Ehen zerbrechen leise

von Peter Angst |

Ein praxisorientiertes Buch mit vielen Fragebögen und GesprÀchshilfen des Schweizer Paar- und Familienberaters. Das Buch will Hilfe bieten, Risse in der Partnerschaft und mögliche Partnerschaftskiller rechtzeitig zu erkennen und darauf zu reagieren. Anhand von GesprÀchen und Situationen konkreter Paare steht immer wieder die Frage im Zentrum: "Wie gut geht es unserer Beziehung?"
Angst, Peter. Ehen zerbrechen leise. Ein FrĂŒhwarnsystem fĂŒr Paare. ISBN 3729606174. Bern: Zytglogge 2001. 180 Seiten.

Eine Buchzusammenfassung von Felix Ruther

Die Liebe zerbricht nicht mit einem grossen Knall, sondern langsam und fast unmerklich leise! Es ist beunruhigend, zu erfahren, wie erschreckend frĂŒh sich Beziehungen zu zersetzen und zu zerbrechen beginnen. Meist werden bei gefĂ€hrdeten Paaren die ersten Risse und BeziehungsbrĂ€nde gar nicht wahrgenommen. Sie werden erst einmal verdrĂ€ngt, obwohl sie anfangs noch leicht angegangen werden könnten, wenn sie nur rechtzeitig von beiden Partnern wahrgenommen wĂŒrden. (Tatsache ist: MĂ€nner verdrĂ€ngen lĂ€nger als Frauen.) Allerdings haben wachsame Paare gute Chancen, dass es nicht so weit kommt.

Das Buch soll als Hausapotheke fĂŒr eine Langzeit-Beziehung dienen. Es soll auch die Angst vor dem Hinsehen nehmen, denn Krisen gehören nun einmal zu Beziehungen.

1. Einleitung

Partnerschaftskiller

  • Einseitige Opfer- und TĂ€terrollen
  • Zu dominanten Partner: Mutter-Sohn- oder Vater-Tochter-Beziehungen gehören nicht in die Ehe.
  • Revierverletzungen: Es mĂŒssen einander eigene RĂ€ume und Bereiche zugestanden werden.
  • Gute ZĂ€une ergeben gute Paare.
  • Einander immer umkrempeln wollen: Menschen Ă€ndern sich nur in einem Milieu der Akzeptanz. Wer einen Frosch geheiratet hat, soll nicht einen Prinzen aus ihm machen wollen.
  • Wenn Lasten nicht fair verteilt sind: Es muss verhandelt werden.
  • Wenn sich Entwertung und GleichgĂŒltigkeit einschleichen.
  • Eheprobleme mit Dritten, statt mit dem Partner besprechen: Es ersetzt nie das GesprĂ€ch mit dem Partner.
  • Ehetherapie nur mit einem Partner: Oft drĂŒcken sich die MĂ€nner.
  • Allgemeine Krisen – und Übergangszeiten: Vom Liebespaar zum Elternpaar; Midlifekrisen; Kinder fliegen aus; Pensionierung.
  • Zwei HĂ€uptlinge in einem Zelt: Partnerschaftlicher Umgang muss erlernt werden.
  • Extreme Denk- und Glaubensentwicklungen eines Partners: Missionierung des Partners; Selbstverwirklichung, Bauchnabeldenken: „Stimmt es fĂŒr mich?“ statt „ ... fĂŒr uns?“


Es geht nicht darum alle Schwierigkeiten aus der Welt zu schaffen, sondern zu lernen mit ihnen umzugehen.

Denkanstösse fĂŒr bessere Beziehungen

  • Niemals sind zwei Menschen identisch, und darum ist es fĂŒr Paare wichtig zu lernen, Kompromisse zu finden.
  • Hilfreich ist aufgrund einer besseren Selbstwahrnehmung einander Anliegen, BedĂŒrfnisse und WĂŒnsche transparenter zu vermitteln.
  • Viele Paare bewegen sich nicht, weil wie Angst vor VerĂ€nderungen haben. Sie glauben, mit dem „Stillsitzen“ die Liebe zu erhalten. Sie vergessen aber, dass Liebe Bewegung braucht. Dem Liebesfeuer muss immer wieder etwas Brennbares nachgelegt werden, damit es nicht erlischt.


Weniger mogeln bei der Partnerwahl
Suchende Menschen konstruieren den Partner, den sie zu lieben meinen, oft selbst und wollen ihn nicht so erkennen, wie er wirklich ist (vgl. Partnerschaftsinserate). Jeder möchte eine gute Partie machen. Auf unserer unvollkommenen Erde zeichnet sich aber eine Tragik ab: Vergleichbar mit einer Pyramide gibt es in den unteren Schichten (bei den Fröschen) viel mehr Suchende als in den oberen (bei den Prinzen). Aber alle schreien nach Vollkommenheit. Es hat aber nun mal ziemlich viele FrĂŒchte mit kleinen Fehlern – obwohl heute alles ohne Fehler und im Glanzpapier daherkommt. Wir mĂŒssen daher schon ganz am Anfang genau hinsehen und weniger mogeln. Meist sind die ersten EindrĂŒcke und Gedanken gar nicht so falsch, und sollten ernst genommen werden. Es lohnt sich richtig hinzugucken und das Positive wie das Negative der ersten Beobachtungen auch wirklich ernst zu nehmen.

2. Schon unsere Heirat war auf einer LĂŒge aufgebaut

Menschen begegnen einander mit Ă€hnlichen Defiziten und hoffen, einander möglichst subito diese Mankos abzudecken. Das genĂŒgt aber nicht fĂŒr die lange Reise. Es muss auch Neugier, echtes Interesse und Liebe fĂŒr den anderen Menschen im Spiel sein. Ebenso gehört auch Leidenschaft dazu – auch wenn sie meistens nicht fĂŒr die Ewigkeit ist, sollte sie doch zu Beginn nicht fehlen. Die Erinnerung daran ist eine immer wieder erneuerbare Energiequelle.

Es ist gefĂ€hrlich, wenn man in Beziehungen hofft, das Fehlende wĂŒrde sich dann schon noch einfinden. Vor allem, wenn es sich um zentrale GrundbedĂŒrfnisse geht.

Schon beim AuswÀhlen des Partners gilt es zu bedenken:

  • dass GegensĂ€tze zwar faszinierend sind, aber in Beziehungen mit zu grossen Kontrasten oft zu keinem Zusammenspiel kommen.
  • dass mit zu hohen Erwartungen die Frustrationen nicht lange auf sich warten lassen.
  • dass gerade durch zuviel NĂ€he die Liebe erstickt wird.
  • dass durch zu wenig Beachtung von Kleinigkeiten und dem rechtzeitigen Reden darĂŒber die Liebe verkĂŒmmert.
  • dass heimtĂŒckische Altlasten die junge Partnerschaft bald gefĂ€hrden können.

 

3. "Ich bin enttĂ€uscht von dir!" ‹– Hohe Erwartungen und ihre Folgen.

Wir plagen einander fast zu Tode mit dem grausamen Spiel der zu hohen Erwartungen. Als wĂ€re es nicht genug, deklariert man den anderen noch zum ewigen Frosch und Versager. Viele EnttĂ€uschte ziehen es dann vor, aus dem Teufelskreis der Forderungen auszusteigen und in die Einsamkeit zu flĂŒchten.

Von inneren, allzu romantischen Bildern angetrieben und von der Werbung verfĂŒhrt, produzieren wir gegenseitig immer verrĂŒcktere Erwartungen und hinterlassen ungenĂŒgende Ehen. Es grenzt oft an Grössenwahn, wenn Partner meinen, einander in allen Bereichen genĂŒgen zu wollen und zu mĂŒssen. Kein Mensch kann einem anderen Menschen alle BedĂŒrfnisse und SehnsĂŒchte stillen. In keiner Partnerschaft ist ALLES zu haben!
Zudem ist es fragwĂŒrdig, ob wir selbst bereit wĂ€ren, das zu bieten, was wir vom anderen erwarten.


