Emerging Church: Die postmoderne Kirche

von Dan Kimball |

Die Ausrichtung auf Kirchendistanzierte hat das VerstĂ€ndnis von Kirche revolutioniert. Doch am Beginn eines neuen Zeitalters fĂŒhlt sich eine immer grĂ¶ĂŸer werdende Gruppe von Menschen durch diese Ausrichtung nicht mehr angesprochen. Wie sollte ein Gottesdienst aussehen, damit er Menschen erreicht, die postmodern denken und fĂŒhlen? Was sollte sich dazu an den Predigten, Gottesdiensten, evangelistischen Veranstaltungen Ă€ndern? Und das Wichtigste: Wie muss sich unser VerstĂ€ndnis von Kirche Ă€ndern?
Dieses Buch geht ĂŒber die blosse Theorie hinaus. Dan Kimball fĂŒhrt einen neuen Begriff ein – "Vintage Christianity" (Retro-SpiritualitĂ€t) – und fĂŒllt ihn mit Leben: der erfrischende Weg zurĂŒck zu einer unapologetischen, heiligen, direkten, historischen und auf Jesus ausgerichteten missionarischen Arbeit. Diese Retro-SpiritualitĂ€t spricht die neue Generation der Postmoderne an, die geistlich offen ist, aber kein Interesse an "Kirche" hat.
Kimball, Dan. Emerging Church: Die postmoderne Kirche. SpiritualitĂ€t und Gemeinde fĂŒr neue Generationen. ISBN 3867700710. C+P 2005. 272 Seiten.

Eine Buchzusammenfassung von Felix Ruther

Vorwort von Rick Warren

Manche Aufgaben der Gemeinde werden sich nie Ă€ndern, wĂ€hrend andere einem stĂ€ndigen Wandel unterliegen. Gottes fĂŒnf Ziele fĂŒr seine Kirche sind unverĂ€nderlich: Anbetung, Gemeinschaft, JĂŒngerschaft, Mitarbeit und Mission. Ohne diese Dinge ist die Kirche nur noch eine soziale Einrichtung. Die Art und Weise, wie diese Ziele umgesetzt werden Ă€ndert sich aber stĂ€ndig – denn sie mĂŒssen immer zeitgemĂ€ss umgesetzt werden. Was aber „zeitgemĂ€ss“ ist, ist nicht ewig. Es funktioniert nur eine Zeit lang und ist nur fĂŒr einen bestimmten Zeitpunkt der Geschichte von Bedeutung.

Solange die biblische Botschaft nicht verwÀssert wird, ist es richtig, sich der Zeit anzupassen. Aber egal, was heute in Mode ist, es wird unvermeidlich bald aus der Mode sein. Heute folgen die Phasen der VerÀnderung immer rascher aufeinander.

So werden wir nur dann nicht an Relevanz verlieren, wenn wir die eigene Arbeit an die unverÀnderlichen Wahrheiten und Ziele Gottes binden und gleichzeitig bereit sind, die Umsetzung dieser Wahrheit und Ziele immer neu der Gegenwart anzupassen.

Heute gibt es wieder sehr viele spirituell Suchende. Das Interesse an Esoterik, östlicher Religion, Mystik etc. ist daher sehr gross. Diese Menschen sehnen sich nach Symbolen, Ritualen, Metaphern, Erfahrungen und Geschichten, die ihnen die Grösse Gottes offenbaren. Wir mĂŒssen auf sie eingehen und mĂŒssen bereit sein, ihnen dort zu begegnen, wo sie sich befinden und so mit ihnen reden, dass sie uns verstehen.

Die Welt Àndert sich, aber das Wort Gottes bleibt immer dasselbe.

Vorwort von Brian McLaren

Viel zu oft haben wir starre, traditionelle Formen, Vorgehensweisen und Weltbilder durch genauso starre „zeitgemĂ€sse“ ersetzt. Viel zu oft haben wir es getan, ohne vorher ausreichend darĂŒber nachzudenken, ohne den Bezug zwischen Kirche und Kultur ausreichend reflektiert zu haben. Jede Gemeinde hat ihre eigenen Grenzen und begrenzten Ressourcen, hat bestimmte Vor- und Nachteile. Darin besteht ihre einzigartige Herausforderung, aber auch ihre Chance.

Einleitung

„Seht zu, dass euch niemand einfange durch Philosophie und leeren Trug, gegrĂŒndet auf die Lehre von Menschen und auf die MĂ€chte der Welt und nicht auf Christus.“ Kol 2,8


WĂ€hrend viele von uns damit beschĂ€ftigt waren, ihre Predigten zu schreiben und die gemeindeinternen Angelegenheiten zu regeln, hat sich draussen die christliche Welt in eine postchristliche Verwandelt, in der nur noch wenige Menschen etwas mit der Kirche zu tun haben. Deshalb mĂŒssen wir alles, was wir in unseren Gemeinden tun ganz neu ĂŒberdenken.

Die Frage: Mit welcher Musik etc. bringen wir die Menschen in unsere Kirche – ist eigentlich die falsche Frage.

In der Postmoderne gibt es, im Gegensatz zur Moderne, kein einheitliches Modell mehr und keine Musterlösung.

In der Postmoderne mĂŒssen wir nicht nur die Formen, sondern auch unser Denken ĂŒber die Kirche Ă€ndern. Es geht um eine neue innere Haltung.

In der Postmoderne sollten wir  Erfolg nicht mehr an der Besucherzahl messen, sondern daran, ob aus unserer Umgebung Menschen hervorgehen, die echt Licht und Salz in der Welt sind, die das Evangelium weitergeben und soziale Gerechtigkeit und Hilfe fĂŒr die Armen ernst nehmen.  Wie die Gemeinde von Thessalonich soll unsere Kirche fĂŒr ihre Liebe, fĂŒr ihre Art zu beten, wie Jesus in der Mitte ist und nicht nur fĂŒr die gute Predigt, Musik und die Kerzen bekannt werden.

I. Teil: Dekonstruktion – Die Gemeinde der Postmoderne: Kerzen, Kaffee, wenig Licht

1. Der postchristliche Suchende

Sky kam als UnglÀubiger in die Kirche und sagte seine Meinung: Das Christentum ist eine von Menschen erdachte Religion, die nur auf Vorurteilen und politischen Interessen basiert. Christen sind engstirnig und nur allzu schnell bereit, auf andere zu zeigen, die etwas falsch machen. Sie sind oberflÀchlich, weil sie glauben, dass sie die Einzigen seien, die die richtige Antwort hÀtten. Das macht sie arrogant. Es ist intolerant zu glauben, dass das Christentum die einzig wahre Religion sei.

SpĂ€ter kam Sky zum Glauben. Was hat ihn dazu bewogen. Er wurde in Gottesdienste eingeladen, in denen nicht „sucherorientiert“ alle christlichen Symbole und Riten beseitigt wurden. Gerade in den Zeiten des stillen Gebets habe er begonnen selber zu beten.

Sucherorientiert: Statt Hochglanz-ProÂŹgramme ist das Mitmachen – sofern es jedem die Chance gibt, NĂ€he und Distanz selber wĂ€hlen zu können – wieder stark im Kommen. Tiefer gehende Programme sollten anderswo stattfinden.

Eine ehrliche und offene SpiritualitĂ€t spricht Suchende an und berĂŒhrt sie. Suchende möchte an den Glaubenden sehen, ob Gott lebendig ist und wie er angebetet wird. Wenn alles in dem Sinne den Suchenden angepasst wird, dass man die Bibel schliesst und die Kreuze entfernt, dann könnten sie eher denken, dass sich die Christen ihres Glaubens schĂ€men oder zu verstecken suchen, was sie glauben. FĂŒr Suchende wĂ€re das eher wie Heuchelei und nicht einladend. Suchende sind angesprochen von authentischen Menschen, die ebenfalls auf der Suche sind – nach dem Reiche Gottes. Klar, man muss theologische Begriffe und Formen erklĂ€ren. Wir mĂŒssen Symbole so wieder benutzen, dass sie auch fĂŒr Suchende verstĂ€ndlich sind.

