Ich möchte hören, was du sagst: Beten als Gespräch mit Gott

von Siegfried Grossmann |

Viele Menschen empfinden ihr Beten nur als Monolog, als Selbstgespräch, das nicht weiter als bis zur Zimmerdecke reicht. Woran mag das liegen? Siegfried Grossmann geht auf diese Frage ein und beschreibt anhand der Bibel und aus langjähriger Gebetspraxis heraus, wie aus dem einsamen Monolog ein beglückender Dialog werden kann. Grossmann, Siegfried. Ich möchte hören, was du sagst. Beten als Gespräch mit Gott. Giessen: Brunnen-Verlag 2002. ISBN: 3-7655-5496-0, ISBN 13: 978-3-7655-5496-4. 80 Seiten.

Eine Buchzusammenfassung von Felix Ruther

Zur Einführung

"Der Herr zieht ins Vertrauen, die ihn fürchten." (Psalm 25)

So möchte ich beten können: Im vollen Vertrauen auf Gottes Gegenwart schütte ich ihm mein Herz aus, und er antwortet mir und lässt mich an seinen Gedanken teilhaben. Die Realität ist aber anders: Ich sage Gott immer wieder neu, was er tun soll. Dabei weiss er das viel besser. Und was er denkt erfahre ich nicht. Viele denken: Gebet ist ausschliesslich das, was der Mensch Gott sagt.

1. Biblische Grundlagen

1.1. Altes Testament

Im Alten Testament (AT) fällt auf, wie oft Gott sich an die Menschen wendet.

Definition: Gebet ist jeder Kontakt in Worten oder Gedanken, der sich zwischen Gott und Mensch ereignet, unabhängig davon, wer von beiden die Initiative ergreift.


Klassisches Beispiel: Gott ruft Samuel (1. Samuel 3,1-18).

Noch deutlicher wird der Gesprächscharakter in Abrahams Bitte für Sodom (1. Mose 18,16-33).

Menschen im AT: Wenn sie Gott ansprechen erwarten sie, dass er antwortet.

Im AT scheint eine Balance zwischen dem redenden Gott und dem redenden Menschen zu bestehen.

Ob Gott „innerlich“ oder „äusserlich“ sprach ist nicht wichtig. Wicht ist nur, dass sie wussten, dass Gott geredet hatte.

1.2. Neues Testament

Im profanen Griechisch steht euchomai für das Anrufen der Gottheit. Im Neues Testament (NT) wird meist proseuchomai gebraucht. Pros kann verschiedne Bewegungsrichtungen ausdrücken, das "zu", das "von" und das "zwischen" und zeigt uns dadurch, wie vielfältig unsere Gebetserfahrungen sein können.

Meist beginnt das Gebet dadurch, dass ich Gott anrufe und ihm meine Anliegen sage. Aber weil ich weiss, dass auch Gott zu mir reden will, versuche ich hörbereit zu sein.

Euchomai wird dadurch zu einem Gespräch, zu einer Beziehung. Wir beten nicht zu einem fernen Gott, sondern zum Vater Jesu Christi.

Wer ein Anliegen hat, wendet sich an ihn; wer in Not ist, bittet ihn um Hilfe; wer Gutes empfangen hat, dankt ihm; wer von seiner Grösse erfüllt ist, betet ihn an. Aber auch Gott hat Anliegen an uns: Im bewussten Hören nehmen wir wahr, was er sagen will.


Nicht plappern wie die Heiden (Matthäus 6,7-8)

Der Grund in den vielen Worten der Heiden lag in der Angst vor dem Zorn jener Götter, die man übersehen hatte. Es sind vermutlich nicht die vielen Worte, vor denen Jesus warnt, sondern das Gottesbild, das zu den vielen Worten führt.

Wer betet, weil er Angst hat, den Anforderungen Gottes nicht genügen zu können, steht in der Gefahr, die vertrauensvolle Beziehung zum Vater zu verlieren und damit gesprächs- und gebets¬unfähig zu werden.

Jesus meinte sicher auch eine zweite heidnische Praxis, den Versuch "Gott müde zu beten". Wer hofft um seiner vielen Worte willen erhört zu werden, versteift sich auf seine eigenen Vorstellungen und wird unfähig, auf Gott zu hören. Er wird solange versuchen, Gott müde zu beten, bis er selber müde ist.

Die Heiden, die keinen Vater im Himmel haben, dafür aber viele rachsüchtige Götter, können nur versuchen, ihre Götter durch Ausdauer und Leistung zufrieden zu stellen.


