"Die Wissenschaft hat das Christentum doch längst widerlegt"
(Kapitel 6 aus 'Warum Gott?')

von Timothy Keller | 14.08.2014

Es gibt heute einige Naturwissenschaftler, die behaupten, dass sie aufgrund ihrer naturwissenschaftlichen Forschung nicht an Gott glauben können, oder sogar durch die Naturwissenschaft Atheisten geworden sind. Doch wie haltbar ist diese Ansicht?

Dazu ist zu sagen, dass es ebenso einige nennenswerte Naturwissenschaftler gibt, die durch ihre Arbeit im Glauben bestärkt oder sogar dank der Wissenschaft gläubig geworden sind.

Von den Verfechtern des Atheismus werden hauptsächlich zwei mögliche Konflikte zwischen Wissenschaft und Religion genannt:

Konflikt 1: Biologie – "Darwin hat mit der Evolutionstheorie gezeigt, dass der Mensch ein Zufallsprodukt und nicht von einem Gott erschaffen worden ist"

Konflikt 2: Physik – "Die Physikalischen Naturgesetze zeigen, dass Wunder, wie sie in der Bibel stehen, unmöglich sind"

Widerlegt die Evolution nicht die Bibel?

Die Beziehung zwischen Wissenschaft und der Bibel hängt vor allem davon ab, wie man die Bibel liest und versteht und wie man die Evolutionstheorie interpretiert. Die Aufgabe der Bibelauslegung ist es bei jedem Text zu beurteilen, zu welcher literarischen Gattung der Text gehört und damit, wie der jeweilige Text vom Verfasser ursprünglich gemeint war.

Kellers persönliche Ansicht zum Schöpfungsbericht: "Ich glaube, dass 1. Mose 1 seinem Charakter nach poetisch ist; es ist gleichsam ein Lied über das Wunder und den Sinn von Gottes Schöpfung. 1. Mose 2 dagegen ist ein Bericht über das, was damals geschah und wie es geschah."

Es gibt also auch Stellen in der Bibel wie 1. Mose 1, die man nicht wörtlich nehmen sollte, weil sie poetisch sind und auch so gelesen werden sollten. Das gilt aber nicht für die ganze Bibel.

Zur Interpretation der Evolutionstheorie zitiert Keller einen Bibelkommentar von David Atkinson:
"Wenn 'Evolution' … zu einer Weltanschauung … erhoben wird, kommt es zu einem direkten Konflikt mit dem biblischen Glauben. Wenn dagegen 'Evolution' auf dem Niveau einer wissenschaftlich-biologischen Hypothese bleibt, scheint es wenig Grund zu geben für Konflikte zwischen den Implikationen des christlichen Schöpfungsglauben und der wissenschaftlichen Erforschung der Art und Weise, wie (auf der Ebene der Biologie) Gott seinen Schöpfungsprozess gestaltet hat."

Timothy Keller zeigt somit, dass man die Bibel, wie auch die Wissenschaft ernst nehmen kann, und dennoch kein Widerspruch entsteht.

Sind Wunder nicht wissenschaftlich unmöglich?

Wenn irgendeine Religion ohne Wunder auf keinen Fall auskommt, dann das Christentum, weil in dessen zentralen Botschaft, geht es um ein Wunder, nämlich um die Menschwerdung Gottes in Jesus Christus und seine Auferstehung von den Toten. Wunder müssen also auf jeden Fall möglich sein. Was hat aber die Wissenschaft dazu zu sagen?

Die Wissenschaft hat in letzter Zeit riesige Fortschritte erzielt, und liefert uns heute ein Verständnis über unsere Welt auf eine Art und Weise wie das vorher niemals möglich war. Doch bleibt immer noch die Frage: Wo sind die Grenzen der Wissenschaft? Einige, Stimmen behaupten, dass der Wissenschaft prinzipiell keine Grenzen gesetzt sind. Das impliziert aber, dass es für Ereignisse in unserer Welt überhaupt keine übernatürlichen Ursachen geben kann.

Timothy Keller entlarvt diese Ansicht jedoch als philosophische Annahme, die mit wissenschaftlichen Experimenten nicht überprüfbar ist. Der Schluss: "Weil die Wissenschaft übernatürliche Ursachen nicht untersuchen kann, kann es diese auch nicht geben", ist selbstverständlich nicht zulässig. Ausserdem geht es in den Wundern Jesu nicht um magische Tricks, sondern darum die Natur, wie sie sein sollte, wieder herzustellen.