richtig Gottes Wort gehört und erkannt haben. Und solche, die es gehört und bereitwillig aufgenommen haben, können vielleicht wenig darĂŒber sagen. Doch wir brauchen viele Menschen, fĂŒr die beides gilt – die Gottes Wort kennen und die viel darĂŒber wissen, damit es mehr offene TĂŒren erhĂ€lt und in der Gemeinde und in der Welt sachkundig aufgenommen wird. (vgl. Paulus wusste zu unterscheiden – 1 Kor 7,12. Obwohl er seine Briefe unter göttlicher Eingebung verfasste, hörte er nicht auf zu denken. Die Gedanken waren seine eigenen, aber sie waren gleichzeitig Gottes Instrument.)


Praktische Konsequenzen, wenn wir auf Gottes Stimme hören:

  1. Unmittelbarer, tĂ€glicher Zugang zum Reich Gottes fĂŒr alle Glaubenden. Ohne die Worte Gottes wird die Herrschaft Gottes durch unser Leben nicht so gefördert, wie es sein sollte und könnte.
  2. Vertrauen, Trost und Frieden. Ohne Kommunikation mit Gott wird unsere Weltsicht sehr unpersönlich, wie herrlich wir auch Gottes Schöpfung empfinden mögen.
  3. Schutz vor verrĂŒckten religiösen SchwĂ€rmern und von ĂŒbertriebener Gesetzlichkeit.
  4. Das Erkennen eines Lebens von biblischer QualitĂ€t. Das Erfahren und Verstehen der Stimme Gottes können die Ereignisse der Bibel fĂŒr uns real werden lassen.

9. Ein Leben, das ĂŒber das GefĂŒhrtwerden hinausgeht.

Der Glaube steht nicht im Gegensatz zum Wissen. Es ist lediglich eine andere Sichtweise. Und die Gnade bildet keinen Gegensatz zur Anstrengung. Sie steht lediglich im Gegensatz zum Verdienst. Hingabe wird nicht unterstĂŒtzt durch Verwirrung, sondern durch Einsicht. Ein Mensch, der nicht informiert ist oder sich in einem verwirrten Zustand befindet, wird unvermeidlich in seinem Handeln, seinen Gedanken und GefĂŒhlen instabil und verwundbar sein.


Zusammenfassung:

Ohne die feine Stimme bleiben Ereignisse, Erscheinungen oder biblische Texte rĂ€tselhaft, unerklĂ€rlich und offen fĂŒr Mutmassungen.

Gott könnte uns leiten, so wie wir ein Auto lenken. Als seine Mitarbeiter und Freunde, wird er aber zu uns sprechen. Und sein Reden geschieht meistens in Verbindung mit dem Lesen der Bibel und dem Nachdenken ĂŒber sie.

Die Unfehlbarkeit des Redners garantiert nicht die Unfehlbarkeit des Hörers und muss es auch nicht.

Das Zuhören und die Art des Aufnehmens weisen fundamental auf unseren Charakter hin. Diejenigen, die nicht wirklich hören wollen, was Gott sagt, bringen sich selbst in eine Lage, wie sie in Mk 4,12 beschrieben wird. TatsĂ€chlich wollen nur wenige konkret hören, was Gott ihnen zu sagen hat. Denn wer brennend Gottes Stimme vernehmen will, sucht sie auch in den alltĂ€glichen, ereignisarmen Zeiten, ebenso wie wenn Probleme oder grosse Entscheidungen anstehen. Das ist der Test. Der Grund, dass wir Gott nicht vernehmen, könnte darin liegen, dass wir im Allgemeinen nicht auf ihn hören wollen. Es könnte sein, dass wir nur dann fĂŒr seine Stimme offen sind, wenn wir glauben, sie nötig zu haben. Es könnte sein, dass wir nur aus unseren Problemen herauskommen wollen.