Eigenes Wahrnehmen und exaktes Hinsehen
„Liebe ist die höchste Form der Aufmerksamkeit.“ (Lawrence Durell)

Es ist weniger das Desinteresse des Partners, sondern vielmehr das Problem jedes Einzelnen, dass in vielen Partnerschaften einander immer noch zu wenig in die Seelen geguckt wird. Der SchlĂŒssel zu vielen Problemen versteckt sich nĂ€mlich meist im Innenleben. Damit Partner einander mitteilen können, was sie denken und fĂŒhlen, was ihre Seele beglĂŒckt und bedrĂŒckt, muss der Einzelne dies alles erst selbst wahrnehmen können. „Wenn sie noch nicht einmal wissen, wer Sie wirklich sind, wie soll es Ihnen dann gelingen, sich mit einem anderen Menschen zu verbinden?“

Es lohnt sich daher, ab und zu den Dialog nach innen zu fĂŒhren, hinzuhören, was sie Seele uns zu sagen hat. Sie ist auch das GedĂ€chtnis unserer Geschichte und könnte uns melden, wenn wir dabei sind, Fehler zu wiederholen. Wird sie aber dauernd ĂŒbergangen und bemogelt, stumpft sie ab, verstummt oder wird krank. Dann ist es fĂŒr denjenigen, dem die Seele gehört, sehr ungemĂŒtlich – und auch fĂŒr dessen Lebenspartner. FĂŒr den Weg nach innen braucht es aber Stille.


Oft bekÀmpfen wir im Partner die eigene Geschichte. Daher lohnt es sich, sie zu kennen. Am Anfang einer Partnerschaft ist man noch eher am Partner interessiert und lÀsst die Seele dem andern erzÀhlen. Liebende Menschen sind neugierig, wie es im Partner wirklich aussieht und es ist eine Befriedigung des Vertrauens, wenn einander tatsÀchlich aus der Tiefe der Seele erzÀhlt wird.

Wertvolle Antworten aus der Tiefe könnten vielleicht auf folgende Fragen gegeben werden:

  • Wer bin ich eigentlich?
  • Wer bin ich sicher nicht?
  • Wer möchte ich eigentlich sein?
  • Wer möchte ich fĂŒr dich sein?
  • Was brauche ich um lĂ€nger glĂŒcklich zu sein?
  • Was wĂŒrde deine Seele von mir wĂŒnschen?

‹4. "Ich versteh dich nicht!" – Kulturelle Unterschiede werden unterschĂ€tzt.

Wenn im Ehealltag mit einer anderen Logik und mit gegensĂ€tzlichen Grundmustern an die kleinen Dinge herangegangen wird, kommt es zwangslĂ€ufig zu Differenzen. Wenn ein Partner zudem einen grossen „Heimvorteil“ hat (z.B. bei Beziehungen zu Asylbewerbern und Partnern aus der Dritten Welt etc.) ist die Gefahr gross, dass neben den kulturellen Unterschieden zusĂ€tzlich unglĂŒckliche finanzielle und persönliche AbhĂ€ngigkeiten entstehen. Es braucht viel Toleranz und GrosszĂŒgigkeit vom Einzelnen, wenn ĂŒber Jahre hinweg neben der normalen KomplexitĂ€t einer Beziehung noch das Fremdartige integriert werden muss.

Offenheit und Transparenz
Oft wissen langverheiratete Partner weniger voneinander als in der Zeit ihrer Verliebtheit. Weil sie meinen, schon alles zu wissen, fragen sie nicht mehr. Es ist sicher gut, wenn jeder einen Intimbereich behĂ€lt, aber bei Themen, die in der Beziehung ĂŒberlappen, sollte transparent in die Denkmuster geschaut werden können. Das betrifft sicher die SexualitĂ€t, die gemeinsamen RĂ€ume, die gemeinsame Zeit und die Kinder. Aber auch jene Themen, an denen sich Partnerschaftsstreitereien entzĂŒnden, die immer wieder zu MissverstĂ€ndnissen, EnttĂ€uschungen und OhnmachtsgefĂŒhlen fĂŒhren. Vor allem, wenn GefĂŒhle wie WertschĂ€tzung, Selbstwert, Achtung etc. verletzt werden, ist es besonders wichtig, dass diese Momente sorgfĂ€ltig offen gelegt werden und versucht wird, gegenseitig zu verstehen, was jeweils vor sich geht. Es tut jeder verletzten Seele unheimlich gut, wenn sie erleben darf, dass der Partner zuhört und bemĂŒht ist, zu verstehen. Es ist entscheidend, dass echt hingehört wird, wenn ein Partner sein Inneres offenlegt und transparent macht. Ansonsten entsteht gleich eine neue KrĂ€nkung, die ein spĂ€teres Wiederöffnen der Seele fast nicht mehr möglich macht.

Oft geraten Paare miteinander in die Falle von Gewohnheiten und spielen ĂŒber lange Zeit selbst inszenierte Rollen. Manchmal teilen Paare einander auch die Rollen zu, die sie anfangs gerne spielen; etwas die Rolle des „An-alles-Denkenden“, die Rolle des „hilflosen Jungen, der bemuttert werden will“, die Rolle des „Immer-auf–alles-eine-Antwort-Findenden“, oder die Rolle „Ich- weiss-was-dir-gut-tut“. Die Rollen kleben dann oft so an uns, dass wir uns nicht weiterentwickeln. Manchmal bleiben auch Rollen in uns brach. Da hilft ab und zu der Blick von aussen, um all diese Dinge besser erkennen zu können. Daher ist es ratsam, wenn Paare miteinander gegenĂŒber Freunden oder Fachleuten etwas offener und transparenter werden. Offene Partnerschaften leben lĂ€nger!

5. "Wir haben zu wenig miteinander geredet!" – Wenn das GesprĂ€ch fehlt, verstummt auch die Liebe

Ängste, WĂŒnsche, Hoffnungen und BedĂŒrfnisse mĂŒssen in GesprĂ€chen geteilt werden. Paare, die lange Zeit nicht mehr miteinander im GesprĂ€ch sind, trocknen aus. Wenn zwei Partner nur schweigen, verstummt auch die Beziehung, und verstummte Beziehungen sind krank! Tragisch ist auch, wenn ein Partner immer wieder das GesprĂ€ch verweigert oder sogar sein Schweigen als Druckmittel gebraucht. In Partnerschaften, in denen viele Themen nicht mehr angesprochen werden, wird die Kraft des Paares stark reduziert. Es ist auch fĂŒr Kinder schlimm, wenn ihre Eltern verstummen.

Neugier auf die Denkmuster und die seelische Befindlichkeit meines Partners
Gegenseitige Neugier und Anteilnahme hĂ€lt eine Beziehung gesund. Jedes gute GesprĂ€ch lebt von guten Fragen. Nur schon die simple Frage: „Wie geht es dir eigentlich wirklich?“ kann sehr wohltuend fĂŒr ein Paar sein. Es geht dabei aber nicht um ein absolutes „Outen“. Weil solche Fragen im Privaten immer weniger gestellt werden, suchen viele professionelle Zuhörer. Oft fragen wir nicht mehr nach, weil uns eine Flut von banalen News schon abgestumpft hat. Vielleicht wissen wir etwas ĂŒber das Innenleben einer Person aus dem TV, unseren Partner kennen wir aber nicht. Es genĂŒgt eben nicht, wenn Paare vier bis sieben Minuten tĂ€glich Konversation betreiben. Verstehen wollen und sich verstanden fĂŒhlen braucht seine Zeit. Der SchlĂŒssel zu allen VerĂ€nderungen ist das EinfĂŒhlungsvermögen in den andern.

6. "Muss ich denn fĂŒr deinen alten Mist herhalten?‹" – Altlasten und ungĂŒnstige UmstĂ€nde können junge Paare belasten.