Suchende sind heute im Allgemeinen geistlich sehr aufgeschlossen. In der heutigen Welt gibt es keine Anker und keine Wahrheit  mehr, an der man sich festhalten kann. Wenn die Menschen von Jesus hören und zum ersten Mal erfahren, dass sie in ihm die Wahrheit finden, liegt darin eine unglaublich grosse Hoffnung fĂŒr die Zukunft.

2. Mein Weg in die Postmoderne

Nach und nach stellte ich fest, dass nichtchristliche SchĂŒler, die frĂŒher von unserer Arbeit, unseren TheaterstĂŒcken, Videoclips und Themenpredigten beeindruckt gewesen waren, sich immer weniger fĂŒr uns interessierten. Das Problem bestand nicht darin, dass unsere Gottesdienste langweilig oder belanglos gewesen wĂ€ren. Aber irgendwie erreichten wir die Herzen der Jungen nicht.

Wir wagten ein Experiment und gestalteten unsere Gottesdienste unplugged. Statt Blitze und Lichter stellten wir Kerzen auf, statt Videoclips liessen wir einfach ein paar SchĂŒler Texte aus der Bibel vorlesen. Bei den Lobpreisliedern konnte ich immer mehr die Stimmen der Mitsingenden hören, und als ich aufstand zu predigen, hörten alle zu. Ein Aussenstehender meinte: „Das gefĂ€llt mir – es war echt spirituell.“

NatĂŒrlich brauchen Teenager immer noch viel Fun und verrĂŒckte AktivitĂ€ten und sportliche Events und Treffen mitten in der Nacht. Aber wir stellten fest, dass die Gesellschaft derzeit ihren geistlichen Hunger offener auslebt, als das frĂŒher der Fall war.

Auch bei jungen Erwachsenen stellten wir fest, dass sie viele Dinge nicht mehr mochten, die wir in die Gottesdienste eingefĂŒhrt hatten, um diese modern und alltagsrelevant zu machen.

Wir dienen Suchenden womöglich besser durch echte spirituelle Leidenschaft als dadurch, dass wir ihnen hinterherlaufen.

Jugendliche, die regelmÀssig die normalen Gottesdienste einer Gemeinde besuchen, aber nicht an einer Jugendgruppe teilnehmen, werden mit einer grösseren Wahrscheinlichkeit auch als Erwachsene regelmÀssig die Gottesdienste besuchen, als Jugendliche, die im Jugendbereich aktiv sind, aber nicht gemeinsam mit Menschen anderen Alters an den Gottesdiensten teilnehmen.

3. Die Vergangenheit verstehen, um die Zukunft zu begreifen

„... sie erkannten das Gebot der Stunde und wussten, was Israel zu tun hatte.“ 1. Chr 12,35

Unser Weltbild hat Einfluss auf unsere Werte sowie die Art und Weise, wie wir Information verarbeiten und Schlussfolgerungen ziehen. Es bestimmt, wie wir ĂŒber Gott denken, ĂŒber die Menschheit und ĂŒber die Religion. Unser Weltbild ist die Brille, durch die wir alles sehen.

Wir mĂŒssen einen Blick in die Vergangenheit werfen, um zu verstehen, wie wir dorthin kamen, wo wir heute sind. Dann können wir uns Gedanken darĂŒber machen wohin es mit der Zukunft gehen soll.

Moderne (M) 1500-2000: Durch die AufklÀrung konzentrierte sich das Denken auf den Menschen. Grosses Vertrauen in das Vermögen der Vernunft, die Wahrheit zu entdecken.

Postmoderne (P) 2000: Selbstbestimmte, pluralistische Sicht der Kulturen und Religionen. Verschiedene Glaubensrichtungen werden parallel nebeneinander akzeptiert.

M: Die Macht lag in der menschlichen Vernunft, der Wissenschaft und der Logik, die unter anderem versuchte, Gott zu erklÀren und zu verstehen.

P: Einzige AutoritÀt ist die persönliche Erfahrung.

M: Der Buchdruck revolutionierte die Kommunikation.

P: Internet und moderne Medien ermöglichen verzögerungsfreie weltweite Kommunikation.

M: AutoritĂ€t lag in der Vernunft, der Wissenschaft und der Logik – fĂŒr Christen in der vernĂŒnftigen Interpretation der Bibel.

P: Jede AutoritĂ€t wird in Zweifel gezogen. Die Bibel ist fĂŒr viele Interpretationen offen. Sie ist nur eine von vielen religiösen Schriften.

M: „Wissen ist Macht.“ Francis Bacon - „Ich denke, also bin ich.“ Descartes 1596-1650)

P: „If it makes you happy, it can’t be that bad.“ Sheryl Crow. Jede Perspektive hĂ€ngt vom jeweiligen Standpunkt ab.

4. Jenseits von Kerzen und Cooless

Jemand meinte: Die Postmoderne hat keinen Einfluss auf unsere Arbeit, man mĂŒsse einfach das Wort Gottes predigen, und der Rest ergebe sich von alleine. Ein anderer meinte, dass man der Postmoderne mit Kerzen und Coolness gerecht werden können. Die Postmoderne geht aber viel tiefer. Dennoch wissen wir noch nicht, wohin sie uns fĂŒhren wird oder in welcher Weise sie die Gesellschaft noch verĂ€ndern wird.

Nicht jede Gemeinde hat sich der Moderne angepasst, zumindest nicht so sehr wie die evangelikalen Gemeinden, die so sehr in der Moderne aufgegangen sind, dass viele meinen, man könne die Moderne nicht vom Christentum trennen.

Schon in der 40iger-Jahren benutzte Sir Arnold Toynbee das Wort „Postmoderne“ und beschrieb damit den Beginn einer neuen Epoche in der westlichen Welt. Die Ablehnung der Werte der Moderne wurde aber erst ab der Mitte der 60iger-Jahre an den UniversitĂ€ten deutlich.

Nicht alles in der Moderne ist schlecht, auch nicht alles in der Postmoderne. Wir bewegen uns auf eine Epoche zu, die nach der Moderne kommt. Darin werden natĂŒrlich noch viele Aspekte der Moderne enthalten sein.

In der Postmoderne gewann man z.B. wieder ein transzendenteres Bild von Gott, das Raum lĂ€sst fĂŒr das Mysterium. Man gewann auch wieder ein Denken, das mit dem ÜbernatĂŒrlichen rechnet und wieder ein Denken zulĂ€sst. Zudem wird die Gemeinschaft wieder wichtiger gegenĂŒber der absoluten Betonung der IndividualitĂ€t in der Moderne.

Beispiele: Vor 20 Jahren sah man einem Cover an, welche Musik auf der Platte zu finden war. Heute ist das nicht mehr so. WidersprĂŒchlichkeit ist gesellschaftsfĂ€hig geworden. Dinge passen nicht mehr eindeutig in eine Kategorie. Das Image muss keinen Bezug mehr zu seiner eigentlichen Bedeutung haben. Die Grenzen sind fliessend, wenn es ĂŒberhaupt welche gibt. Die GegensĂ€tzlichkeit wird geradezu gefeiert.

Das beeinflusst auch die Religion: Jemand kann sich zu einer bestimmten Glaubensrichtung bekennen, ohne den Glauben auch irgendwie auszuleben. Diese WidersprĂŒchlichkeit wurde frĂŒher Heuchelei genannt, heute ist sie akzeptiert. Es ist einfach eine legitime Art zu leben. Z.B. Britney Spears: Sie ist eine verwirrende postmoderne Mischung aus SpiritualitĂ€t und aufreizender SchulmĂ€dchen-SexualitĂ€t. Immer mehr junge Frauen verschweigen ihre christliche Überzeugung nicht, aber gleichzeitig senden sie durch ihr Auftreten sexuelle Signale. Überzeugung und tatsĂ€chliches Handeln widersprechen sich unverhohlen. Aber sie empfinden den Widerspruch nicht als Problem, weil es fĂŒr sie keinen Widerspruch gibt. Aus der Sicht der Postmoderne ist das völlig in Ordnung.