Nicht beten wie die Heuchler (Matthäus 6,5-6)

Jedes echte Gebet wendet sich an Gott, der uns als Vater, Sohn und Heiliger Geist entgegentritt, denn es ist Ausdruck unserer Beziehung zu ihm.

Wer vorgibt, zu Gott zu beten, sich aber in Wirklichkeit an Menschen wendet, ist ein Heuchler.

Abgeschiedenheit, Stille und das Gefühl nicht gestört zu werden, sind wichtige Voraussetzungen fürs Gebet. Jesus war oft alleine im Gebet. Diese Zeit hätte er nicht gebraucht, wenn er seinem Vater nur hätte sagen wollen, was er selber auf dem Herzen hat.


Bittet, so wird euch gegeben (Matthäus 7,7-11)

Von Vers 11 her erschliesst sich der Text: Gott gibt nur Gutes – nur das, was für den Betenden wirklich gut ist. Deshalb erhört Gott meine Gebete nur, wenn sie mit seinem Willen überein stimmen. Angesichts der verbreiteten Gesprächsunfähigkeit im Verhältnis zu Gott haben wir als Christen keine grosse Treffsicherheit in der Erkenntnis des Willens Gottes entwickelt.

Wozu denn aber noch bitten, wenn Gott es viel besser weiss, was wir brauchen. Vom Gesprächscharakter des Gebetes her gesehen, hat das einen tiefen Sinn. Durch meine Bitte öffne ich mich für Gott, dadurch entsteht die Fähigkeit, auf das zu hören, was Gott mir in dieser Sachen sagen will. Mit meiner Bitte eröffne ich das Gespräch, in dem nicht mein Anliegen an ihn, sondern sein Anliegen an mich die Hauptrolle spielt.

Von daher kann man den Text auch so lesen: "Bittet, so wir euch (etwas) gegeben."

Gott erhört alle Bitten, und er antwortet auch auf sie. Aber er erhört uns häufig nicht so, wie wir uns das vorstellen. Oft nimmt er uns an der Hand, um uns einen Weg zu zeigen, der besser ist als das, was wir uns bei der Bitte gedacht haben. Bei der direkten Erhörung habe ich zwar etwas bekommen, aber nicht viel für meinen Lebensweg gelernt. Wenn Gott meine Bitte nicht erhört, kann ich ihn fragen, wie er die Situation sieht.

Was mache ich aber, wenn ich keine Klarheit über das gewinne, was Gott will? Dann kann ich nichts anderes tun, als das Schweigen Gottes zu akzeptieren. Und wenn ich das im Vertrauen darauf hinnehme, dass Gott das Gute will und tut, wird meine Motivation zu beten nicht eingeschränkt werden.


Betet nun so ... (Matthäus 6,9-13)

Nähe und Respekt sind in unserem Verhältnis zu Gott wie die Brennpunkte einer Ellipse, deren Fläche unsere Beziehung zum Vater im Himmel umschliesst.

Die ersten drei Bitten beschäftigen sich mit den Anliegen Gottes. Wenn es uns wichtig ist, dass sein Wille geschieht, werden wir versuchen, seinen Willen zu erkennen und zu unserem Willen zu machen. Im Mittelpunkt unseres Gebets soll daher das stehe, was Gott von uns will.

Zur Zeit Jesus beteten die frommen Juden, Gott möge sie in Versuchung führen, damit sie Gott ihren vollen Gehorsam beweisen konnten. Mit der letzten Bitte wendet sich Jesus gegen diese Tradition.

 

Beten ohne Unterlass (1. Thessalonicher 5,16-18)

Ich kann mich nicht ständig freuen und rund um die Uhr beten, aber ich kann in der beständigen Bereitschaft leben auf Gott zu hören und ein Gespräch mit ihm anzufangen.


Sie verharrten einmütig im Gebet (Apostelgeschichte 1,14)

Verharren: treu und beständig sein im gemeinsamen Gebet.

Einmütig: nicht wenn alle einheitlich denken, sondern wenn eine „Einheit im Ziel“ vorhanden ist.

Der erweiterte Jüngerkreis traf sich vermutlich einmal oder mehrmals am Tag zu Gebetszeiten, in denen sie Gott mit Psalmengebeten und Liedern lobten, ihre Anliegen im freien Gebet vor ihn brachten und versuchten, in der Stille auf die Impulse des Heiligen Geistes zu hören.

2. Das persönliche Gebet

Da wir alle verschieden sind, werden hier vor allem Anregungen und nur begrenz allgemein gültige Aussagen weitergegeben.