Wenn zwei junge Menschen einander begegnen und eine neue Beziehung aufbauen wollen, ist leider nicht alles neu. Viele alte Verletzungen, Beziehungserfahrungen, winzige Saumödeli und sonstige Ă€rgerliche Ticks sind schon voll da und prĂ€gen wacker mit. Und je nach den gemachten Erfahrungen ist man gutglĂ€ubig und vertrauensvoll oder eben misstrauisch und verletzt. Daher ernten die Partner immer auch die Geschichte des andern – entweder die guten FrĂŒchte oder eben nicht. Die erste Begegnung mit dem anderen Geschlecht machen Menschen mit dem Vater oder der Mutter. Die prĂ€gen daher enorm.

Einander so wahrnehmen, wie man gegenwÀrtig ist
„Gegen Liebe auf den ersten Blick hilft nur ein zweiter Blick.“

Die folgenden Fragen sollen mit Punkten zwischen 1 (wenig) und 10 (sehr) bewertet werden.

Was liebe ich an meinem Partner / an meiner Partnerin?
Sein(e) / ihr(e)... 1. Körper / 2. Gesicht / 3. Stimme / 4. Duft / 5. ZĂ€rtlichkeit / 6. SexualitĂ€t / 7. Phantasie /8. WĂ€rme / 9. NĂ€he / 10. GenussfĂ€higkeit /11. Sinnlichkeit / 12. KommunikationsfĂ€higkeit / 13. Nachfragen / 14. Gedanken-AusdrĂŒcken / 15. GefĂŒhle-Äussern / 16. Humor / 17. Feedback-Geben / 18. EinfĂŒhlungsvermögen / 19. Toleranz / 20. Geduld / 20. Beruf / 21. Intelligenz / 22. Aufmerksamkeit / 23. Hobbys / 24. Weltanschauung / 25. GedĂ€chtnisfĂ€higkeit / 26. FĂŒrsorge / 27. WertschĂ€tzung / 28. Wahrnehmung / 29. Initiative / 30. KreativitĂ€t / 31. ZuverlĂ€ssigkeit / 32. Neugier / 33. PĂŒnktlichkeit / 34. Partnerschaftssinn / 35. Vater-Sein; Mutter-Sein / 36. Familiensinn / 37. Spielfreudigkeit.

Vielleicht sind sie erstaunt ĂŒber die hohen Auszeichnungen und die WertschĂ€tzung, die sie vom Partner bekommen. Es tut gut, einander immer wieder einmal ein gutes Feedback zu geben. Positives muss auch angesprochen und ausgesprochen werden. Bei niedrigen Zahlen sind vielleicht noch kleine WĂŒnsche und Anregungen versteckt.

7. "Bin ich da, um dir zu dienen?‹" – Hotel-Mama-Kinder Ă€rgern sich

Faire Partnerschaft beginnen schon in der Kindheit. Dort muss beigebracht werden, dass das Nehmen und Geben nur im Wechselspiel funktionieren kann. Leider neigen wir in unseren Kleinfamilien dazu, die Kinder zu sehr in den Mittelpunkt zu stellen. Es liegt auf der Hand, dass diese Kinder spĂ€ter in einer Partnerschaft MĂŒhe mit dem Gleichgewicht des Gebens und Nehmens haben werden. Diese Menschen können sich nicht mehr erfreuen an allem, was da ist, sondern leiden unter allem, was fehlt.

Wie gut geht es unserer Beziehung?
Meistens sind es die Frauen, denen es nicht mehr so wohl ist im gemeinsamen Boot der Liebe. Die MĂ€nner gucken lĂ€nger weg oder sind so intensiv extern beschĂ€ftigt, dass sie sich deswegen zu wenig um ihre Beziehung kĂŒmmern wollen/können. Frauen, wenn sie MĂŒtter werden, sind mehr zu Hause und erleben weniger Spannendes. So sind sie besonders auf das Klima zu Hause angewiesen. Sie leben mehr in dieser kleine Welt der Partnerschaft. Es ist aber nicht gut, wenn nicht beide an der Beziehung mitarbeiten. Aber wie bringt man die MĂ€nner zum reden? Indem die Liebe warm gehalten wird. Dabei ist wichtig, auf den richtigen Moment und den richtigen Ton zu achten. Weil Kritik oft das Gegenteil erreicht, kann es sehr hilfreich sein, dann und wann, fast ritualisiert, die Fragen des „FrĂŒhwarntests“ (S.12) als vorbeugende Massnahme miteinander durchzugehen und die Resultate zu besprechen.

8. "Aber der kleine Prinz braucht mich doch jetzt!‹" – Kinder nehmen oft zu viel Platz ein

Die Vernarrtheit in die eigenen Kinder ist heute bei vielen Paaren ehe-gefĂ€hrdend. Man meint, es sei nötig, sich fast bis zum Umfallen und bis zur Selbstauflösung fĂŒr das Wohl der Kinder zu sorgen. Es geht aber den Kindern nur gut, wenn es auch den Eltern gut geht.

Partnerschaftsbande
Eine Beziehung zwischen zwei Menschen kann mit verschiedenen BĂ€ndern, die zwischen ihnen geknöpft wurden, dargestellt werden. Weil sie nicht sichtbar sind, merken wir nicht, ob sie starr geworden sind, oder dĂŒnn oder angerissen. Wenn sich Paare zu sehr strapazieren, dann reissen diese Bande und mĂŒssen vom Paar neu geknĂŒpft werden. Das ist aber nur möglich, wenn nicht alle gerissen sind. Die Bande werden auch nicht von beiden Partnern gleich wahrgenommen.

  • Bande der Sympathie: Sie entstehen bei der ersten Begegnung und kann wie ein Magnet wirken. Ohne Zwang suchen einnehmende KrĂ€fte die NĂ€he des andern. Wenn Sympathien verspielt werden, können diese Bande zu abstossenden KrĂ€ften umkippen.
  • Bande des Vertrauens: Sie wachsen langsam. Dieses Band hat ein gutes GedĂ€chtnis und ist auf viele frĂŒheren Erfahrungen aufgebaut, welche tief im Urvertrauen wurzeln. So wirken alte VertrauensbrĂŒche (Scheidung, als Kind weitergereicht worden zu sein etc.) noch lange nach und belasten auch neue Beziehungen.
  • Liebesbande: Sie sind Geschenk der Gnade
  • Bande des Gebens und Nehmens: Sie wachsen durch Ausgewogenheit und Fairness, sowie durch den lebhaften Zwischenhandel. Wenn aber zwischen Paaren gegeizt wird, oder wenn gar Mogelpackungen verschoben werden, verkommen diese Bande.
  • Bande der Gewohnheit. Jahre binden, auch wenn man nicht will. Dieses Gewöhnen kann aber auch SpontaneitĂ€t und Lebendigkeit erdrĂŒcken und einen bequem und unaufmerksam werden lassen.
  • Bande der Sicherheit und Treue: Jede Seele braucht Sicherheit. Die Sicherheit, die sich zwei Menschen geben können, lĂ€sst sich nicht so leicht ersetzen. Gerade in unserer schnelllebigen Welt ist es wichtig irgendwo beheimatet zu sein. Je rauer der Wind draussen blĂ€st, desto mehr brauchen wir diese Sicherheit. Sicherheit ist auf Treue und vielen Erfahrungen aufgebaut.
  • Bande des Schutzes: Schutz von aussen, aber auch Schutz vor sich selbst, vor eigener UnzulĂ€nglichkeit, vor Sucht, inneren Ängsten und Selbstzweifel.