Wenn man diesen Gedanken weiterverfolgt, dann ist es ohne Problem möglich, die einander widersprechenden Weltreligionen zu vermischen. FĂŒr viele Menschen der Postmoderne ist dieser Zugang nicht falsch oder widersprĂŒchlich. Sie bestehen einfach darauf, ihr Leben nach ihren eigenen Vorlieben definieren zu können.

Der religiöse Relativismus könnte auch eine andere Ursache haben: „Ich habe furchtbare Angst davor, was passiert, wenn Menschen ihre Überzeugung und Werte arrogant und militant vertreten, denn es ist nur ein schmaler Grat zwischen Arroganz und wirklicher Gewalt.“ In einer Welt voll Terrorismus und rassistisch-ethnisch motiviertem religiösem Hass, haben viele das GefĂŒhl, dass starke Überzeugungen und Werte etwas GefĂ€hrliches sind. Anstatt solche Menschen auf die WidersprĂŒchlichkeit ihrer Aussagen hinzuweisen, wĂ€re es vermutlich besser, bei ihrer Sehnsucht nach Frieden anzuknĂŒpfen. Dann können wir vielleicht zeigen, dass Jesus genau diesen Kurs in der religiösen Kultur seiner Zeit eingeschlagen hat und inwiefern das Kreuz eine Botschaft ist: „Es ist besser fĂŒr die eigen Überzeugung Gewalt zu erdulden, als selbst Gewalt zu gebrauchen.“

Die postmoderne Welt ist eine Welt, die sich selbst eher biologisch als mechanisch versteht. Eine Welt, in der die Menschen sich als der Umwelt zugehörig empfinden anstatt von ihr getrennt oder ĂŒber sie gestellt. Eine Welt die Institutionen, Hierarchien, zentralisierten BĂŒrokratien und von den MĂ€nnern dominierten Unternehmen misstrauisch gegenĂŒbersteht. Es ist eine Welt, in der riesige Strukturen durch Netzwerke und regionale AktivitĂ€ten abgelöst werden, die von den Empfehlungen von bekannten und Freunden beeinflusst werden, die wir als Experten anerkennen. Eine Welt, die sich nach SpiritualitĂ€t verzehrt, aber systematisierte Religion ablehnt. Es ist eine Welt, in der das Bild von der Wirklichkeit und die RealitĂ€t selbst so eng verflochten sind, dass es schwierig wird, zwischen beiden eine Grenze zu ziehen.

5. Mehr als ein Generationenkonflikt

„Nach und nach starb auch die ganze Ă€ltere Generation, und es wuchs eine neue Generation heran, die vom Herrn nichts wissen wollte und seine grossen Taten fĂŒr Israel nicht miterlebt hatte.“ Richter 2,10


Ein Pastor meinte: „Wir taten doch das Gleiche. Wenn die mal Ă€lter werden, dann kehren sie schon wieder zu ihren Wurzeln zurĂŒck.“ Die postmodern aufgewachsenen Menschen haben aber keine jĂŒdisch-christlichen Wurzeln, zu denen sie zurĂŒckkehren könnten.

Jemand, der in der Moderne aufgewachsen ist, genoss in der Regel eine jĂŒdisch-christliche Erziehung. Meist wurden die dementsprechenden Werte vermittelt. Selbst wenn man nicht Christ war, widersprach man kaum den biblischen Werten, kannte viele biblische Geschichten und wusste in etwa, was es bedeutet, dass Jesus fĂŒr unsere SĂŒnden starb. Wenn jemand in der Moderne „Gott“ dachte, dann kam ihm dabei in der Regel der jĂŒdisch-christliche Gott in den Sinn. Man nahm einfach den NĂ€hrstoff der Umgebung auf, einschliesslich des Monotheismus und des rationalen Denkens. Auf dem Boden der Moderne war Religion etwas Gutes. Die Wahrheit war eine absolute Grösse und die Bibel ein Bezugspunkt.

In der nachchristlichen Epoche werden die Menschen durch eine globale pluralistische AtmosphĂ€re geprĂ€gt. Man hat direkten Zugang zu weltweiten Informationen (Mode, Musik, Religionen aus der ganzen Welt). Es gibt viele Götter, viele Religionen und viele spirituelle Ausdrucksweisen, aus denen man wĂ€hlen kann. In der postmodernen Welt lernt man, dass jeder Glaube gleichwertig ist, dass das Christentum aber eine negative Religion ist und dafĂŒr bekannt ist, dass seine Vertreter mit dem Finger auf andere zeigen und anderen ihr Verhalten aufzwingen wollen. Die Bibel ist nur noch eine unter vielen religiösen Schriften. Ethik und Moral basieren auf persönlichen Entscheidungen. Jeder kann sich seine Religion selber aussuchen, muss nur gegenĂŒber den anderen tolerant sein.

Das alles gehört zum NÀhrboden der Postmoderne. Man lernt nicht mehr auf der Grundlage von Logik und systematischem Denken, sondern durch Erfahrungen. Und die Menschen sehnen sich eher nach dem Mystischen und Spirituellen als nach dem Glauben der Moderne, der auf Fakten und Beweisen beruhte. Die Denkweise ist eher fliessend als systematisch, gemeinschaftlich als individualistisch. Und auf dem Boden der Postmoderne wird viel Wert auf die persönliche Wahlfreiheit gelegt als einem Gegensatz zu festgelegten Wahrheiten.

 

Babyboomer 1946-1964

Generation X 1964-1983

(oder Babybooster 1965-1983; MTV-Generation ab 1983)

SchlĂŒsse:

  1. Wir können nicht davon ausgehen, dass alle mal gleich denken und handeln werden.
  2. Wir können der neuen Generation aus ihren Überzeugungen keinen Vorwurf machen. SelbstverstĂ€ndlich werden sie SpiritualitĂ€t aus einem pluralistischen Blickwinkel betrachten. SelbstverstĂ€ndlich werden sie vom Mystischen und Experimentellen stĂ€rker angezogen als vom Rationalen. SelbstverstĂ€ndlich werden sie in sexuellen Fragen offener und toleranter sein. SelbstverstĂ€ndlich werden sie das Christentum zuerst als negative Religion wahrnehmen.
    Anstatt ihnen einen Vorwurf zu machen, sollten unsere Herzen dafĂŒr brennen, diesen Menschen das Gegenteil zu beweisen.
  3. Wir sollten nicht davon ausgehen, dass die Postmodernen eines Tages „erwachsen“ sind und zu modernen Menschen werden.
  4. FĂŒr Gemeindeleiter aus der Moderne kann es schwer sein, die Methoden der Postmoderne zu verstehen.
  5. Egal, was Sie von der Entwicklung unserer Gesellschaft halten, es ist heute schon klar, dass die sichtbaren VerÀnderungen nicht in ein paar Jahren wieder verschwunden sein werden.

6. Ein neuer spiritueller Mix

Es ist eine entscheidende Erkenntnis, dass es in einem heidnischen Land leichter ist von Gott zu erzÀhlen als in einem postchristlichen.

Heute wissen die Menschen bei uns nicht mehr, wer Jesus war und was Gott fĂŒr uns getan hat. In den USA sind mehr als 1/3 der Bewohner nichtkirchlich. Dieses Land ist in religiöser Hinsicht die vielfĂ€ltigste Nation der Welt. („Ich glaube an Gott. Aber ich weiss nicht, ob dieser Gott Jehova, Buddha oder Allah ist.“ Halle Berry). Heutige Menschen haben kein Problem an Gott zu glauben. Aber dieser „Gott“ setzt sich aus verschiedenen Religionen zusammen.