2.1. Ich wende mich an Gott

Es ist gut, wenn ich Gott mein herz ausschütten, aber es ist zu wenig, wenn wir in ihm nur den sehen, der uns zuhört. Denn dann werden wir das, was er uns sagen will, überhören.

Wie sich unsere gewohnten Gebetsformen dem kommunikativen Anliegen öffnen können, sollen die folgenden Beispiele zeigen.


Bitte

Wenn ich eine konkrete Bitte ausspreche, bete ich nicht gleich weiter, sondern warte, ob Gott mir einen direkten Impuls gibt. Z.B. die Prioritäten für den Tag.

Wer sich auf das Gespräch mit Gott einlässt, sollte tastend und prüfend vorgehen, damit er nicht ständig die eigenen Impulse mit denen Gottes verwechselt.


Gott das Herz ausschütten

Wenn ich verzweifelt bin, kümmere ich mich um keine Gebetsregeln und schütte einfach mein Herz vor Gott aus. Aber auch hier ist es wichtig, dass das Gebet den Gesprächscharakter nicht verliert. Denn es könnte ja sein, dass Gott etwas Wichtiges in meine Situation hinein sagen will. Fürbitte

Gottes Hilfe ist oft praktisch und bezieht gerade jene Menschen mit ein, denen der in Not geratene Mensch am Herzen liegt. So sollten wir immer fragen: „Herr hast du eine Botschaft für mich?“ (Vielleicht soll ich einen Brief schreiben, Telefonieren oder weiterbeten ...)


Dank

Beim Dank für Gutes können wir Gott fragen, ob er noch einen Kommentar zu seinem Handeln habe. So kann ich auch lernen mit dem erhaltenen Gut so umzugehen, dass es auch weiterhin zum Segen wird.


Lobpreis

Während der Dank eine Reaktion auf bestimmte Ereignisse ist, beschäftigt sich der Lobpreis mit der Grösse Gottes. Wenn wir Gott loben, dann sagen wir das auch immer zu uns selber. Damit prägen wir unser Gottesbild. Ich kann Gott loben, wenn ich eine schöne Landschaft sehe, Musik höre, oder sehe, wie etwas Gutes geschieht. So mache ich mir bewusst, dass alles Gute in der Welt eine Wirkung von Gottes Gegenwart ist.


Anbetung

Keine Gebetsform ist so kommunikativ wie die Anbetung. Hier geht es nur darum, dass ich mich seiner Gegenwart aussetze. In der Anbetung erwarte ich keine geistlichen Impulse, denn ich möchte Gott einfach anschauen, damit ich ihn besser lieben und verstehen kann. Vertrauen, Geborgenheit und die Wahrnehmung der Grösse Gottes sind Auswirkungen dieses Zusammenseins mit Gott.

2.2. Gott wendet sich an mich

 Oft beginnt Gott das Gespräch. Am häufigsten beim Bibellesen. Wenn mich ein Vers anspricht, kann ich Gott fragen, ob er mir damit etwas Bestimmtes sagen möchte. Mit solchen Gedanken müssen wir aber immer fragend und prüfend umgehen, denn es besteht immer die Gefahr, dass ich meine Lieblingsgedanken mit dem Reden Gottes verwechsle. So taste ich mich vor, bis ich ein Ja erhalte. Wenn das nicht geschieht, lege ich den Impuls wieder weg und konzentriere mich auf die inhaltliche Aussage des Textes.

Gott kann mich auch durch ein Gespräch, ein Buch, eine Predigt etc. ansprechen.

 

Wie redet Gott?

Das Menschliche und das Göttliche voneinander zu unterscheiden ist ein schwieriger Prozess, der häufig zu keinem eindeutigen Ergebnis führt. Trotzdem müssen wir diesen Versuch immer wieder neu machen, wenn wir auf das Hören der Stimme Gottes nicht verzichten wollen. Und weil eine völlige Eindeutigkeit selten zu erreiche  ist, sind wir darauf angewiesen, uns in diesem Prozess vorsichtig an eine Entscheidung heranzutasten, ohne uns vorschnell festzulegen.

