Faktor Gott: Der Glaube verwandelt alle Lebensbereiche

"Faktor Gott": Der Glaube verwandelt alle Lebensbereiche

von Fritz Imhof | 10.11.2012

Das Reich Gottes liegt nicht (nur) in der Zukunft. Der Glaube verĂ€ndert die Welt schon hier und heute. Diese Überzeugung stand hinter dem VBG-Studientag Tagung "Faktor Gott".

Reich Gottes ist da prĂ€sent, wo "Christen Gerechtigkeit, Frieden und Freude im Heiligen Geist leben", betonte der VBG-Studienleiter Felix Ruther am 10. November vor rund 100 Tagungsteilnehmenden in ZĂŒrich. Solches Leben strahle in die Gesellschaft aus und bilde den "rechten Gottesdienst". Schon gegenĂŒber dem Propheten Amos habe der Bundesgott Israels das "GeplĂ€rre der Lieder" kritisiert und ein glaubwĂŒrdiges Leben und soziale Gerechtigkeit gefordert.

Christen stehen vor der Aufgab, die rechte Beziehung zu Gott, zu sich selbst, zu den Mitmenschen und zur Schöpfung zu finden gemÀss MatthÀus 6,33: "Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes ...". Ein solches Leben stehe nicht im Zeichen der Abgrenzung gegen jene, die falsch handeln, sondern der Barmherzigkeit, der Zuwendung und der Wiederherstellung verletzter Beziehungen, betonte der promovierte Chemiker. Ruthers Appell kulminierte im Bekenntnis: "Gott wird den Himmel nicht mit Leuten bevölkern, die gerettet werden wollen, sondern mit solchen, die Seine Vision teilen: Alles soll Reich Gottes-gerecht werden."

Lernfelder der Christen

Hanspeter Schmutz, Leiter des Instituts INSIST, das aus dem frĂŒheren VBG-Institut hervorgegangen ist, beschrieb die vier Beziehungsebenen des Christen als "Lernfelder": Ich und Gott, Ich und meine Mitmenschen, Ich und die Gesellschaft, Ich und meine christliche Gemeinde. Diese Beziehungsebenen werden gemĂ€ss dem Konzept eines "integrierten Christseins" in drei Dimensionen gestaltet. Es gelte, jedes Problem jeden Lebensbereich nach sachlichen, menschlichen und geistlichen Kompetenzen zu lösen bzw. auszugestalten. Hier komme es im Alltag oft zu Einseitigkeiten. Viele Christen neigten dazu, alle Probleme nur nach geistlichen Kriterien lösen zu wollen, andere setzten auf rein wissenschaftliche Antworten und stellten menschliche oder geistliche Kriterien zurĂŒck.

Die Gesellschaft prÀgen

"Wie mein Glaube die Gesellschaft prĂ€gt" – zu diesem Thema fand im Anschluss an die Referate ein PodiumsgesprĂ€ch statt. An dem vom VBG-Mitarbeiter Jonas BĂ€rtschi geleiteten GesprĂ€ch nahmen BerufstĂ€tige und Studierende aus den Bereichen PĂ€dagogik, Medizin, Management, Ökologie und Kultur teil. Der Moderator wollte wissen, wie sie in ihrem Bereich als Christen Einfluss nehmen wollen und können.

Auch fĂŒr besondere Menschen da sein

FĂŒr die Ärztin Rebekka Russenberger gehört es zum SelbstverstĂ€ndnis als Christin, nicht nur die ĂŒblichen Ă€rztlichen Verrichtungen zu tun, sondern auch Menschen zu begleiten, die in einer Notlage sind. Sie legt Wert auf eine gute Fehlerkultur in der Praxis. Und sie investiert sich auch in SozialhilfebezĂŒger und Asylsuchende und ihre besondere Lebenssituation.

Der Ingenieur und Unternehmer Werner HĂ€ssig ist Pionier im Bereich Energie und Wohnen. Sen Herz schlĂ€gt fĂŒr die Bewahrung der Schöpfung, ein Anliegen, das er auch seiner christlichen Gemeinde noch nĂ€her bringen möchte. Er bemĂŒhe sich, Christen darzulegen, dass sie grĂŒner werden mĂŒssten und den GrĂŒnen, dass sie christlicher werden mĂŒssten, bekannte HĂ€ssig. Er sei sich bewusst, dass sich nicht alle Menschen ein ökologisch und energetisch optimiertes Haus leisten könnten. "Es gibt Menschen, die einfach auch einen warmen Pullover anziehen mĂŒssen", bemerkte der Umweltingenieur.

Kann ich negative Reaktionen hören?

"Es gehört zur WĂŒrde der Christen, auf andere angewiesen zu sein", sagte Evelyne MĂŒller, Leiterin des Bereichs Finanzen in einer Schweizer Unternehmung. Als Christin legt sie Wert darauf, auf andere zu hören und bereits zu sein, auch negative Feedbacks aufzunehmen. Es gelte, als Christin zur Wahrheit zu stehen, auch wenn die finanzielle Lage einmal schwierig sei.

Der PÀdagoge und Gymnasiallehrer Daniel Kummer möchte seinen Beitrag als Christ einbringen, welche "der Stadt Bestes" sucht. Oft gelte es, den richtigen Moment abzuwarten, wo man als Christ einen fachlichen oder persönlichen Beitrag einbringen kann. Christen sollten an der Beziehungskultur arbeiten und sich weniger als solche profilieren, welche die richtige Alternative kennen.

Corinna Hirle, die Theaterwissenschaften und Italienisch studiert, sieht die Chance, christliche Werte in den Bereich Kultur einzubringen. In fachlichen Fragen erweitere ihr christlicher Glaube das Blickfeld. So kam sie bei einer Arbeit ĂŒber historische Prozessionsspiele darauf, nach der Wirkung des Heiligen Geistes bei diesen AuffĂŒhrungen zu fragen. "Wir dĂŒrfen uns nicht darauf beschrĂ€nken, im Kleinen zu beginnen", mahnte die Studentin.

Impulse in GesprÀchsgruppen

Am Nachmittag wurden die Impulse in GesprĂ€chsgruppen vertieft. "Der Faktor Gott im Studium" war Thema einer GesprĂ€chsgruppe von Christoph Egeler, dem Bereichsleiter Studium der VBG. Zum Faktor Gott in der wissenschaftlichen Arbeit vermittelte Daniel Kummer Impulse zum GesprĂ€ch. Ruth Maria Michel, Rafaella DĂŒtschler und Urs Engeli thematisierten den "Faktor Gott" im beruflichen Alltagskampf. Über die Rolle des Glaubens in Leitungsfunktionen sprachen VBG-Leiter Benedikt Walker und Lukas Haldemann, GeschĂ€ftsfĂŒhrer der InnoTix AG. Über Beruf und Berufung informierte der Theologe und ehemalige VBG-Mitarbeiter Philipp Aebi. Das Reden ĂŒber Jesus Christus am Arbeitsplatz war Thema von VBG-Studienleiter und INSIST-PrĂ€sident Felix Ruther. Und ĂŒber zum Entwickeln und PrĂ€gen des eigenen Dorfes oder Quartiers gab INSIST-Leiter Hanspeter Schmutz neue Einblicke.