Der religiöse Wahlspruch der Postmoderne lautet: „Alle Wege fĂŒhren zu Gott.“ Weil wir die Geschichte Gottes mit den Menschen aus den Augen verloren haben, stĂŒckeln wir uns unsere eigene Geschichte zurecht.

Wir mĂŒssen akzeptieren, dass nicht jeder so ĂŒber die Dinge denkt wie wir. Das gilt auch fĂŒr die Sexualmoral. Weil es in der postchristlichen Welt keinen absoluten Bezugspunkt mehr gibt, kann auch keiner mehr sagen, was normal ist. Dabei sind aber viele offen fĂŒr ein GesprĂ€ch, in dem sie sich auch kritischen Fragen stellen, wenn sie zuvor ernst genommen und nicht belehrt oder verurteilt worden sind.

So wie Missionare respektvoll in eine fremde Kultur eintreten, mĂŒssen wir uns in der postchristlichen Kultur mit einem sensiblen Bewusstsein fĂŒr das herrschende Weltbild nĂ€hern und gleichzeitig mutig die frohe Botschaft von Jesus und Gottes Wahrheit verkĂŒndigen. Ich glaube, dass die postchristliche Welt der Wahrheit und der biblischen Moral nicht wirklich ablehnend gegenĂŒbersteht. Wenn die Menschen spĂŒren, dass man nicht aus einem blinden Glauben heraus eine dogmatische Lehrmeinung vertritt und dass man die Überzeugung anderer Menschen nicht aus Angst heraus angreift, dann sind sie erstaunlich offen fĂŒr vernĂŒnftige und engagierte Diskussionen ĂŒber die unterschiedlichen religiösen Angebote und die Wahrheit. TatsĂ€chlich habe ich bemerkt, dass die Menschen positiv und mit grosser Erleichterung reagieren, wenn man ihnen Jesus und seine Lehre als eine feststehende Wahrheit inmitten einer verwirrenden Welt des steten Wandels anbietet. Sie fĂŒhlen sich nur von der selbstgerechten Haltung derer abgestossen, die wenig liebevoll behaupten, sie hĂ€tten einen exklusiven Anspruch auf alleinige Wahrheit. Es ist dennoch keine leichte Aufgabe, die Botschaft von Jesus in einer nachchristlichen Welt zu vermitteln.

Ich habe es lieber, wenn meine Kinder in einem Klima religiöser Vielfalt aufwachsen, als wenn sie in einer christlichen Seifenblase leben. Die rĂŒckwĂ€rts gewandte Bewegung, die versucht, christlichen Separatismus zu stĂ€rken, passt nicht besonders gut zu Jesus und zur frĂŒhen Kulturgeschichte der Kirche. „In der Welt, aber nicht von der Welt.“ Dieser Ausspruch von Jesus verlangt immer noch, dass wir auch tatsĂ€chlich in der Welt sind.

7. Ich mag Jesus, aber ich mag die Christen nicht.

Wes denkst du, wenn du den Namen ‚Jesus’ hörst? Was denkst du, wenn du das Wort ‚Christen’ hörst?

Die Antworten auf die erste Frage waren durchwegs positiv, auf die zweite nur negativ. Am beunruhigsten war, dass von den 16 Befragten nur einer einen Christen persönlich kannte. Ihre Vorstellung von den Christen wurde durch die Medien geprÀgt.

Wir leben also in einer Zeit, in der junge Menschen offen fĂŒr Jesus sind, aber die Christen selbst sind oft der Stolperstein.

Weshalb ist das so?

Oft werden in den Nachrichten nur Extremisten gezeigt, die mit einem Plakat „Gott hasst die Schwulen“ herumlaufen. Christen in den Filmen und Serien erscheinen irgendwie realitĂ€tsfremd, nicht besonders intelligent, glĂŒhende Eiferer, die oft auf einer Art Kreuzzug gegen das Böse in der Gesellschaft sind. Sie scheinen stĂ€ndig zu versuchen, andere von ihrer Sicht der Dinge zu ĂŒberzeugen. Und dann erfĂ€hrt die Öffentlichkeit, dass ein Priester wegen eines Sexualdeliktes verhaftet wurde.

Dann ist auch die christliche Subkultur oft sehr abstossend. Wir alle entwickeln wegen der Flut von Werbung einen mentalen ‚Spamfilter’, der uns von solchen Angeboten abschirmt. Vor allem entwickelt auch ‚christliches’ Marketing eine problematische Eigendynamik. Wir tun gut daran, auf Distanz zum Konsumdenken zu gehen. Jesus und seine Lehre werden auf Nichtchristen nicht so seltsam oder gar abstossend wirken wie die christliche Subkultur.

Auf jemanden, der ein spirituelles Erlebnis erwartet, kann ein christliches Musikfestival sehr fremdartig wirken. Wo ist Jesus, der sich dagegen gewandt hatte, in Gottes Namen Geld zu verdienen, und stattdessen seine Zeit mit den Armen und BedĂŒrftigen verbracht hatte? Wo ist Jesus, der sich zum Beten in einen Garten oder auf einen Berg zurĂŒckgezogen hatte? Wenn wir die heutige Generation erreichen wollen, mĂŒssen wir sie zu Jesus fĂŒhren nicht in die christliche Subkultur des Konsums.

Das Bild der Christen wir auch dadurch verfĂ€lscht, dass irgendwelche Stars sich als Christen bezeichnen, gerade aber einen Song gespielt haben, der ganz andere Werte verherrlichte. Wir mĂŒssen begreifen, dass geistliche und theologische Inhalte von den modernen Kulturpropheten und den Philosophen in Musik, Film und Fernsehen neu definiert werden.

Es gibt eine gute und eine schlechte Nachricht. Die gute ist: Es ist heutzutage cool, ĂŒber Gott zu reden. Beten ist in.

Die schlechte Nachricht ist: Auch wenn man Gott noch so oft im Rampenlicht dankt, so ist die Botschaft, die von den Propheten unserer Tage vermittelt wird, doch keine biblische. Verwirrende Botschaften ĂŒberfluten die postmoderne Generation, die dadurch theologische Begriffe, Gott und Jesus auf eine andere Weise kennen lernt, als in der Bibel von ihnen die Rede ist.

Zudem ist das Interesse am Sein viel grösser als am Wissen. FĂŒr Christen besteht die grösste Herausforderung darin, dass wir nichts mehr bewegen können, wenn wir nur unsere theologischen Überzeugungen herunterbeten. Wir mĂŒssen sie leben – radikal.

Doch modern oder postmodern – letzten Endes beherrschen uns immer noch dieselben menschlichen SehnsĂŒchte. Wir alle wollen akzeptiert werden. Wir alle wollen wissen, dass wir geliebt werden. Wir alle sehnen uns nach einem Ziel. Und wir alle sind auf der Suche nach geistlicher ErfĂŒllung und einem Sinn im Leben. Wir sehnen uns nach unserem Schöpfer und werden mit einem Loch in unserem Herzen geboren, das nur er allein ausfĂŒllen kann. Diese Dinge werden sich diesseits des Himmels nie Ă€ndern. Jesus ist die Antwort auf all unsere SehnsĂŒchte. Die frĂŒhe Kirche wurde in eine Zeit hinein geboren, in der es auch viele verschiedene Religionen gab. Was wir heute erleben, ist nicht völlig neu. Es ist nichts, mit dem der Heilige Geist nicht zurechtkommen könnte.

8. Was ist ‚Kirche’?

Die Kirche sind die Kinder Gottes, die sich zu einer Versammlung treffen und auch andere Menschen zu Glauben fĂŒhren wollen (Apg 14,27). Wir können nicht in die Kirche gehen, weil wir Kirche sind. Man versammelte sich nicht in der Kirche, sondern die Kirche versammelte sich. Wir gehören sowohl zu einer Kirche vor Ort, wie auch zu der universalen Kirche.