  1. Gott äussert sich im normalen Leben im Allgemeinen ganz normal.
  2. Sein Reden ist in unseren Erfahrungshorizont eingebettet und kommt nicht steil von oben. Gott möchte, dass wir mit unserem eigenen Verstand und unseren eigenen Sinnen erfassen, was er sagen will. Wir sollten Gott vertrauen, brauchen das aber nicht „blind“ zu tun.
  3. Wenn ich einen Impuls erhalte, frage ich mich zuerst, ob es auch eine andere Begründung dafür geben könnte. Vielleicht beschäftigt mich das Thema schon lange, oder entspricht genau einem meiner Wünsche. Es kann  auch mit einer ge machten Erfahrung zu tun haben oder damit, dass das Thema in meiner Gemeinde ein hohes Prestige besitzt. Wenn ich etwas entsprechende vermute lege ich den Impuls zurück und bitte Gott, einen neuen Anlauf zu machen, wenn es sich trotzdem um sein Reden handeln soll.
  4. Bleibt die Wahrscheinlichkeit hoch, dass der Impuls von Gott kommt, dann prüfe ich ihn anhand meiner Lebenserfahrung und den Grundaussagen der Bibel.
  5. Hat der Impuls die verschiedenen Schritte der Prüfung überstanden, dann rechne ich damit, dass Gott darin zu mir reden will. Dennoch nehme ich diese Impulse nicht als absolute Offenbarung Gottes, denn das würde meine Möglichkeiten der Prüfung überfordern. Aber sie sind eine Ausgangsbasis, einen Weg zu beginnen.
  6. Es ist wichtig, einen sinnvollen Mittelweg zwischen Spontaneität und Reflexion zu gewinnen. Ich kann das Reden Gottes auch durch zuviel Nachdenken abwürgen. Andererseits kann ich aber auch alles, was mir beim Bibellesen oder so einfällt als direktes Reden Gottes ansehen und damit auf Irrwege gelangen.


Gott redet durch sein Wort

Die Bibel als Gottes Wort gibt die gültige Wahrheit wieder, die wir aber nur dann entdecken, wenn wir bewusst daran arbeiten.

  1. Stiller Ort.
  2. Lesen, nicht zuviel
  3. Nachdenken, Impulse wahrnehmen
  4. Impulse aufschreiben
  5. Impulse sortieren
  6. Gebet, das nun meist konkreter ist
  7. Wichtiges behalten
  8. Austausch mit Partner


Gott redet im Schweigen

Schweigen ist mehr als Stille. Im Schweigen sind unsere stetigen Gedanken und Gefühle beruhigt und die tieferen Schichten unserer Person öffnen sich für die Gegenwart Gottes. Wer von der Stille ins Schweigen kommen möchte muss seine Gedanken loslassen. Hier geht es nur noch um die liebende Begegnung.


Gott redet im Alltag

Der Alltag ist dem Reden Gottes nicht weniger zugänglich als der Gottesdienst. Allerdings ist das Erscheinungsbild des Wirken Gottes im Alltag anders: schlichter, leiser und kaum von den normalen Eindrücken und Erfahrungen zu unterscheiden.

Um Gottes Reden im Alltag öfter zu vernehmen, lohnt es sich, die sich anbietenden Momente der Stille zu suchen und zu nutzen, z.B die natürlichen Pausen.

Ich kann das, was geschieht immer mit der Nähe Gottes verknüpfen, die ich mir allerdings in diesem Moment bewusst machen muss. Ich sehen einen Menschen und erhalte den Impuls ihn zu segnen, ich erlebe einen hilfsbereiten Menschen und danke Gott dafür ... Weil ich solche Momente mit Gott verknüpfen kann, werden sie mir zu einem wesentlichen Faktor von Gottes Gegenwart. Wenn ich wache Augen habe, kann ich Gott auch begegnen, wenn nichts konkretes geschieht. Ich freue mich an der Landschaft und danke Gott dem Schöpfer.


Das Jesus-Gespräch

Wie bei Don Camillo: Ich sage Gott ein Anliegen und stelle mir vor, was Jesus darauf antworten würde. Das schreibe ich mir auf. Und so kommt langsam ein Gespräch zustande. Natürlich weiss ich, dass die Antworten zunächst in meinem eigenen Bewusstsein entstanden sind und ich sie Jesus nur in den Mund gelegt habe. Dennoch habe ich schon oft erlebt, dass sich darin auch Gottes Reden versteckt hat.

3. Das gemeinsame Gebet

Durch das gemeinsame Gebet erhalte ich andere, die mein Anliegen unterstützen, die mein Hören ergänzen, und die mich notfalls korrigieren können.


Gebet in der Gemeinschaft oder Gemeinschaft im Gebet?

Die meisten Gebetsgemeinschaften bestehen darin, dass einzelne nacheinander ihre Gebete formulieren, wobei jeder so betet, als wäre er alleine vor Gott. Das ist dann lediglich ein Gebet in der Gemeinschaft aber noch keine Gemeinschaft im Gebet. Sie kommt dann zustande, wenn die Beter ihre Gebete als Teil eines Ganzen sehen, in dem die Beiträge aufeinander bezogen sind.