Wer schon am Seil in den Bergen geklettert ist, weiss, dass Partner sich nicht zu eng aneinander knĂŒpfen sollten, sonst kann der Einzelne sich nicht optimal bewegen, um seine eigenen Wege zu finden. Wenn das Seil grosszĂŒgig und lose zwischen den beiden gebunden ist, dann ist das gemeinsame Geben leichter und der Bewegungsspielraum grösser und angenehmer. Man zupft und nervt sich weniger. Zu eng geknĂŒpfte Bande ersticken die Liebe. Wenn wir noch an andere Menschen geknĂŒpft sind, ist es verstĂ€ndlich, dass neue Bande nur schwerlich zu knĂŒpfen sind.

9. "Hilfe, du erstickst mich!‹" – Es wird zu eng und zu langweilig in den Zweierkisten

Oft werden die zu engen Beziehungsmuster aus der Zeit der Verliebtheit beibehalten und Paare werden gegenseitig zu Gefangenen. Zusammen kann man in dieser Pseudoharmonie furchtbar einsam werden. Wer loslÀsst, hat die HÀnde frei.

VerĂ€nderungen mĂŒssen sich lohnen
Menschen verĂ€ndern sich ganz selten. Der Gewinn bei einer VerĂ€nderung muss so gross sein, dass wir dadurch die Angst ĂŒberwinden und ein Risiko auf uns nehmen. In der Zeit der Verliebtheit ist es erstaunlich, wie Menschen sich Ă€ndern können. SpĂ€ter wird es immer schwieriger. Dennoch können sich Paare beeinflussen und zu VerĂ€nderungen verfĂŒhren. Dazu sind aber ein Paar Spielregeln nötig. GrundsĂ€tzlich braucht es Akzeptanz und ein Klima des gegenseitigen Vertrauens:

  • Ich mag dich so wie du bist, aber freuen wĂŒrde es mich schon, wenn du – mir zuliebe – dich in dieser Sache etwas Ă€ndern wĂŒrdest!
  • Wenn ich mich in meiner Angelegenheit Ă€ndere, wĂŒrdest du dich dann in deiner Angelegenheit Ă€ndern?
  • Was wĂŒrdest du dir wĂŒnschen, um in dieser Angelegenheit eine Änderung zu wagen?


Die grösste Chance auf echte VerÀnderung besteht, wenn man sich miteinander verÀndert, wenn beide gleichzeitig das Neue anstreben. Aus systemischer Sicht kann man sich aber auch bei hartnÀckigen Streits fragen, wer beim Streit am meisten profitiert. Welches sind die jeweiligen Gewinnanteile? Denn derjenige, der mehr profitiert, wird logischerweise gar nicht so interessiert sein an einem beenden der Streitkultur und an einer wirklichen VerÀnderung.

Oft hilft bei hartnÀckigen Streits, dass man folgendes Experiment macht:

  • Ab sofort wird keine negative Kritik mehr ausgesprochen. Beide kennen doch die gegenseitigen VorwĂŒrfe bis zur GenĂŒge.
  • Vielmehr sollen sie ab sofort versuchen, einander nur noch positive Feedbacks zu geben.
  • Man macht ab, wie viele RĂŒckfĂ€lle pro Tag noch zugestanden werden und ab wann der RĂŒckfall jeweils etwas kostet (z.B. ab dem 3. RĂŒckfall muss man dem anderen einen Wunsch erfĂŒllen).


Viele Paare konnten so eine Verbesserung einleiten, denn darauf lÀsst sich wieder eine liebevollere Kultur aufbauen.

10. "Nein, ich habe keine Zeit, Schatz!" – ‹Von Workaholics und anderen ZeitsĂŒndern

Eigentlich wissen wir, dass unsere Beziehungen viel Zeit brauchen. Einerseits geraten aber viele Paare durch die Wirtschaft unter Druck, andererseits machen sich viele Paare den Zeitstress auch selber. Sie haben bis ĂŒber beide Ohren vollgestopfte Freizeitprogramme und sind dauernd auf Achse. Sie konsumieren derart viel, dass sie fĂŒr die eher stille Liebe oft ein zu hohes Tempo drauf haben.

Die Unterschiede von Mann und Frau respektieren
Immer wieder hat in der Geschichte von Mann und Frau ein Geschlecht versucht, das andere umzukrempeln. Den letzten derartigen Versuch haben die Frauen in den letzten Jahrzehnten mit uns MĂ€nnern gemacht. Maya Storch in „Die Sehnsucht der starken Frau“: „Wir haben aus dem wilden Wolf einen Schosshund gemacht, und der Schosshund war uns lĂ€stig. Dann haben wir ihn rausgeschmissen.“ Durch den stĂ€ndigen Versuch des Zusammenlebens haben wir aber die Chance zu wachsen. Wir sind dauernd gefordert und können dadurch tolerant und weise werden. Das Zusammenleben lohnt sich aber auch fĂŒr die Kinder. FĂŒr ein optimales Aufwachsen von Kindern sind sowohl mĂ€nnliche wie auch weibliche Wesen nötig.

Hier einige Unterschiede zwischen Frau und Mann (nicht absolut, sondern mit Humor zu betrachten):

  • MĂ€nner verschlafen die ersten Anzeichen.
  • Sie schweigen wie die LĂ€mmer (wenn es um die Liebe geht).
  • Sie reden ungern ĂŒber GefĂŒhlssachen und bleiben lieber auf der „Sachebene“.
  • Sie pflegen Beziehungen nur halbherzig.
  • Sie wollen zu oft, dass Frauen denken wie MĂ€nner.
  • MĂ€nner haben eine tiefere Putzlimite.
  • Frauen können nicht vergessen. Es fĂ€llt ihnen schwer einen Strich zu ziehen und neu anzufangen.
  • Sie stellen oft erschreckend viel Fragen.
  • Sie wollen oft ihre MĂ€nner zu ihren Söhnen erziehen.
  • Sie fordern zu viele Liebesbeweise.
  • Sie machen VorwĂŒrfe und schreiben vieles vor.
  • Sie wollen zu oft, dass sich MĂ€nner wie Frauen verhalten.
  • Frauen erwarten zu viel von der Partnerschaft.
  • Frauen haben einen hohen Putzstandard

Mordillo: „Nachdem Gott die Welt erschaffen hatte, schuf er Mann und Frau. Um das Ganze vor dem Untergang zu bewahren, erfand er den Humor.“

11. Die sieben wichtigsten Kulturen fĂŒr gesunde Partnerschaft

Oder die sieben Grundnahrungsmittel einer gesunden Beziehung

 

1. Liebevolle WertschÀtzung und Akzeptanz

Wenn die WertschĂ€tzung und der Respekt verkĂŒmmern, wenn Partner einander lieblos entwerten und die alltĂ€gliche Leistung und Aufmerksamkeit des Partners nicht mehr schĂ€tzen, dann:

  • wird lieblos vor Dritten ĂŒber die Defizite, Probleme und MittelmĂ€ssigkeit des Partners gesprochen.
  • zerfĂ€llt die GesprĂ€chskultur. Man hört sich nicht mehr sorgfĂ€ltig zu. 
  • geht jeder Gast und jedes Telephon vor.
  • macht man sich nur noch fĂŒr externe Auftritte schön. Im Hause wird nicht nur abgeschminkt, sondern auch verschlampt.

Es lohnt sich, sich auch fĂŒr den Partner schön zu machen und einmal das Nachtessen mit Kerzen zu geniessen. Es ist wertvoll, wenn Paare in guten Zeiten und eben rechtzeitig einander liebevoll offenbaren, in welchen Dingen sie besonders viel WertschĂ€tzung und Respekt brauchen. Z.B.:
Mir ist wichtig, dass du meine berufliche Leistung anerkennst.

  • Ich wĂŒnsche, dass du mein Engagement im Hause schĂ€tzt.
  • Ich wĂŒnsche, dass du auf meine sinnliche Aufmerksamkeit eingehst.
  • Ich wĂŒnsche mir von dir mehr WertschĂ€tzung fĂŒr meine Angehörigen.
  • usw.

Kenne ich die heiklen WertschÀtzungsbereiche meiner Partnerin /meines Partners?


