Spuren Gottes in meinem Alltag entdecken

Spuren Gottes in meinem Alltag entdecken

von Benedikt Walker | 26.03.2013

Persönliche Erlebnisse mit Gott sprechen andere Menschen an. Um von den Spuren Gottes in meinem Alltag erzählen zu können, muss ich sie allerdings erst einmal selbst wahrnehmen.

Im Rahmen der Initiative "Glaube am Montag" setzen wir uns in der VBG mit der Frage auseinander, wie sich der christliche Glaube auf den Berufsalltag auswirkt. Als wir im vergangenen Herbst einen Studientag zu diesem Thema organisierten, fand ich die Reaktionen ziemlich ernüchternd. Macht es einen Unterschied in meinem Leben als Unternehmer, als Mutter, als Lehrer oder als Juristin, dass ich an Jesus glaube? Auf diese Frage folgte fast immer eine ratlose Stille. Eine Stille, die auch als Ausdruck von Hilflosigkeit verstanden werden darf.

Viele Menschen tun sich schwer damit, das Wirken Gottes im normalen Lebensalltag zu erkennen. Noch schwerer fällt es uns, dieses Wirken in eigenen Worten auszudrücken. Hier fehlt uns etwas. Ebenfalls begegnen mir viele Christen, die ihre Rolle in der Gesellschaft auf ein Dasein als U-Boote beschränkt haben: Aus Angst, "entdeckt" und aufgefordert zu werden, über persönliche Erlebnisse mit Gott zu reden, gehen sie von Montag bis Freitag einfach auf Tauchstation. Am Wochenende tauchen sie kurz auf und holen Luft, bevor sie zum Wochenbeginn wieder in der Tiefe verschwinden.

Persönliche Geschichten

Gerade in einer Zeit, in der Wahrheit beliebig ist und Beziehungen alles sind, haben persönliche Geschichten über Spuren Gottes im normalen Leben eine besondere Relevanz. Persönliche Erlebnisse überzeugen viele Menschen mehr als die stichhaltigsten Argumente. Wenn wir Andersdenkenden nicht von Spuren Gottes in unserem Leben erzählen können, dann haben wir einen Erklärungsnotstand. Es ist bemerkenswert, wie in TV-Debaten die Glaubwürdigkeit einer Person nicht in erster Linie von der Qualität ihrer Argumente abhängig ist, sondern davon, ob sie als Person spürbar geworden ist. Das müssen wir uns auch in Bezug auf unseren Glauben bewusst sein. Wenn jemand wissen möchte, worum es beim christlichen Glauben geht, wird er nicht die ganze Bibel lesen, sondern zuerst einmal die Menschen beobachten, die sich Christen nennen.

Fünf Minuten inne halten

Es ist aber nicht nur wichtig, sondern auch bereichernd, über die Spuren Gottes im eigenen Leben nachzudenken. Die Aufforderung in Psalm 103 – "lobe den Herrn meine Seele und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat" – kann ich auf ganz unterschiedliche Art und Weise umsetzen. Mir hilft es, zum Tagesabschluss fünf Minuten inne zu halten und den Tag in Gedanken kurz durchzugehen. Wo habe ich Gott erlebt? Wo nicht?

Wenn die Reflektion in einer kleineren Gruppe stattfindet, kann man einander auch helfen, Spuren zu erkennen. Was fällt mir bei diesen Erinnerungen besonders auf? Wo kann ich in dem Gehörten Gottes Spuren erahnen, seine Nähe, seine Liebe, seine Schönheit, seine Führung, seine Wünsche, seine Zumutungen, seine Unbegreiflichkeit....? Eine Hilfe kann dabei der kurze Leitfaden sein, den die Schönstatt-Bewegung entwickelt hat.

Dabei muss ich mir immer auch bewusst sein, dass Gott kein Kaugummiautomat ist. Seine Offenbarung ist nicht an irgendwelche Vorbedingungen geknüpft, weder an "richtiges" Beten noch an sonstige Handlung von meiner Seite. Er offenbart sich wann und wo er will. Dies ist eine Eigenschaft von Gott. Meine Aufgabe ist, zu lernen, seine Spuren zu lesen und ihn besser kennen zu lernen. Dazu gehört auch, dass Gott mir Leid und Schmerz zutraut und sich gerade in diesen Zeiten ganz speziell offenbart.

Ich wünsche mir, dass wir uns dazu aufmachen, Spurensucher zu werden - und dass wir lernen, die entdeckten Spuren in unseren eigenen Worten auszudrücken.

 

Im Rahmen der Initiative "Glaube am Montag" erschien dieser Text ursprünglich im Magazin Boxenstopp des SCM Bundes-Verlags.