Ich bin zum Schluss gekommen, dass die Frage, weshalb unsere modernen Gemeinden zunehmend konsumorientiert sind und immer weniger Bedeutung haben, zu einem grossen Teil mit unserem Gebrauch des Wortes ‚Kirche’ zusammenhĂ€ngt.

Was wir als Erstes denken, wenn wir das Wort ‚Kirche’ hören, ist bestimmend dafĂŒr, wie wir als Kirche funktionieren. Die Art und Weise, wie die Leiter ‚Kirche’ definieren, beeinflusst ihren Massstab fĂŒr Erfolg, bestimmt den Fokus ihrer Energie, welche Strategien sie anwenden und welche Philosophie sie ihrer Arbeit zugrunde legen. Es bestimmt sogar die Richtung unserer Gebete.

Angesichts der modernen WohlfĂŒhlgemeinden ist die missionarische Kirche in Vergessenheit geraten. Denn ĂŒber die Jahrhunderte hat sich das Wort ‚Kirche’ zu einem Ort verengt, an dem man sich versammelt, weg von der Auffassung, dass ‚Kirche’ die Menschen sind, die sich versammeln. So suchen wir heute Gemeinden, die unseren BedĂŒrfnissen entsprechen. Damit dreht sich das GesprĂ€ch nicht mehr um gesellschaftliche Relevanz und Dienst an der Welt, sondern um Bequemlichkeit. Unser Motto hat sich darauf verkĂŒrzt, zu fragen: „Was hat die Kirche mir zu bieten?“ So entsteht dann der Gottesdiensttourismus.

II Teil: Konstruktion – Urchristentum und Retro-SpiritualitĂ€t

9. Das Dilemma der Gottesdienste fĂŒr Kirchendistanzierte

„Der Typ Menschen, die sie bereits in ihrer Gemeinde haben, ist auch der Typ, von dem sie wahrscheinlich noch mehr anziehen können.“ Rick Warren

Solange wir uns nach den Prinzipien der Bibel richten, gibt es keinen richtigen oder falschen Weg fĂŒr unsere Arbeit und fĂŒr unsere Gottesdienste. Entscheidend sind dafĂŒr allein die Menschen, die wir mit unserer Arbeit erreichen wollen.

  • 1. Ansatz: Schaffen sie in ihrer Gemeinde altersstufenspezifische Gottesdienste.
  • 2. Ansatz: Schaffen sie in ihrer Gemeinde einen Gottesdienst mit neuen Werten und einem neuen Ansatz, aber bleiben sie eine Gemeinde. Es ist sehr wichtig, ausserhalb der Gottesdienste einen Raum zu schaffen, in dem die Gemeinde als Ganze Gemeinschaft haben kann! Das kann beispielsweise durch Mentoring-Programme, Missionsreisen, Kurzreisen, Gebetstreffen und gemeinsames Dienen geschehen. Noch einmal, wenn die Werte sich in der Zielgruppe nicht Ă€ndern wĂŒrde, brĂ€uchte man gar keine neuen Gottesdienste.
  • 3. Ansatz: Gestalten sie ihre bestehenden Angebote fĂŒr Jugendliche und junge Erwachsene neu. Das ist ein guter Anfang, wenn man die neue Generation erreichen will. Ich besuchte einmal einen Gottesdienst in einem völlig abgedunkelten Raum. Nur Kerzen waren da. Dann wurden die Jugendlichen eingeladen still zu beten und still auf das Reden Gottes zu hören.
  • 4. Ansatz: GrĂŒnden sie eine neue Gemeinde, um Jugendliche zu erreichen.

Egal, wie sie vorgehen – das Ziel besteht darin, die postmoderne Kultur zu erreichen.

10. Was ist eigentlich ein Gottesdienst?

 

„Ein Gottesdienst wird nicht dadurch zu einer ‚Zeit der Anbetung’, dass man ihn so nennt.“ George Barna

Wir möchten mit den experimentellen Gottesdiensten erreichen, dass die Menschen nicht nur Betrachter sind, sondern im wahrsten Sinne des Wortes am Gottesdienst teilnehmen. Experimenteller und interaktiver Lobpreis sind, zusammen mit der Predigt, eine erfrischende Form, mit der man die ansprechen kann, die in der neuen Kultur aufgewachsen sind.

Wir versammeln uns nicht in erster Linie, um Menschen zu dienen, sondern Gott anzubeten (worship ist die Kurzform von worthship – einer Sache Wert zumessen).  

Anbetungstreffen sind in ihrer ursprĂŒnglichen Form fĂŒr GlĂ€ubige gedacht, damit sie Gott anbeten können und angeleitet, ausgerĂŒstet und ermutigt werden, noch tiefer in die Gottesbeziehung einzutauchen. Derselbe geistliche und auf Erfahrung ausgerichtete Anbetungsgottesdienst kann auch ein Ort sein, an dem sich NichtglĂ€ubige wohl fĂŒhlen, Gott begegnen und aus erster Hand etwas ĂŒber die Praktiken und Überzeugungen der Christen erfahren. Wir sollten uns daher nicht mehr fĂŒr das entschuldigen, was wir tun. Wir mĂŒssen nur erklĂ€ren und verstĂ€ndlich predigen. Die neue Generation will Gott endlich selber erfahren.

„Gott anbeten heisst Zeugnis geben. Die NichtglĂ€ubigen werden merken, dass wir dabei Freude empfinden. Sie können sehen, wie viel uns Gottes Wort bedeutet und wie wir damit umgehen. Sie werden sehen, wie die Bibel auf die Probleme und Fragen unseres Lebens antwortet. Sie werden feststellen, dass Anbetung ermutigt, stĂ€rkt und verĂ€ndert. Sie können spĂŒren, wie Gott auf ĂŒbernatĂŒrliche Weise in einem Gottesdienst anwesend ist, auch wenn sie es nicht erklĂ€ren können.“ Rick Warren

„Wir leben in einer Welt, die auf der Suche nach etwas oder jemandem ist, der es wert ist, dass man sich vor ihm beugt. Anbetung, wenn es wahre Anbetung ist, tut genau das. Es geht in erster Linie nicht darum, wer wir sind und was wir brauchen, sondern es geht um den, der angebetet wird, vor dem wir Ehrfurcht haben. ... Die neue Generation sehnt sich stĂ€rker nach dieser Ehrfurcht, nach der Möglichkeit, sich tief vor jemandem zu beugen, als es eine vor uns getan hat. Unsere Aufgabe ist es, dieses Sehnen auf den einen und einzigen Gott auszurichten, der diese Ehrfurcht verdient.“ Sally Morgenthaler

11. Gottesdienst fĂŒr Kirchendistanzierte versus postmoderner Anbetungsgottesdienst

 

„Weil die Menschen so verschieden sind, ist es keiner Gemeinde möglich, jeden zu erreichen. Aus diesem Grunde brauchen wir alle möglichen Arten von Gemeinden.“ Rick Warren

Es gibt nicht nur eine Art, Gottesdienst zu feiern. Ohne Zweifel mĂŒssen wir in einem neuen kulturellen Umfeld auch neue Wege zu den Menschen beschreiten.

