VBG alumni-Talk: Wie ethisch kann Geld angelegt werden?

VBG alumni-Talk: Wie ethisch kann Geld angelegt werden?

von Fritz Imhof | 12.04.2013

Ein für christliche Werke eher ungewöhnliches wie gleichzeitig hoch aktuelles Thema beschäftigte den Alumni Talk am 11. April in Zürich: "Ethische Vermögensanlagen – Ethik und Rendite", der von Anne-Lise Diserens geleitet wurde.

Als Referent war ein Insider geladen, der sich täglich der Spannung von Ethik und Rendite bei der Vermögensverwaltung stellt: Marc Baumann, Jurist, Wirtschafter,  Verwaltungsratspräsident und Mitbegründer der Invethos AG, Bern.

Gleich zu Beginn seines Referats fegt Baumann ein verbreitetes Vorurteil vom Tisch, das lautet: "Je mehr Rendite, desto weniger Ethik". Das stimme nicht in jedem Fall, so Baumann. Denn ein innovatives Produkt könne durchaus eine hohe Rendite abwerfen und dennoch ethisch sein. Problematisch sei die Rendite vor allem dann, wenn sie nur der einen Seite zugute kommt, während die andere Seite die Risiken trägt. Selbst Spenden könnten in Entwicklungsprojekten schädlich sein, wenn die Empfänger dadurch der Verantwortung für das Geld enthoben würden.

Die ethische Anlage

Baumann provozierte mit einer weiteren These: "Das Versprechen der ethisch einwandfreien Anlage ist unethisch." Investieren hat immer mit Menschen mit allen ihren Stärken und Schwächen zu tun und findet in dieser Welt und nicht im Himmel statt. Invethos habe eine Reihe von Kriterien entwickelt, welche bei der Gewichtung der ethischen Qualität einer Anlage eingesetzt würden.

Wenn es darum gehe, Geld in einem Unternehmen anzulegen, kennt Baumann Ausschlusskriterien: Das Unternehmen, in das investiert werden soll, produziert zum Beispiel keine Waffen oder andere problematische Güter. Daneben sind auch positive Kriterien wichtig, so zum Beispiel die Möglichkeiten ein Mitspracherecht zu haben und die Firmenpolitik mitgestalten zu können.

In Schwellen- oder Entwicklungsländern kommen weitere Kriterien hinzu. Das wirtschaftliche und politische Umfeld muss Bedingungen erfüllen: zum Beispiel die Nahrung gerecht verteilen und die Armut bekämpfen, Bildung der Bevölkerung ermöglichen, ökologisches Verhalten und Unternehmertum belohnen. Konkret hat sich invethos etwa an der Finanzierung der Wasserversorgung in Manila beteiligt Denn sie kommt auch den Bewohnern der Slums zugute. In der Schweiz wird zurzeit ein Wohnbau-Projekt in Holziken finanziert, das auf intergeneratives Wohnen ausgelegt ist. Es unterstützt soziale Kontakte und gemeinsame Aktivitäten der Bewohner.

Keine Anlage ohne Risiko

Auf die Risiken angesprochen, betonte Baumann: "Eine Anlage ohne Risiko gibt es nicht – das Leben ist mit Risiken verbunden." Auch ethisch hochwertige Anlagen seien bestimmten Risiken unterworfen. Diese könnten aber minimiert werden, wenn der Anleger das Geld diversifiziert anlege. Wichtig sei, dass das Geld aktiv verwaltet werde, damit es auch guten Zielen dienen könne. Wer es nur auf dem Sparkonto anlege, verzichte darauf, den Einsatz des Geldes zu beeinflussen. Das Gleichnis von den zehn Talenten fordere auch die Christen auf, Geld aktiv zu verwalten.

Dem Vortrag folgte eine engagierte Diskussion mit dem Publikum zu aktuellen Problemen der Finanz- und Bankenwelt sowie der Austausch unter den Teilnehmenden bei einem Apéro.

Der nächste Alumni-Anlass findet am 6. Juni in Zürich statt: Zwinglis Zürich – eine Spurensuche