Es ist auch nicht klug die klaren Anweisungen Gottes zu missachten und dann zu erwarten, eine besondere Botschaft von ihm zu bekommen, wenn wir sie uns wĂŒnschen. Gott hört zwar gelegentlich auch auf SĂŒnder und spricht zu ihnen. Aber das kann nicht der normale Plan fĂŒr ein Leben in der Gottesbeziehung sein. Denn jeder, der die allgemeinen Anweisungen der Bibel ablehnt, will eigentlich von Gott gar nicht gefĂŒhrt werden.


Praxis:

Wir denken stĂ€ndig ĂŒber Gottes GrundsĂ€tze fĂŒr das Leben nach, wie sie in der Bibel sichtbar gemacht werden, wobei wir uns immer bemĂŒhen ihre Bedeutung und ihre Anwendung auf unser eigenes Leben tiefer zu erfassen.

Aufmerksam achten wir auf das, was in unserem Leben, in unserem Geist und in unserem Herzen vor sich geht. Hier kommen Gottes Mitteilungen fĂŒr uns an.

Wir beten und sprechen bestĂ€ndig mit Gott und vor allem ĂŒber die Dinge, die uns beschĂ€ftigen. Nichts ist so unbedeutend oder so hoffnungslos, um es nicht vor Gott zu bringen.

Wenn Gott redet, seien sie aufmerksam und akzeptieren sie sein Reden. Es ist eine gute Gewohnheit diese Worte aufzuschreiben.

Wenn Gott nicht zu reden scheint:

  • Bitten sie Gott, zu zeigen ob, und welches Hindernis vorliegt. RĂ€umen sie es gnadenlos aus.
  • Holen sie sich Rat
  • Handeln sie so, wie es ihnen am besten erscheint, nachdem sie die Alternativen einer PrĂŒfung unterzogen haben. Bei Gleichwertigem, wĂ€hlen sie nach ihren WĂŒnschen.

TĂ€gliches Gebet um die FĂŒhrung Gottes und um sein Reden. RegelmĂ€ssige Zeiten des Hörens einplanen. Nach diesen Zeiten, wenn möglich etwas tun, das nicht unsere volle Aufmerksamkeit erfordert. Gehörtes aufschreiben. Nochmals bedenken oder mit anderen besprechen.

Es ist viel wichtiger, den inneren Raum der Stille und des bestÀndigen Hörens zu pflegen, als dauernd Gott aufzusuchen und direkte Anweisungen zu erbitten.

Es gibt keine Tricks und todsichere Techniken, um Gottes Reden zu erzwingen (vgl. Saul in 1. Sam 28). Gott ist keine himmlische Aspirintablette, die unsere Kopfschmerzen kurieren soll, die durch bestÀndige, absichtliche Abwendung von ihm verursacht worden sind.

Es gibt Zeiten, in denen Gott nicht zu uns spricht. Einer der hĂ€ufigsten GrĂŒnde ist dann, dass es Gottes Wille ist, dass wir selbst unseren Lebensweg mehr bestimmen sollen. Wie bei einem Kind. Es kann sich nicht zu einem verantwortlichen, souverĂ€nen Menschen entwickeln, wenn ihm stĂ€ndig gesagt wird, was es tun soll. Was wir wollen, was wir denken, was wir entscheiden, wenn wir kein Wort hören, oder wenn wir so in ihm leben, dass seine Stimme in uns nicht mehr von unseren eigenen Gedanken unterscheidbar ist – das alles zeigt, wer wir sind: Entweder sind wir Gottes erwachsene Kinder, Freunde und Mitarbeiter, oder wir sind etwas sehr viel Geringeres.

Es gibt auch noch das neurotische Suchen nach dem Willen Gottes. Es ist weit mehr besorgt, gerecht zu sein, als Gott und andere zu lieben (man kann ĂŒbergerecht sein Pred 7,16).

Wenn wir denken, Gott sei ein Tyrann, dann haben wir auch Angst irgend einen eigenen Schritt zu machen. Man könnte auch denken, dass wenn Gott uns alles sagt, wir dann keine Verantwortung fĂŒr unser Handeln tragen mĂŒssten.