Moderne Denker wollen alles ordnen und systematisieren, weil ihr Verstand logisch und linear arbeitet. Sie mögen es in der Regel lieber, dazusitzen und zuzuhören. Die neue, postchristliche Generation sehnt sich auf der anderen Seite danach, den transzendenten Gott in einem Gottesdienst zu erfahren und nicht nur etwas ĂŒber ihn zu hören. Sie wollen sich in Freiheit treiben lassen können, anstatt durch einen straff organisierten Ablaufplan gefĂŒhrt zu werden. Sie wollen etwas vom Mysterium der Anbetung spĂŒren, anstatt sich auf ProfessionalitĂ€t und herausragende Leistungen zu konzentrieren. Moderne sucherorientierte Gottesdienste basieren typischerweise auf Werten wie herausragender Leistung, ProfessionalitĂ€t und gesellschaftlicher Relevanz. Sie stellen eine Antwort auf Gottesdienste dar, die in der Vergangenheit unprofessionell, langweilig und lieblos waren und so scheinbar gar nichts mit dem Leben der Menschen zu tun hatten. FĂŒr die Menschen, die ‚modern’ denken, ist das genau das, was sie brauchen und schĂ€tzen, und natĂŒrlich sind durch diese Gottesdienste auch grosse Dinge geschehen. In diesen Gottesdiensten ist sicher die Predigt das HerzstĂŒck. Wer aber in der postchristlichen Ära aufgewachsne ist, teilt diese modernen Werte nicht. Diese Menschen brauchen Gottesdienste, in denen eine direkte und ehrliche SpiritualitĂ€t ermöglicht wird. In einem solchen (organischen Gottesdienst) zieht sich die Predigt (der Teil, in dem vermittelt wird, was man aus der Bibel lernen kann) durch den gesamten Gottesdienst. Diese Art von Gottesdienst beinhaltet viel Bewegung, ist in der Regel viel interaktiver und bindet die Besucher viel stĂ€rker ein als eine Veranstaltung, die man nur passiv besucht, bei der man nur konsumiert. Es geht um ein Gemeinschaftserlebnis – um gemeinsame Erfahrung Gottes.

Aber heute halten immer noch viele Pastoren Gottesdienste ab, die so stark reglementiert sind, dass fĂŒr eine spontane FĂŒhrung durch den Heiligen Geist kein Raum bleibt. Veranstaltungen werden minutiös durchgeplant. Ziel ist eher ein reibungsloser Ablauf.

„Herr, welcher Ansatz wir bei der Planung unserer Gottesdienste auch verfolgen, hilf, dass wir niemals nur eine gewöhnliche Veranstaltung planen.“

12. Keine Angst vor Gottesdiensten fĂŒr alle Sinne

 

Gott hat uns durch alle Sinne angesprochen und wurde mit allen Sinnen angebetet. Wir mĂŒssen zu einer ganzheitlichen und damit biblischen Art von Gottesdienst zurĂŒckgehen, die alle Sinne einschliesst.

Die Gefahr besteht natĂŒrlich darin, dass man sich so sehr auf das Vermitteln von Erfahrungen versteift, dass die Menschen am Ende nur noch auf ihre GefĂŒhle und Empfindungen achten.

13. Einen sakralen Raum schaffen

 

„Es gehört zu den Grundvoraussetzungen jeder traditionellen religiösen Zeremonie, dass der Raum, in dem sie stattfindet, mit einer gewissen sakralen Weihe ausgestattet sein muss ... Wird das Publikum nicht in eine vom Mysterium und von symbolischer Jenseitigkeit erfĂŒllte AtmosphĂ€re hineingezogen, so findet es wahrscheinlich auch nicht zu jener Geisteshaltung, die uns fĂŒr ein nicht-triviales religiöses Erlebnis öffnet. Neil Postman „Wir amĂŒsieren uns zu Tode“

Die neue Generation ist definitiv auf der Suche nach GebÀuden und einer AtmosphÀre, die zeigen, dass etwas Spirituelles passiert. Die Architektur sollte daher den Respekt vor Gott widerspiegeln. Es wÀre fantastisch, wieder in gotischen Kirchen feiern zu können (sagt ein Amerikaner).

In der postmodernen Kultur steht Dunkelheit fĂŒr SpiritualitĂ€t. Dunkelheit lĂ€sst erahnen, dass etwas Bedeutendes geschieht. Sie fĂŒhrt eher zum GefĂŒhl der Ehrfurcht, das die neue Generation sucht. In einer dunklen Ecke haben die Menschen eher die Freiheit zu beten, ohne denken zu mĂŒssen, dass sie jemand anstarrt.

Die Band im Hintergrund, sonst sieht es aus wie in einem Konzert.

Wo sind die Kreuze? – das sah mehr nach einem Kino aus als nach einer Kirche aus. Ironischerweise tragen die Jungen der neuen Generation selber wieder Kreuze. Unser Gottesdienstraum sollte einen klaren Eindruck von SpiritualitĂ€t vermitteln.

Kerzen stehen fĂŒr Ernsthaftigkeit, Meditation, Transzendenz.

Warum steht der Prediger auf der BĂŒhne? Das ist ja, als wĂŒrde er auf uns herabblicken.

14. SpiritualitÀt und Kunst im Gottesdienst

 

„Wenn man in die Kirche geht und nicht wenigstens einen kurzen Augenblick der Transzendenz erlebt, wenn man nicht wenigstens kurz von diesem Leben in das nĂ€chste blicken kann, dann weiss ich nicht, warum man ĂŒberhaupt in die Kirche gehen sollte. Dieser kurze Augenblick der Transzendenz ist es, der einen verwandelt und als ein anderer Mensch aus der Kirche herauskommen lĂ€sst.“ Garrison Keillor

Die Gottesdienste von TaizĂ© ziehen Tausende an. Wir sollten auch darauf verzichten, jede Minute unserer Gottesdienste mit LĂ€rm, Videos und Gerede auszufĂŒllen.

Wir mĂŒssen antike Symbole in die Kirche bringen und ĂŒber die jĂŒdischen Wurzeln unseres Glaubens sprechen.

  • Den Alten vor den Jungen Ehre erweisen.
  • MĂ€nner und Frauen auf der BĂŒhne.
  • Kinder und Familien im Gottesdienst.
  • Missbrauch der Technik.
  • Verwendung von Kunst.

15. Gottesdienst fĂŒr alle Sinne

 

„Das Problem ist, dass wir in einer Gesellschaft leben, die Zuschauer hervorbringt. Der Gottesdienstzuschauer ist und bleibt ein Widerspruch in sich.“ Sally Morgenthaler

Vgl. 1. Kor 14,26: Jeder hat etwas beizutragen. Die frĂŒhe Gemeinde setzte sich nicht aus Zuschauern zusammen. FĂŒr die postmoderne Generation ist es wichtig durch Interaktion lernen zu können. Wie in einem modernen Museum, das eben auch Interaktion zulĂ€sst.

„Im letzten Jahrzehnt haben wir festgestellt, dass der Verstand Grenzen hat. Immer mehr Menschen haben gemerkt, dass sie etwas anderes als interessante Predigten und Gebete brauchen. Sie fragen sich, wie sie Gott wahrhaft erfahren können“ Henri Nouwen

Nach einer Predigt geben wir den Besuchern in der Regel etwas Zeit, um aufzuatmen, mit Gott ins GesprĂ€ch zu kommen, zu beten, ihr Herz auszurichten – und nicht gleich wegzurennen.

Lobpreis ist mehr als Gesang. Wir sollten uns ĂŒber die Macht der Musik Gedanken machen und sicherstellen, dass wir die Menschen nicht unterschwellig emotional manipulieren, anstatt den Heiligen Geist seine Werke tun zu lassen.

„Der Fehler, den Christen heute bei der Anbetung hĂ€ufig machen ist, dass sie nach einer Erfahrung suchen anstatt nach Gott selber. Sie sind auf der Suche nach einem GefĂŒhl, und wenn es dann geweckt wird, sind sie ĂŒberzeugt, dass sie Gott nun richtig angebetet haben. Aber das ist falsch. In Wirklichkeit nimmt Gott uns sogar oft unsere GefĂŒhle, damit wir nicht von ihnen abhĂ€ngig werden. Ein GefĂŒhl erzeugen zu wollen, selbst das GefĂŒhl der NĂ€he Gottes, ist nicht gleichbedeutend mit Anbetung.“ Rick Warren

Wir mĂŒssen auch auf den Inhalt der Lieder achten.

Lobpreisleiter sind auch Prediger und Leiter.