Es ist auch wertvoll, „kleinere Dinge“ wieder einmal auszusprechen, denn das positive Feedback sollte die Kritik um das FĂŒnffache ĂŒberwiegen: Ich schĂ€tze deine Kochkunst, deine Erotik, deine Aufmerksamkeit...

 

2. Offene gemeinsame GesprÀche

Das GesprĂ€ch ist wie das Blut in der Beziehung. Es versorgt die Seele der Beziehung zwischen zwei Menschen mit Nahrung. Wenn sie ein Paar sind mit unterschiedlichen Meinungen, dann sollten Sie beruhigt sein. Sie sind ein gesundes Paar, denn sie haben viel zu diskutieren. Paare, die immer das Gleiche denken können nur schlecht einen Dialog fĂŒhren.


Anregungen fĂŒr temperamentvolle Paare:

  • Zeitpunkt fĂŒr GesprĂ€che richtig wĂ€hlen damit beide Partner in einer friedlichen und freundlichen Verfassung sind.
  • Ort wĂ€hlen, wo es beiden wohl ist.
  • GenĂŒgend Zeit reservieren und genĂŒgend Pausen machen
  • Provokationen, Reizworte und Abwertungen vermeiden.
  • Mehr von sich reden als: Du bist...
  • Wiederkehrende VorwĂŒrfe weglassen.
  • Weglaufen auf Zeit (mit der Zeitangabe der RĂŒckkehr) und Notbremsen sind erlaubt.
  • Abwechslungsweise das GesprĂ€ch leiten und vorbereiten.
  • Einander positives Feedback geben.
  • Mit nonverbalen Mitteln kommunizieren: Bilder zeichnen, Musik spielen, Briefe schreiben
  • etc.

Anregungen fĂŒr eher stumme Paare:

  • Bei stummen Paaren steckt der SchlĂŒssel oft von innen. Es ist eine Kunst, einander so wohlwollend abzuholen, dass auch Stumme sich von innen öffnen.
  • Durch die verschlossene TĂŒre ein paar positive Dinge zuflĂŒstern.
  • Nicht von Aussen zu sehr an sie heranschwatzen, sondern sie von innen her motivieren (Mut machen).
  • Hilfe ist das ZwiegesprĂ€ch: Ein Partner öffnet sein Denken, der andere hört nur zu. Ohne Kommentar. Es ist quasi ein lautes unzensuriertes SelbstgesprĂ€ch. Und dann wechseln die Rollen.
  • Sich gut ĂŒberlegen, wo und wann sie am besten reden können.
  • Viele RĂŒckfragen stellen und positive Feedback geben.
  • Gesprochenes wiederholen, visualisieren.
  • Mit Hilfsmitteln das GesprĂ€ch anregen: Musik, Bilder, Briefe.

Schnee von Gestern unterkĂŒhlt lebendige Paare: Also nicht zu lange im alten Zeug wĂŒhlen. Oft verpassen Paare die Gegenwart und die Zukunft, weil sie zu sehr mit der Vergangenheit beschĂ€ftigt sind. Statt die KrĂ€fte in VorwĂŒrfe und Kritik an Vergangenem zu stecken, sollte man viel mehr in die Zukunft investieren.
Ein Zaubermittel fĂŒr aufbauende GesprĂ€che ist das lösungsorientierte Denken, das Suchen nach neuen Wegen.


Es ist auch wichtig vor einem GesprĂ€ch zu deklarieren, was der Inhalt sein soll und wie viel Zeit dafĂŒr gewĂŒnscht wird. NatĂŒrlich braucht es auch das einfache Plaudern.

  • Wann, wo, wie (GesprĂ€chsregeln), wer (leitet, trifft Vorbereitungen, sammelt Themen, achtet auf die Regeln), was verhindert bei uns das gute GesprĂ€ch (Reizwörter, alte VorwĂŒrfe); was fördert das gute GesprĂ€ch (Feedback, einander ausreden lassen)?
  • InformationsgesprĂ€ch: Meine Infos, deine Infos und nun...
  • OrganisationsgesprĂ€ch: Wer macht was?
  • Paar-Thema-GesprĂ€ch: Dein Thema, mein Thema, Meine/deine Ansichten; mögliche Vereinbarungen
  • KlagemauergesprĂ€ch: Hör mir bitte nur zu – möglichst ohne Kommentar.
  • KlĂ€rungsgesprĂ€ch: Was ist passiert? Was ist schief gelaufen bei uns? Hilf mir bitte analysieren.
  • Um-deine-Meinung-bittendes GesprĂ€ch: Deine Meinung interessiert mich, ich brauche deinen Rat.


„Dass wir miteinander reden können, macht uns zu Menschen.“ (Karl Jaspers) Und das „Wie“ entscheidet ĂŒber glĂŒckliche und unglĂŒckliche Menschen.


3. Faire Lastenverteilung
Die Eheökologie von Nehmen und Geben muss auch im Bereich der Lastenverteilung immer wieder ausgeglichen werden. Oft sind heute auf den Weg einer konsequenten Lastenteilung Karrieren schwierig zu verfolgen, und ausserdem mĂŒssen noch Lohneinbussen in Kauf genommen werden. Wenn aber durch dieses Modell gesĂŒndere Paare und weniger Scheidungen geschaffen werden, so lohnen sich diese paar Lohnfranken alleweil.


Tipps:

  • Lasten und Leistungen grundsĂ€tzlich gegenseitig anerkennen.
  • Einander fĂŒr die treue AusĂŒbung von Aufgaben WertschĂ€tzung entgegenbringen.
  • Sporadisch nach der ErtrĂ€glichkeit der Lasten fragen. Dadurch lassen sich Überforderungen eher vermeiden.
  • Die eigenen Lasten und die des Partners kennen und erkennen, welche besonders schwer drĂŒcken. Meist kann der andere besser erkennen, was endlich ĂŒber Bord geworfen werden könnte.
  • FĂŒr den anderen einspringen und ihm rechtzeitig eine Last abnehmen. In Krisen ist es lebenswichtig, dass der Partner vorĂŒbergehend UnterstĂŒtzung anbietet und Last ĂŒbernimmt. Die Erfahrung, sich auf den anderen verlassen zu können gibt Sicherheit und Vertrauen. Ein Paar, das sich ab und zu schnell den Ball zuwirft, spielt ein starkes Spiel. In der Beweglichkeit liegen viele Ressourcen. Jeder hat einen Ersatzspieler und kann fĂŒr kurze Zeit ruhen.
  • Ab und zu innehalten und die Lasten ĂŒberprĂŒfen. Beide zĂ€hlen und schreiben auf, was sie alles zu tragen haben.
  • Zusammen immer wieder mal entscheiden, welche alten Lasten und Verpflichtungen entsorgt werden können.

Lange Zeit haben MĂ€nner und vor allem die Frauen vor lauter Aufopferung ihre eigenen BedĂŒrfnisse vergessen. In der Zwischenzeit hat sich das aber radikal geĂ€ndert und raubtierhafte ZĂŒge angenommen. Ein liebloser Egoismus hat sich breit gemacht. Alle paar Minuten stellt man sich dann die Frage: Stimmt es fĂŒr mich? Und bei der Beantwortung dieser magischen Frage und den Konsequenzen, die sich daraus ergeben, geht man oft ĂŒber Leichen. Die ErfĂŒllung jedes Begehrens wird so zentral, dass man sich immer mehr von einem sozial denkenden Wesen entfernt. MĂŒtter und VĂ€ter verlassen ihre Kinder und Partner, weil sie sich selbst finden wollen. Sie schleichen weg, weil sie ihr eigenes Ich suchen wollen. Und alles muss immer „subito“ stimmen, so dass es nicht mehr fĂŒr die Beachtung der gemeinsamen BedĂŒrfnisse reicht. „Es stimmt nicht fĂŒr mich!“ und schon werden Verantwortung und Mittragen beiseite gelegt. Diese SelbstfindungssĂŒchtigen sind fĂŒr Partnerschaftsarbeit nur schlecht geeignet. Ihr egoistisches Verhalten lĂ€sst sie oft in die vereinsamende Falle laufen.