Wir können nicht gehorchende Roboter und gleichzeitig Kinder Gottes sein. Wenn unser Leben in Übereinstimmung mit den allgemeinen Anweisungen der Bibel als Ganzem ist, dann befinden wir uns vollkommen in seinem Willen. Wenn wir ausserdem Gottes besonderes Reden in einer besonderen Angelegenheit von ihm empfangen und gehorchen, dann befinden wir uns vollkommen in Gottes besonderem Willen fĂŒr uns. Wir mĂŒssen von der Vorstellung abkommen, dass wir vom Weg abgekommen sind, wenn wir seine besonderen Hinweise nicht vernehmen. Wenn wir gebetet haben und nichts vernehmen, dann können wir sicher sein, dass es das Beste ist, wenn Gott keine Anweisungen gibt. Er erwartet dann von uns Entscheidungen und traut sie uns zu. Unterschiedliche Handlungen können dann durchaus alle Gottes Willen entsprechen, weil keine Sache besser ist als die andere. Der vollkommene Wille Gottes kann fĂŒr einzelne eine Reihe von Alternativen erlauben (Z.B Beruf, Lebenspartner, Wohnort etc.). Menschen mit einer reifen Sicht von Gott und ausgiebiger Erfahrung in seinen Wegen brauchen nicht Ă€ngstlich zu sein, ob sie das Richtige tun. Ihr Vertrauen hĂ€ngt letztlich nicht an einem Wort des Herrn, sondern am Herrn selber, der uns immer begleitet.


Dass wir nichts vernehmen kann auch andere GrĂŒnde haben: Wir stehen in einem kosmischen Kampf. Satan kann störend eingreifen. Es kann auch sein, dass wir das Reden vernommen haben, dass dann aber nichts passiert. Da mögen andere Menschen beteiligt sein und diese mögen dem Willen Gottes nicht folgen. Gott will sie wahrscheinlich nicht ĂŒberfahren. Deswegen brauchen wir das Vertrauen in die FĂŒhrung Gottes aber nicht zu verlieren.


Es ist auch fĂŒr unsere Entfaltung und persönliche Reife wichtig, dass wir etwas wagen und einem Risiko ausgesetzt werden, denn nur Risiken bilden den Charakter. Wir brauchen das Risiko aber nicht zu suchen, aber wir werden niemals daran vorbei kommen, wenigsten in dieser Welt. Und wir sollten es auch gar nicht versuchen.


Wir mĂŒssen letztlich ĂŒber die Frage, Gottes Stimme zu hören hinauskommen und in ein Leben, das grösser ist als unser eigenes, eintreten – das Leben des Reiches Gottes. Mit dem Blick auf dieses Leben antwortete John Wesley einem, der ihn fragte: Weshalb predigen sie? Wohin fĂŒhren sie diese Menschen? Welche Religion verkĂŒndigen sie? WofĂŒr ist das gut?

„Ich predige so vielen Menschen, wie mir zuhören wollen. Sie fragen, was ich mit ihnen mache? Ich möchte sie tugendhaft und glĂŒcklich machen, unbeschwert in sich selbst und nĂŒtzlich fĂŒr andere. Wohin ich sie fĂŒhre? Zum Himmel; zu Gott, dem Richter, dem Liebhaber aller, und zu Jesus, dem Mittler des Neuen Bundes. Welche Religion ich verkĂŒndige? Die Religion der Liebe; das Gesetz der Freundlichkeit, das durch das Evangelium ans Licht gekommen ist. WofĂŒr es gut ist? Damit alle, die es empfangen, sich an Gott und an sich selbst freuen; um sie alle gottĂ€hnlich zu machen, Liebhaber aller Menschen, zufrieden in ihrem Leben und bei ihrem Tod in ruhiger Gewissheit ausrufend: ‚Tod, wo ist dein Stachel? Hölle, wo ist dein Sieg? Dank sei Gott, der mir den Sieg gibt durch meinen Herrn Jesus Christus.’“

Jesus kam, um der allgemeinen menschlichen Not zu begegnen, nĂ€mlich der Frage, wie man ein gutes Leben fĂŒhren kann. Er kam, um uns zu zeigen, wie man durch das Vertrauen auf ihn am besten zurechtkommt in der Welt, wie sie wirklich ist.