Schritte:

  1. Seminar zum kommunikativen Gebet
  2. Gute Sitzordnung, z.B. Kreis
  3. Länger Hören als reden. Nach jedem Gebet Hörpause.
  4. Im Gottesdienst werden die Aussagen der Predigt und die Anliegen der einzelnen und das Gebetsthema bestimmen.
  5. Es braucht Leitung, damit die kommunikative Offenheit nicht durch zu lange Gebet, zu raschem Themenwechsel oder zu wenig Raum zum Hören unterbrochen wird.


Beten aus dem Hören

Hier warten wir auf das Thema, zu dem uns Gott anstösst. Dazu muss die Gruppe relativ klein (20-25 Personen) sein und genügend Zeit haben. Die Gebetszeit beginnt mit einer ca. 5-minütigen Stille. Es wird mit keinem Lied, Input oder Bibelwort ein Thema vorgegeben. Dann werden die ersten Beiträge eingebracht: Ein Lied, ein Bibelvers, ein Gedanke oder Gebet. Alles soll möglichst nur einen Grundgedanken enthalten. Wenn sich der Schwerpunkt herausgebildet hat, kommen weitere Beiträge zu diesem Thema. Nach einiger Zeit wird deutlich, dass dieser Teil abgerundet ist. Als Überleitung zum zweiten Teil hält man wieder eine Stille, in der die Eindrücke nochmals verarbeitet werden können.

Der zweite Teil wird im Allgemeinen für persönliche Anliegen genutzt. Jemand bittet z.B. Gott um Hilfe in einer schweren Entscheidung. Aus der Gruppe werden Fragen zur Klärung gestellt. Aus der Stille heraus gibt es nun Beiträge zu diesem Anliegen. Anschliessend kann die betreffende Person auch gesegnet werden.

Wenn die persönlichen Anliegen eingebracht sind, folgt normalerweise eine kurze Zeit des Lobes und Dankes. In einer anschliessenden Austauschrunde kann noch einmal Rückschau gehalten und können fehlende Beiträge eingebracht werden.


Kommunikatives Gebet im Gottesdienst

Es ist hilfreich, wenn sich Gemeinden, die durch die Liturgie geprägt sind, „Inseln“ des freien Gebetes öffnen. So kann man bestimmte Teile der Liturgie auslassen und sie für das spontane Beten und das Hören öffnen. Umgekehrt ist es ebenso wichtig, dass Gemeinden, die nur das freie Gebet kennen, sich für Teile ihres Betens einer Liturgie anvertrauen. Das kann z.B. mit einem Psalm geschehen, den man teilweise liest um dann daraus zu beten.


Die Gebetskette

Hier werden kurze Gebete, die meist aus nur einem Satz bestehen, wie Perlen einer Kette aneinandergereiht. Nach jedem Gebetssatz gibt es eine kurze Stille, damit die Anwesenden den Inhalt des Gebetes aufnehmen können. Das Aufeinander-Hören ist die Kette, welche die Perlen zusammenhält. Zwischen den einzelnen Gebetssätzen sollte kein „Amen“ gesprochen werden, um den Fluss nicht zu unterbrechen.


Lobpreis

Lobpreisteile sind besonders geeignet zur Öffnung für das kommunikative Gebet. Allerdings darf man nicht pausenlos Lieder singen lassen, die nur von vorbereiteten Bibelworten unterbrochen werden. Denn dann bleibt die Gemeinde in der Konsumhaltung stecken und kann sich nicht mit den unterschiedlichen Begabungen und Anliegen einbringen. Es hat sich bewährt, am Anfang und am Schluss einige Lieder zu singen und dazwischen vielleicht eine Zeit von 10 Minuten auszusparen, in der Gebete, Bibelworte und Impulse aus dem Kreis der Gemeinde laut werden können. Auch hier ist wichtig, dass sich Gebete und Momente der Stille abwechseln, und manchmal wird die Leitung dafür sorgen müssen, dass die Gebetszeit nicht von langen Gebeten besetzt oder von einzelnen Personen zur Selbstdarstellung missbraucht wird.


Segnung

Es wäre auch wichtig, dass nicht nur in gewissen Segnungsgottesdiensten, sondern auch im normalen Gemeindegottesdienst Zeiten für das segnende Gebet offen gehalten werden. Nach der Predigt kann die Leitung zur Segnung einladen. Eine Musikgruppe spielt im Hintergrund und die Leitenden stehen vor die Gemeinde. Diejenigen, die ein Anliegen haben, kommen nach vorn und lassen sich segnen.