4. Lebendige SexualitÀt
Gute, eigenstĂ€ndige SexualitĂ€t in der Partnerschaft ist in unserer Zeit kein leichtes Spiel. Fliesst die SexualitĂ€t zwischen Mann und Frau leicht hin und her, kann es die schönste Kommunikation der Welt sein. Wenn sie aber stockt, verkommt es bald zu einem mĂŒhsamen Geknorze. Und wenn sie missverstanden wird oder gar unterbleibt, kann sie leicht zum gefĂ€hrlichen und alles zerstörenden Trennungskeil in vielen Partnerschaften werden.

 

Mehrheitlich liegen die BedĂŒrfnisse der Frauen und MĂ€nner in der SexualitĂ€t immer noch beunruhigend weit auseinander. Die Frage, wie viel Sex in einer Ehe gelebt werden soll, wird grundverschieden beantwortet. Wenn es um QuantitĂ€t geht, scheint es, als hĂ€tten die MĂ€nner ein paar Löffel mehr von der Lust auf Sex eingeschlĂŒrft – das zeigen auch neueste Umfragen. Wenn
Frauen gefragt werden, sagen viele, dass ihnen Sex einmal pro Woche oder einmal pro Monat genĂŒgen wĂŒrde. Wenn sich die Frauen daher wenig wehren, werden sie ĂŒbermannt, aber wenn sie den Bogen ĂŒberspannen, hĂŒpfen die untreuen MĂ€nner einfach ins nĂ€chste Puff. Die Konkurrenz ist gross (ca. 4 Mia. Umsatz im CH-Milieu). FĂŒr die Frauen ist es auch nicht angenehm, wenn sie immer wieder zu sehr bedrĂ€ngt werden und dem schmollenden Mann ausgesetzt sind.

Es ist aber auch nicht einfach, Mann zu sein! Was tun, wenn sich die Natur regt? Wieviele MĂ€nner haben sich doch in der Ehe bis zur Erschöpfung angestrengt, um endlich in den Garten der LĂŒste eintreten zu dĂŒrfen. Aber dann gibt es Verzögerungen: Sie ist am Telephon, im Badezimmer, nicht in Stimmung – bis er halt eingeschlafen ist. Vielleicht morgen, Schatz? So verbringen viele EhemĂ€nner beĂ€ngstigend viel Zeit „draussen vor der TĂŒr“. Es gilt daher zwischen den beiden gegensĂ€tzlichen BedĂŒrfnissen ein individuelles, faire Mittelmass zu finden.

 

Leider wird noch zu oft die mĂ€nnliche Subito- und Quicky-SexualitĂ€t gelebt und weniger die lustvollere Sinnlichkeit aus „Tausend und einer Nacht“ der Frauen.

Warum nicht abwechselnd einander besuchen? Einmal ist sie Gastgeberin und er der neugierige Gast, dann wiederum ist er der Gastgeber und sie der zu verwöhnende Gast. Wie reich beschenkt wĂŒrden wir MĂ€nner doch, wenn wir vermehrt in die LustgĂ€rten der Frauen eintreten und ihre phantasievollere Lust geniessen könnten! FĂŒr viele wĂ€re es eine wunderbare Bereicherung. Ist es nicht schön, verfĂŒhrt zu werden und verfĂŒhrend zu sein? Dieses gegenseitige Besuchen und das Ausleben von weiblichen und mĂ€nnlichen sexuellen Bildern, SehnsĂŒchten und TrĂ€umen erweitert die partnerschaftliche SexualitĂ€t ungemein und kann die Erotik ĂŒber Jahre beleben. SexualitĂ€t darf einmal weich und dann wieder aggressiv sein.

Die SexualitĂ€t kann mit einem Essen verglichen werden. Eigene MenĂŒs zu kreieren, mit feinen Zutaten und mehreren GĂ€ngen, brĂ€chte Abwechslung ins mĂŒde Sexleben. Oft resignieren Paare, einfach, weil sie zu wenig mit Fantasie „kochen“.

Ein weiterer Zauber fĂŒr die SexualitĂ€t ist das GesprĂ€ch: Paare können einander nicht alle WĂŒnsche und kleinen Dinge von den Augen ablesen. Warum nicht immer wieder sagen, was der Körper gerne hat und was weniger? Oder was gerade jetzt Lust macht und was eher nicht? Zudem kann ein gutes GesprĂ€ch sehr einstimmend und anregend wirken. Auch ist unser Lustempfinden stĂ€ndig im Wandel. Das mĂŒssen wir einander auch mitteilen – ohne Worte geht das kaum.
Beim Verstummen ĂŒber dieses Thema schleichen sich MissverstĂ€ndnisse ein. FĂŒr sinnlich Lebendige gilt: Die Sprache nicht vergessen – SexualitĂ€t braucht Worte! Sonst schleicht sich die Lust davon.


5. Individuelle NĂ€he und Distanz
„Am liebsten wĂŒrde ich in dich hineinkriechen! Ach, ich könnte ewig nur mit dir zusammensein. Eigentlich sollte es immer so bleiben!“

Nun braucht aber jede gesunde Seele zwischendurch auch Luft zum Atmen. Die erste Seele, die nach frischer Luft lechzt, stört die andere symbiontische Seele in ihrem GlĂŒckszustand. Daher ist es sehr heikel, sich aus der Umklammerung der Verschmelzung zu lösen. „Was, du hast schon genug von mir?“

Leider sterben Partnerschaften hĂ€ufiger an zu viel Enge als an zu viel Offenheit. Darum wĂ€re es sinnvoll immer wieder darauf zu achten, ob noch genĂŒgend Luft fĂŒr beide Partner da ist. Oft wird eine gesunde Reaktion schon als Zerstörung gewertet, die beim einen VerlassenheitsĂ€ngste und beim anderen SchuldgefĂŒhle weckt.

 

Hilfreiche Frage:

  • Ist es beiden noch wohl in unserer kleinen Welt?
  • Wie könnten wir, ohne uns zu verletzen, unser enges System wieder weiten?
  • Warum habe ich/du einen solch ĂŒbersteigerten Hunger nach Verschmelzung?
  • Wie kann ich mir treu sein, ohne dir untreu zu werden oder dich zu verletzen?


Auch die tollste ErgĂ€nzung ĂŒberfordert, wenn zwei Partner meinen, einander alle BedĂŒrfnisse stillen zu können oder zu mĂŒssen.

 

Streit ist oft der Versuch, sich etwas Distanz zu verschaffen. Vielleicht will der Partner zu viel NÀhe, zu viel Sex, zu viele GesprÀche ...

Streit kann aber auch den leise abschleichenden Partner auf sein Tun aufmerksam machen. Lieber einen Streit, als vor lauter Distanz nichts mehr fĂŒhlen. Gerade hier löst aber ein solcher Zweckkonflikte gerade das Gegenteil aus. Mit Streit kann man den Partner auf Distanz halten aber nie herholen. Dennoch wird es stĂ€ndig versucht.


In einer Partnerschaft wohnen zwei verschiedene Personen, die nicht immer synchron die gleiche NĂ€he und Distanz wĂŒnschen, deshalb ist dieses Thema ein Dauerbrenner. Oft wird aber nicht im Klartext gesprochen, sondern in indirektem Verhalten. So kann z.B. eine Frau einen kleinen Streit vom Zaune brechen, weil sie eigentlich nicht bereit fĂŒr sexuelle NĂ€he ist. Wir sollten aber immer wieder versuchen, einander um die lebensnotwendige Distanz und NĂ€he zu bitten: „Bitte lass mich doch etwas alleine!“ „Komm doch bitte nĂ€her, ich brauche deine NĂ€he.“ Einfache SĂ€tze, die wir oft nicht aussprechen, weil wir Angst vor einer Ablehnung haben. Wenn wir offen ĂŒber unsere Empfindungen reden möchten, mĂŒssen wir sie dem Partner auch erklĂ€ren. Das setzt aber voraus, dass ich mir ĂŒber mich selbst auch im Klaren bin. Das mĂŒssen wir wieder ĂŒben.