Epilog

Die sichtbare Welt erschlĂ€gt uns tĂ€glich fast mit ihren Dingen. Sie ziehen und zerren an uns von allen Seiten. Es gibt nur wenige Menschen, die morgens mit einem Hunger nach Gott aufwachen, wie nach einem FrĂŒhstĂŒck. Aber statt zu rufen, flĂŒstert die geistliche Welt uns immer nur freundlich zu. Gottes EinbrĂŒche in das menschliche Leben scheinen uns durch ihre Sanftheit geradezu einzuladen, sie wegzuerklĂ€ren. Gott möchte, dass wir ihn herbeiwĂŒnschen. Wenn wir das nicht tun, wird er uns uns selbst ĂŒberlassen.

Diese Charakterprobe, die uns von der freundlichen AnnĂ€herung Gottes zu uns zugemutet wird, ist vor allem gefĂ€hrlich fĂŒr Menschen, die durch die Vorstellungen unserer heutigen Welt geprĂ€gt sind. Der gesellschaftliche Druck in Richtung Skeptizismus lĂ€sst nur wenige ein gesundes Gebetsleben entwickeln. Meist werden Antworten auf die Gebete als Zufall wegerklĂ€rt. Zudem mĂŒssen wir uns bewusst sein, dass die sichtbare Welt, obwohl sie real ist, doch nicht die ganze Wirklichkeit darstellt. Denn weder Gott noch der menschliche Verstand oder das Herz sind sichtbar. Das gilt fĂŒr alle persönlichen RealitĂ€ten. Auch Gott und das Ich begegnen sich in der unsichtbaren Welt, weil beide von Natur aus unsichtbar sind, obwohl beide auch eine Beziehung zur sichtbaren Welt haben. Das zweite Gebot verbietet uns Gott in sichtbaren Kategorien zu denken.

Doch Gott steht unserem Problem, die Macht der sichtbaren Welt zu ĂŒberwinden, nicht unbeteiligt gegenĂŒber. Er greift in das Sichtbare ein (z.B. Riten, StiftshĂŒtte, Opfer 2. Mo 29,42.45). Sein hörbares Reden war aber ein Schritt weg vom Sichtbaren in die unsichtbare, geistliche Welt (5. Mo 4,10-14). Das Ziel ist es ganz in das verborgene Reich der geistlichen RealitĂ€t hineinzugelangen, wo Gott angebetet werden soll (Joh 4,24). Als die Stimme erscholl sagte Jesus: das ist euretwegen (Joh 12.30). Jesus drĂ€ngt uns zum Vater, der im Verborgenen ist (Mt 6,6). Nach der Auferstehung bestand Jesu Hauptaufgabe darin, die JĂŒnger daran zu gewöhnen, ihn zu hören, ohne ihn zu sehen. Durch den Heiligen Geist gab er Anweisung Apg 1,2. Und zum Schluss sagte er: Ich bin bei euch, alle Tage. Er ist auch heute bei uns und spricht mit uns. Er spricht in der Art, dass unser Herz brennt.

Geistliche Menschen ĂŒben keine bestimmten geistlichen Praktiken aus. Sie ziehen vielmehr ihre Lebenskraft aus einer GesprĂ€chsbeziehung mit Gott. Sie verbringen ihr Leben nicht auf der rein menschlichen und sichtbaren Ebene. Sie fĂŒhren ein Leben, das darĂŒber hinaus reicht. Die physikalische Welt ist nicht mehr lĂ€nger eine Barriere zwischen Gott und ihnen. Die sichtbare Welt wird dann Gottes Gabe an sie.