Die QualitÀt der Musik muss stimmen.


Anbetung in der Stille:

„Jeden Tag wird das kollektive Unterbewusstsein Nordamerikas von schĂ€tzungsweise 12 Mia WerbeflĂ€chen, 3 Mio Radio- und 200'000 TV-Werbespots bombardiert ... Die Stille fĂŒhlt sich mittlerweilen fremd an, aber vielleicht ist Stille genau das, was wir jetzt brauchen. Stille ist fĂŒr einen gesunden Verstand vielleicht genau das, was frische Luft und klares Wasser fĂŒr einen gesunden Körper sind... Intensive GefĂŒhle erlebt man immer in der Stille.“ Kalle Lasn in „Culture Jam“

 

Das Abendmahl als das ultimative Erlebnis. „In unseren Gottesdiensten mit Abendmahl, in denen der Sinn des Abendmahls ausfĂŒhrlich erklĂ€rt wurde, sind regelmĂ€ssig mehr Menschen zum Glauben gekommen als in allen anderen Gottesdiensten. Rick Warren

  • Zeugnis geben – offenes Mikrofon nach der Predigt.
  • Bibelverse und Glaubensbekenntnisse gemeinsam laut lesen.
  • Lectio divina in der Gemeinde praktizieren.
  • Das Gebet; Gebetsposten; hinter dem Vorhang ...

16. Predigen – wie wir wieder zu ErzĂ€hlern werden

 

„In der Vergangenheit konnten die Prediger immer auf den Grundbausteinen eines christlichen Weltbildes aufbauen. Das Problem ist, dass heute dieses Podest nicht mehr existiert. Die grosse Herausforderung des Predigers besteht darin, dieses Podest wieder aufzubauen.“ Colin Smith

Wenn wir heute zur neuen Generation sprechen, dann erzĂ€hlen wir eine Episode aus der Mitte einer umfangreichen Geschichte, die diese Generation gar nicht mehr kennt oder von der sie nur wenig gehört haben, und wenn, dann hauptsĂ€chlich Negatives. Wir bieten ihnen Hilfe in einer Gefahr, von der sie gar nicht wissen, dass sie ihnen droht, und wir verwenden Worte, die entweder nicht zu ihrem Vokabular gehören oder die sie nicht richtig verstehen. Weil die postmodernen Menschen die Geschichte nicht mehr kennen, mĂŒssen die Prediger wieder zu ErzĂ€hlern werden.

Billy Graham konnte zu seiner Zeit noch seine Bibel in die Luft strecken und sagen: „In der Bibel steht ...“ und die Leute hörten ihm zu und hatten Achtung vor dem Buch. Wenn wir das heute tun, dann sieht die Reaktion anders aus. Was unterscheidet dieses Buch von allen anderen religiösen BĂŒchern? Es ist nur Menschenwerk und unterscheidet sich nur wenig von den anderen mystischen Religionen im vorderen Orient. Die Bibel? Das Buch hat doch soviel Leid und Hass verursacht.

Als Paulus auf dem Areopag predigte (Apg 17,16 ff.) traf er auf Menschen, die das Christentum noch nicht kannten und fĂŒr Neues offen waren. Daher hörten sie ihm gerne zu. Die meisten Menschen der Postmoderne habe dagegen schon eine vage Vorstellung davon, was das Christentum ist, und sie wollen damit nichts zu tun haben.

Erst mĂŒssen wir daher wieder das Vertrauen unserer Zuhörer gewinnen, bevor wir etwas vom Evangelium weitergeben können.

Bei der Predigtvorbereitung auch an die neue Generation zu denken bedeutet:

Begriffe mĂŒssen definiert werden. (z.B. Was ist ein JĂŒnger Jesu? Was bedeutet ‚gerettet’?)

Immer wieder muss die grosse Geschichte Gottes mit den Menschen erzÀhlt werden.

In der neuen Generation hat die Sehnsucht nach guter Theologie und nach dem Mysterium zugenommen. Die neue Generation braucht Tiefgang und keine vorschnellen Antworten. Beleidigen sie nicht die Intelligenz der Besucher.

„Ich weiss nicht,“ widerspricht dem Wesen der Moderne, aber solange wir nicht zugeben, dass es geistliche Geheimnisse gibt, wird unsere Stimme bald wieder untergehen.

Die Predigt sollte nicht anthropozentrisch, sondern theozentrisch sein – denn danach sucht die neue Generation.

Die Predigt muss sich nicht auf 20 Minuten beschrÀnken.

Greifen sie auf AT- und NT-Texte zurĂŒck und predigen sie ĂŒber die jĂŒdischen Wurzeln von Jesus.

Immer sollte es auch darum gehen, wie man JĂŒnger Jesu wird und bei jedem Thema sollte ein Beispiel fĂŒr eine konkrete Anwendung geboten werden. Wir sollten auch regelmĂ€ssig ĂŒber das Geheimnis der Dreifaltigkeit predigen und auch darĂŒber, was es bedeutet, dass Jesus der einzige Weg zu Gott ist. Predigen sie darĂŒber, dass man der Bibel vertrauen kann. Und reden sie darĂŒber, dass unsere SpiritualitĂ€t zwangslĂ€ufig dann und wann in Unordnung gerĂ€t – damit die Menschen am Ende nicht ĂŒberfordert sind und sich schuldig fĂŒhlen. Immer mĂŒssen wir deutlich machen, dass Gott von Gnade und Liebe ĂŒberfliesst, egal wie chaotisch und ungeistlich wir manchmal sind.

17. Ohne Worte predigen

 

„Predige das Evangelium allezeit. Wenn nötig, gebrauche Worte.“ Franz von Assisi


Der Wandel vom Wissen zur Erfahrung: Erfahrung ist die neue WĂ€hrung unserer Gesellschaft. In der Vergangenheit haben wir uns Wissen angeeignet und dieses Wissen spĂ€ter durch die Erfahrung bestĂ€tigt. Heute machen die Menschen erst die Erfahrung, die dann spĂ€ter durch das Wissen bestĂ€tigt wird. Dieser Wandel hat Einfluss auf unsere Art zu denken, zu handeln und zu kommunizieren. Wir mĂŒssen daher einen Weg vom einseitigen Reden zum Dialog finden. Unsere Predigt muss also immer auch die Möglichkeit zur Erfahrung einschliessen. Das kann mit Bildern, eingebauter Stille, RĂŒckfragen etc. geschehen. Lassen sie den Bibeltext gemeinsam lesen. Generell sollte jeder bei der Predigt auch eine Bibel zur Hand haben, damit er nachprĂŒfen kann, was gesagt wird. Schaffen sie ein Klima, in dem man nachdenken und hinterfragen kann. Dabei mĂŒssen wir um jeden Preis den Eindruck vermeiden, dass wir alle Antworten kennen. Wir mĂŒssen die Leute auffordern, selber zu denken, mitzudiskutieren und auch zu hinterfragen. Lernen sie am Beispiel der Midrasch, um die Bibel zu ringen (Midrasch = Hebr. FĂŒr Auslegung oder Studium). Midrasch ist die jĂŒdische Tradition, sich mit den zahlreichen Möglichkeiten der Bibelauslegung auseinander zu setzen. Es ist ein ehrliches EingestĂ€ndnis, dass wir nicht alles wissen.

Sagen sie nicht: „Ihr sollt das oder dies tun,“ sondern „Wir sollten das tun.“

Und immer soll das Gebet unsere Vorbereitung begleiten.

18. Evangelisation – mehr als ein Hingabegebet

„Out: Evangelisation in Form einer Verkaufsveranstaltung, Eroberungen, KreuzzĂŒgen, Ultimaten, Drohungen, Beweisen, Argumenten, Entertainment, Show, Monologen oder etwas das man tun muss.