6. Kluges Verhandeln auf Zeit
GlĂŒckliche Ehen grĂŒnden auf guten Kompromissen. Das heisst, zwei Partner suchen eine Lösung, in der die Anliegen beider grösstenteils enthalten sind. Da sich Interessen und BedĂŒrfnisse immer wieder verĂ€ndern, können Paare beziehungsmĂ€ssig nur gesund bleiben, wenn sie diese Kompromisse immer wieder neu suchen. Neue Vereinbarungen sollten immer nur auf Zeit getroffen werden. Zu viele Paare sind in ihrer Unbeweglichkeit geradezu erstarrt.

Faires Verhandeln gelingt auch nur, wenn beide ihre wirklichen BedĂŒrfnisse offen auf den Tisch legen. Wenn die WĂŒnsche beider Partner nicht gleichzeitig erfĂŒllt werden können, dann soll zuerst in die BedĂŒrfnisse des einen investiert werden und dann in die des anderen. Bei einer heutigen Ehedauer sollte genug Zeit vorhanden sein.


Verhandlungsregeln:

  • FrĂŒhzeitiges Verhandeln gibt gute Erfolgschancen.
  • Rechter Ort, richtiger Zeitpunkt – frĂŒhzeitig miteinander abmachen.
  • RegelmĂ€ssige StandortgesprĂ€che.
  • Zuhören und aussprechen lassen, nachfragen, Feedbacks geben.
  • Alle WĂŒnsche auflisten (etwa gleich grosse Listen der einzelnen Partner), keine Tabus im GesprĂ€ch.
  • Nicht mit dem schwierigsten Thema beginnen; unfertige Gedanken zulassen
  • Einander das geben, was wirklich gewĂŒnscht wurde.
  • Verhandeln auf Zeit


GrundsĂ€tzlich kann ĂŒber alles verhandelt werden: Freizeit / Lastenverteilung / Machtmuster / SexualitĂ€t / Besitz / Esskultur / Kleidung und Körperpflege / NĂ€he und Distanz / Wohn und LebensrĂ€ume / unsere GesprĂ€chskultur / Kinder und Erziehung / Freunde und Verwandte / Religion und Weltanschauung ...


In Krisenzeiten gibt es bei Paaren diese versteckten „Schuldkonten“: „Du bist schuld an unseren Problemen.“ Daher sollte ab und zu darĂŒber gesprochen werden, wie die heimlichen Konten stehen und wie sie ausgeglichen werden könnten.

Bonus-System: Ein Paar handelt in einer schwierigen Sache ein Mass aus. Wenn er oder sie in guten Tagen mehr leistet als vereinbart, dann gibt es Bonus-Punkte fĂŒr die schlechteren Tage. Dies kann Paaren helfen, flexibler zu werden. Beispiele von Vereinbarungen:

  • Um unser gegenseitiges Verstummen zu vermeiden, sollen beide je mindestens fĂŒnf Fragen fĂŒr den anderen bereithalten.
  • Entwertendes Reden werden wir gegenseitig unterlassen. Bei RĂŒckfall hat das Opfer einen freien Abend zugut.
  • RegelmĂ€ssige, tĂ€gliche GesprĂ€che sind uns zu viel. Wir einigen uns auf ein lĂ€ngeres GesprĂ€ch pro Woche.
  • Bei Konflikten wird sofort gestoppt, wenn ein Partner dazu auffordert. Dann werden wir gegenseitig die bereits gemachten Verletzungen anerkennen und anschliessend entschuldigen wir uns gegenseitig mit einer versöhnlichen Geste.
  • Beide bemĂŒhen sich, 14 Tage lang nur noch positives Feedback zu geben. Einmal pro Tag darf noch etwas Negatives gesagt werden. Bei der zweiten Kritik hat das Opfer Folgendes zugute ...
  • Damit wir nicht immer ĂŒber alles diskutieren mĂŒssen, bestimmen wir Ministerien auf Zeit.
  • Vor den Kindern werden keine Paarprobleme mehr besprochen.
  • Wir vermeiden Allianzen mit unseren Kindern gegenĂŒber dem anderen.
  • Die „Nach-Erziehung“ des Partners unterlassen wir.
  • ZukĂŒnftig besuchen wir uns gegenseitig im sexuellen Lustgarten des anderen.
  • Ich werde in der kommenden Woche sexuell nichts fordern. Du kommst auf mich zu, wenn du Lust hast.
  • Ab sofort reden wir einmal pro Woche ĂŒber unser Sexualleben.


Kein Partner soll zu viel geben mĂŒssen. Es ist aber auch ungeschickt, wenn ein Partner den anderen mit Geben ĂŒberhĂ€uft, welches der Beschenkte nicht erwidern kann. Das erzeugt oft nur Wut, SchuldgefĂŒhle oder Stress.

Übrigens: Wer Probleme sucht, wird sie finden! Wer Lösungen sucht, wird Lösungen finden.


7. Gutes Streiten, Ent-Schulden und das notwendige Verzeihen
Durch die Heirat muss die IndividualitÀt nicht aufgegeben werden. Im Gegenteil: Lebendige Partnerschaften leben von der VitalitÀt des einzelnen Partners. Es ist lebenswichtig, dass jeder sich selbst bleiben darf und Neues ausgetauscht und erlebt wird.

Wenn zwei Liebende einander diese Eigenwilligkeit zusprechen und unterschiedliche Interessen zulassen, dann kann das natĂŒrlich zu Streit fĂŒhren. Nun geht es aber nicht darum, Streit grundsĂ€tzlich als etwas Schlechtes darzustellen, son-dern den Streit als Bestandteil einer lebendigen und demokratischen Partnerschaft anzuerkennen. Streit selbst sollte nie verhindert werden. Nur das „Wie“ des Streites muss und darf immer kritisch angegangen werden.


Spielregeln:

  • Wir akzeptieren grundsĂ€tzlich, dass beide eigene Interessen und Meinungen zu einem Thema haben dĂŒrfen.
  • Wir werden zuerst einander die unterschiedlichen Varianten offen legen und grundsĂ€tzlich dieses unterschiedliche Denken und FĂŒhlen anerkennen.
  • Dann versuchen wir verschiedene LösungsansĂ€tze zu finden, und freuen uns, wenn möglichst viele Ideen auf dem Tisch liegen.
  • Wenn wir uns in einer Sache festbeissen, ĂŒberlegen wir uns, ob sich der Streit lohnt.
  • Wir sind eher fĂŒr StreitgesprĂ€che, als fĂŒrs Verstummen.

 

Nun gehen wir an die Themen heran:

  • Was wollen wir heute besprechen, was nicht?
  • Wie können wir sachlich beginnen, ohne gleich in ĂŒble Streitmuster zu verfallen?
  • Geben wir uns gleich viel Redezeit?
  • Wo liegt bei diesem Thema meine/deine Schmerzgrenze?
  • Verletzende Wiederholungen und Entwertungen, sowie Drohungen werden wir vermeiden. Sie provozieren nur. Verbale Verletzungen oder gar Gewalt lassen wir nicht zu. Bei zu heftigen Emotionen darf der Raum verlassen werden.
  • Jeder hat eine gelbe und eine rote Karte. Gelbe Karte hoch: der andere muss schweigen. Rote Karte hoch: der Partner geht fĂŒr ein paar Minuten vom Verhandlungstisch. Absprechen, wie oft die Karten benutzt werden dĂŒrfen.
  • Wenn wir gut und fair verhandeln, belohnen wir uns mit einem feinen Essen oder einem Ausgang. Wie können wir uns sonst noch belohnen?