In: Menschen durch GesprĂ€che, Freundschaft, positive Einflussnahme, Begleitung, Einladung, Herausforderung, Gelegenheit, Dialog und etwas, das einem zu tun angeboten wird, zu Jesus zu fĂŒhren.“ Brian McLaren

„Die moderne Kirche hat das „Wir bauen – sie kommen“-Denken von ihren VorgĂ€ngern ĂŒbernommen. Die Menschen mĂŒssen zu uns kommen und werden wie wir, bevor sie kriegen, was wir ihnen zu geben haben. Sally Morgenthaler

Ein Prediger arbeitete in Starbucks. Ein Freund fragt: Was hast du dort ĂŒber Evangelisation gelernt? „Ich landete in einer Gruppe von Menschen, die wenig Vertrauen in organisierte Religionen hatten und die es herzlich wenig interessierte, was ich zu sagen hatte. Ich merkte, dass sie nicht das geringste Interesse daran hatten, in eine Gemeinde zu gehen. Egal, wie zeitgemĂ€ss der Gottesdienst oder wie brillant die Predigt war, sie hatten einfach kein BedĂŒrfnis, ihn zu besuchen. Sie vertrauten den Christen nicht und haben in der Regel bislang nur negative Erfahrungen mit ihnen gemacht. Die Ironie ist, dass sie alle zutiefst spirituelle Menschen sind. Sie glauben an Gott und sind davon ĂŒberzeugt, dass es wichtig ist, ein moralisches Wertesystem zu haben. Sie gehen einfach nicht in eine Kirche.“

Man kann Menschen heute nicht mehr einfach zu einem Gottesdienst einladen – auch wenn er noch so interessant ist -, wie es noch bei der Generation der Babyboomer (geb. vor 65) der Fall war.

Wenn wir das Evangelium klar verkĂŒnden, dĂŒrfen wir dabei nicht vergessen auch seine Schönheit darzustellen. Wir dĂŒrfen nicht nur sagen, was der Glaube fĂŒr unsere Zukunft bedeutet, wenn wir in den Himmel kommen. Wir mĂŒssen auch sagen, was er fĂŒr die Gegenwart bedeutet. Denn der Himmel ist nicht notwendigerweise ein Ziel der neuen Generation. Und die Vorstellung von SĂŒnde ist nicht die gleiche, die wir haben. Die neue Generation wird von der Vorstellung angezogen, dass man im Einklang mit Jesus leben kann. Und schon jetzt ein BĂŒrger seines Reiches werden kann. Evangelisation ist daher keine Rekrutierungsveranstaltung, sondern das Angebot und die Einladung zu einer Freundschaft. Wer ausserhalb der Kirche steht und eingeladen wird, dem können wir Hilfe beim Eintritt in das Reich Gottes anbieten, und wir können ihn als Mitpilger begleiten.

„FĂŒr eine Generation, die Antworten auf alle BedĂŒrfnisse gefunden hat, ist der Himmel nicht mehr so interessant wie fĂŒr die Armen und Leidenden. Was die meisten Menschen heute suchen, ist Sinn: ‚Was ist der Sinn meines Lebens? Wozu um alles in der Welt bin ich hier? Das sind die Grundfragen des Lebens, und die Antwort ist im Reich Gottes zu finden, nicht in den SelbsthilfebĂŒchern.“ Rick Warren

 

Wie sieht Evangelisation heute aus?

  1. E. ist eine Einladung in das Reich Gottes und ist nicht nur ein Ticket in den Himmel.
  2. E. ist keine Einladung zu einer Veranstaltung, sondern in eine Gemeinschaft. In „The Celtic Way of Evangelism“ unterscheidet George Hunter den römischen weg vom keltischen. Die keltische Kultur bevorzugte das Lernen mit allen Sinnen. Der römische Weg geht ĂŒber ErlĂ€uterungen des Evangeliums, dann vertrauen die Menschen ihr Leben Jesus an, und wir nehmen sie in die Gemeinde auf: Darstellung, Entscheidung, Eingliederung. Beim keltischen Weg baut man zuerst eine Beziehung auf und lĂ€dt sie in eine Gemeinschaft ein. Innerhalb der Gemeinschaft bindet man sie in GesprĂ€che, Dienste, Gebete und Gottesdienste ein. Nach einiger Zeit, wenn sie den christlichen Glauben begriffen haben, lĂ€dt man sie ein, ihr Leben Jesus zu geben.
    Daher mĂŒssen wir Gemeinschaft stĂ€rker als Events betonen und unsere Arbeit nach draussen, ausserhalb der Kirchenmauern verlegen.
  3. E. Hat mehr mit Dialog und Zuhören zu tun, als mit Monolog und Predigt. Das ist der sokratische Ansatz – Fragen statt Lehre; langfristig statt kurzfristig gedacht; Konversation statt Konfrontation. Postchristliche Menschen sind ĂŒberrascht, wenn sie merken, dass es uns wirklich interessiert, was sie denken, und dass wir ihnen nicht nur unsere Meinung ĂŒberstĂŒlpen möchten.
  4. E. ist Bestandteil der JĂŒngerschaft und des Lebens einer Gemeinde. Es ist nichts, das man so nebenher tut.
  5. E. soll Menschen zu Gott fĂŒhren und nicht nur Unterhaltung sein. Wir mĂŒssen unseren Glauben nicht mehr verstecken, ihn verwĂ€ssern oder die Menschen mit Entertainment ködern. E. bedeutet, dass wir liebevoll zu dem stehen, was wir glauben. Daher sollten wir nie mit Fingern auf andere zeigen, sondern Beziehungen aufbauen und die gute Nachricht vom Reiche Gottes weitergeben. Die postmoderne Gesellschaft ist auf der Suche nach Sinn. Daher sollten wir Jesus nicht mehr hinter lauter Musik verstecken. Jesus muss durch uns sichtbar werden. Dabei mĂŒssen wir die Intelligenz der Nichtglaubenden respektieren.
  6. E. braucht mehr Zeit, um Vertrauen aufzubauen. Zuerst mĂŒssen wir Vertrauen aufbauen, bevor uns die neue Generation zuhört. Lebensentscheidung und Heiligung kann viel lĂ€nger dauern als frĂŒher. FrĂŒher kamen Menschen mit einem christlichen Weltbild zu uns, das ist heute nicht mehr so.

19. Geistliches Wachstum – wie man zu einem Urchristen wird

 

„Ohne echte geistliches Wachstum geht eine Gemeinde kaputt.“ Dallas Willard

Im Griechischen steht fĂŒr das Wort ‚JĂŒnger’ mathetes: ein Wort, das 269-mal im NT vorkommt und so viel wie ‚SchĂŒler’, ‚Lehrling’, ‚AnhĂ€nger’ bedeutet. Ein JĂŒnger Jesus ist also, wer lernt, ihm Ă€hnlich zu werden.

Das Ziel ist immer Mt 22,38-40: WÀchst die Liebe zu Gott und wÀchst die Liebe zu den Menschen?

  • Die Kluft zwischen den Generationen ĂŒberwinden. Entgegen einer weit verbreiteten Meinung sehnen sich die Vertreter der postmodernen Generation zutiefst nach Ă€lteren Mentoren, die sie auf ihrem geistlichen Weg begleiten. Geistliche Begleitung und Vermittlung von Wissen von einer Generation zur nĂ€chsten muss eines der Ziele werden.
  • Es gib keinen Standardweg zu geistlichem Wachstum. Man sollte daher nicht versuchen allen denselben Stil ĂŒberzustĂŒlpen.
  • Geistliche Selbstversorger anstelle von Konsumenten. Wir mĂŒssen den Menschen klar machen, dass es nicht reicht am Sonntag im Gottesdienst fĂŒr die ganze Woche aufzutanken. Hebr 5,14: durch beharrliches Üben wird das Unterscheidungsvermögen geschĂ€rft.
  • ZurĂŒck zu den geistlichen Übungen der Urchristenheit.
  • Soziale Verantwortung ist Teil des geistlichen Wachstums.

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