 

Was tun bei Konflikten?

  • Beide sind bereit, den Konflikt friedlich zu lösen
    • Spielregeln abmachen, Zeit / Setting /Ort
  • Was sind die Themen (Probleme)?
    • Partner A z.B.:
      • Problem A zu wenig Freizeit
      • Problem B SexualitĂ€t
      • Problem C Deine Verwandten
    • Partner B z.B.:
      • Problem A Lastenverteilung
      • Problem B Kindererziehung
      • Problem C WertschĂ€tzung
  • Mit welchem Thema beginnen?
    • Mit dem leichtesten Problem
    • Sich auf ein Thema einigen
  • Jeder Partner schildert seine Version.
    •  Wie ist das Problem entstanden?
    • Eigenes Empfinden darlegen
    • Der andere hört nur zu
    • VerstĂ€ndnisfragen sind zugelassen
  • Wie können wir eine Verbesserung erreichen?
    • Lösungsvarianten a,b,c ...
    • Auch unfertige Ideen zulassen Aushandeln möglicher Varianten
  • Was spricht fĂŒr welche Lösung?
    • Was spricht dagegen?
    • Gab es schon Ă€hnliche Probleme?
    • Wenn wir diese Lösung wĂ€hlen, bin ich bereit, das oder jenes zu tun ...
    • Mit jener Lösung könnte ich auch noch leben.
  • Festhalten der Abmachung
    • Vielleicht genĂŒgt ein Handschlag. Oder doch eine schriftliche Abmachung?
    • Alles gilt nur fĂŒr eine begrenzte Zeit.


„Du bist schuld!“

Wenn unsere Beziehungen aus dem Gleis geraten, neigen wir leicht dazu, unseren Partnern die Schuld zuzuschieben. Es gilt aber bei Konflikten immer auch zu schauen, in welchem Umfeld etwas geschehen ist. So gibt es immer auch ungĂŒnstige HintergrĂŒnde, die es einem noch so liebenswerten Paar nicht immer ganz einfach machen. Diese „MittĂ€terschaft“ gilt es zu erkennen, damit einander nicht die Schuld fĂŒr alles in die Schuhe geschoben wird. Dank diesem Entlastungsdenken wird das Paar wieder freier und kann dadurch eher wieder gemeinsam versuchen, Dinge zu Ă€ndern.

 

Wer ĂŒbernimmt wie viel „Schuld“?

  • Einander nicht fĂŒr alles verantwortlich machen.
  • Es gibt unglĂŒckliche HintergrĂŒnde – welche?
  • Diese HintergrĂŒnde zur eigenen Entlastung erkennen – was entlastet und entschuldet uns?
  • Was ist mein/dein Anteil?

 

Einige dieser ungĂŒnstigen HintergrĂŒnde: Existentielle Sorgen, Stress, Angst, Druck, Krankheit, Armut ...


Trotzdem: Auch wenn Paare lernen, fair und klug zu streiten, lassen sich unangenehme Verletzungen nicht immer vermeiden. Wo lebendige Menschen zusammenleben, werden Fehler gemacht. Aber Fehler sollten auch wieder einmal weggelegt werden. Ab und zu muss man einfach einen dicken Strich ziehen können, damit die Partnerschaft nicht in den Verletzungen erstickt.

In viele PaargesprĂ€chen hat sich gezeigt, dass meist die Frauen ein weit besseres GedĂ€chtnis fĂŒr die Fehler ihres Mannes haben, als umgekehrt.

 

Folgende Fragen könnten helfen diese tödlichen Altlasten abzuwerfen:

  • Was könnte ihr Partner /Partnerin tun, damit Sie einen dicken Strich unter das Geschehene machen könnten?
  • Was brĂ€uchte Ihre Seele, damit sie endlich diese Verletzung verzeihen könnte? Könnte es ein Geschenk sein, eine Handlung, ein Versprechen?

 

Also lasst euch das Verzeihen etwas kosten, aber verzeiht euren „liebenswĂŒrdigen TĂ€tern“ um Gottes und wieder einmal der Liebe willen und fĂŒr euch selbst!

Auch sich selbst muss ab und zu verziehen werden.

Verzeihen und vergessen können – gehören zur BeziehungsfĂ€higkeit des Menschen. Und darin liegt ein wunderbarer Zauber.


FrĂŒhwarntest und kleine Hausapotheke
Wenn es stimmt, dass Ehen frĂŒh und leise zerbrechen, dann ist es notwendig, rechtzeitig innezuhalten und sich ab und zu gegenseitig ein paar grundsĂ€tzliche Frage zu stellen. Denn das Miteinander-Reden ist schon oft die Heilung. Es bringt die Partner nĂ€her und sie fĂŒhlen sich wieder einmal verstanden.

 

Bewertet je die folgenden Fragen mit 1 (unzufrieden) –10 (zufrieden).

 

Wie zufrieden bin ich in unserer Partnerschaft?

  1. mit unserer Streitkultur
  2. mit unserer Lastenverteilung
  3. mit unserer NĂ€he und Distanz
  4. mit unserem Sexualleben
  5. mit dem gemeinsamen GesprÀch
  6. mit der Kindererziehung
  7. mit der Freizeitgestaltung
  8. mit der gegenseitigen WertschÀtzung
  9. mit dem ZugestĂ€ndnis fĂŒr persönliche Freiheiten
  10. mit unserem Freundeskreis
  11. mit dem Umgang mit Geld und Besitz
  12. mit unserer Macht- und Verantwortungsaufteilung
  13. mit unseren Essgewohnheiten
  14. mit unserer Wohnsituation
  15. mit unserem gegenseitigen Geben und Nehmen
  16. mit unserer Geschenkkultur
  17. mit unserem VertrauensverhÀltnis (Treue)
  18. mit unserer Beweglichkeit und Neugier auf Neues
  19. mit unserem Engagement fĂŒr unsere Beziehung
  20. mit der Kompromissbereitschaft
  21. mit unserer Liebe
  22. mit unserer gegenwÀrtigen Beziehung


Wie stark sind gegenwÀrtig unsere Partnerschafts-bande?

  • Band der gegenseitigen Sympathie
  • Band des gegenseitigen Vertrauens
  • Band des „Einander-gern-Habens“
  • Band des Gebens und Nehmens
  • Band der Gewohnheit
  • Band der gegenseitigen Sicherheit (Treue)
  • Band des gegenseitigen Schutzes und Haltes
  • Band ...

 

Gesamteindruck

  • Unserer Partnerschaft geht es gut. Wir mĂŒssen nichts Ă€ndern.
  • Uns geht es mittelmĂ€ssig. Wir könnten etwas Ă€ndern.
  • Unserer Partnerschaft geht es schlecht. Wir mĂŒssen etwas tun.

 

Auch wenn nur ein Partner findet, es mĂŒsste etwas geĂ€ndert werden, sollten Sie es anpacken. Denn Ehen zerbrechen frĂŒh und leise!


Folgende Bereiche und Themen sind alarmierend:

  • Sehr dringend ist:
  • Gelegentlich einmal angehen:
  • Kann noch warten:

 

Wie gehen wir vor?

  • Wir unternehmen nichts und lassen die Zeit heilen.
  • Wir diskutieren und verhandeln, bis wir eine Lösung haben.
  • Wir machen auf Zeit deine Variante.
  • Wir machen auf Zeit meine Variante.
  • Wir besprechen es mit ...
  • Wir gehen zur Beratung.
  • Wir sind uns uneinig und wĂŒrfeln.


Oft kann ein Paar selbst versuchen, die Störungen zu beheben. Wenn aber bereits zu viel Geschirr zerbrochen ist, dann ist es dringend notwendig, zu einem „Paardoktor“ zu gehen, weil ein selbst gekochter Tee meist nicht mehr reicht.