VBG-Tag 2010: Fasziniert von Jesus

VBG-Tag 2010: Fasziniert von Jesus

von Fritz Imhof | 09.09.2010

Das Thema des VBG-Tages 2010 „Fasziniert von Jesus“ fand seinen Niederschlag in einer aufrĂŒttelnden Predigt des VBG-PrĂ€sidenten, in einem angeregten Podium ĂŒber die Vermittlung des Evangeliums an MittelschĂŒler und Studierende sowie in strategischen Leitlinien zur Evangelisation von VBG-Leiter Benedikt Walker.

VBG-PrĂ€sident Heiner Schubert stieg mit einem Zitat des ehemaligen deutschen BundesprĂ€sidenten Gustav Heinemann ein: „Eure Herren gehen – unser Herr aber kommt!“. Jesus befreie von den Herren dieser Welt. „Das ist es, was mich an Jesus fasziniert“, so Schubert. Denn er stelle sich gegen alle Versuche der Herren von gestern und heute, die Menschen zu unterwerfen. Heute geschehe diese Unterwerfung subtiler, oft verbunden mit dem Versprechen nach Sicherheit. Wer heute ĂŒber Menschen Macht ausĂŒben wolle, verleite sie, ihre Seele fĂŒr einen Moment der BerĂŒhmtheit in den Medien zu verkaufen, oder sie fĂŒr Sicherheit und Wohlstand in einer Firma auszutauschen.


Andere liessen sich in die Arme von windigen GeschĂ€ftemachern – oder auch Ideologen – treiben. „Wir sind Gebundene  – durch VertrĂ€ge und Kontrakte; wir ĂŒberschreiben nur zu gerne die Verantwortung fĂŒr unser Leben an den, der uns Sicherheit verspricht!“, so der VBG-PrĂ€sident.

Subversiv und schockierend

 Dagegen wirke Jesus auf subversive Art: „Er befragt meine SehnsĂŒchte nach ihrem Gehalt und deckt auf, wer sich ihrer fĂŒr seine eigenen Ziele bedienen will!“ Er biete dagegen Freiheit an, eine Freiheit, welche Teresa von Avila mit dem schlichten Wort auf den Punkt gebracht habe: „solo dios basta.“ – Gott allein genĂŒgt.

 

VBG-PrÀsident Heiner Schubert

 

„Jesus hat nicht nur fasziniert, sondern auch provoziert und schockiert“ – so der zweite Schwerpunkt der Predigt von Heiner Schubert. Er habe sich nicht gescheut, sich auch mit „schrĂ€gen Vögeln“ wie dem Zöllner ZachĂ€us einzulassen. Da unterbrach ein „schrĂ€ger Vogel“ die Predigt, indem er Geld an die Zuhörenden verteilte. Aha, es ist ein Anspiel – ZachĂ€us im GesprĂ€ch mit einer Prostituierten. Ein weiteres Anspiel, geschrieben von der TheaterpĂ€dagogin Elisabeth RĂŒetschi Moser, illustrierte durch das GesprĂ€ch von zwei Frauen am Grab des Gekreuzigten die Faszination der Auferstehung.

Himmel im Blut – Erde in den Knochen

Menschen, die den Ruf in die Nachfolge von Jesus gehört haben, seien der Einladung gefolgt, „den eigenen Ehrgeiz, die eigenen PlĂ€ne, die eigenen Hoffnungen und TrĂ€ume, ihre Grenzen und Defekte, SehnsĂŒchte und Ängste am merkwĂŒrdigsten Ort der Welt abzugeben, nĂ€mlich am Kreuz“, so Schubert. „Wir haben uns entschieden, als Menschen durch die Welt zu gehen, die den Himmel geschmeckt haben und die Erde und ihre Menschen lieben, weil wir dem folgen, der den Himmel im Blut und die Erde in den Knochen hat: Jesus Christus.“

Mitschwimmen statt angeln

VBG-Leiter Benedikt Walker, promovierter Chemiker und ehemaliger Mittelschullehrer und Mitarbeiter in der VBG-Studierendenarbeit,  beschrieb die Prinzipien der Arbeit  unter SchĂŒlern und Studierenden mit drei Bildern:
Die VBG will BrĂŒcken bauen – und zwar von beiden Seiten aus. Sie ergreift selbst die Initiative, lĂ€sst sich aber auch ganz auf die Menschen ein, die sie erreichen will. Was sind ihre echten BedĂŒrfnisse, und wie kann darauf eingegangen werden?
Das klassische Evangelisationsmodell vom Teich mit Fischen, aus dem der Angler die Fische hinausziehe, sei veraltet, so Walker, denn heute muss zum Fisch werden, wer Fische erreichen wolle. „Wir mĂŒssen die Fische kennen lernen, auch die QualitĂ€t und Temperatur des Wassers“, so der VBG-Leiter. Oder eben: „Den Römern ein Römer werden...“ Sie mĂŒssten auch Gelegenheit bekommen, in unser Leben zu blicken. Gefragt sei GlaubwĂŒrdigkeit.
Dies bedeute auch, dass die VBG keine christliche Parallelgesellschaft aufbaue, sondern sich SchĂŒlern und Studierenden diakonisch zuwende. Zum Beispiel mit Beratungs- und Lebenshilfeangeboten fĂŒr Studierende, oder mit Studienwahltagen fĂŒr MittelschĂŒler.
VBG-Mitarbeiter sollen zudem „Steine aus dem Weg rĂ€umen“, so Walker: „Sie mĂŒssen Glaubenshindernisse beseitigen, damit der Weg zum Glauben frei wird.“ Dazu gehöre das Aufbrechen von Denkblockaden. „Deshalb verbringen wir Zeit mit Freunden, setzen uns mit ihren Fragen auseinander und treten in den Dialog ein“, so Walker Es gelte „gesprĂ€chsfĂ€hig zu sein auch fĂŒr Leute, die sehr kritische Fragen stellen.“

Zum Trinken und Auftanken einladen

Zum dritten Bild: „ein Brunnen in der WĂŒste“ sagte der VBG-Leiter: „Wir laden die Menschen an eine Trinkstelle ein, wo sie Wasser trinken und mitnehmen können.“ VBG-Mitarbeitende mĂŒssten  zum Beispiel Wesentliches zum Thema Streit und Versöhnung zu sagen haben.“ Die VBG mache auch Angebote zum Auftanken. Walker nannte dazu die Wohngemeinschaften der VBG, die „Oase“ Campo Rasa oder die Stille-Kurse.

Beziehungen, Lebenssinn und Studienberatung

Ein PodiumsgesprĂ€ch mit den VBG-Mitarbeitenden der Bereiche PĂ€dagogik, Internationale Studierendenarbeit, Arbeit unter SchĂŒlern und an den UniversitĂ€ten vertiefte diese AnsĂ€tze.
Daniel Kummer, Leiter PĂ€dagogikarbeit, wies auf die Herausforderungen fĂŒr die heutigen Lehrer hin: sie fĂŒhlen sich oft ĂŒberlastet durch die zunehmenden administrativen Aufgaben und sind mit Klassen konfrontiert, die immer heterogener werden. Die VBG weise in dieser Situation auf das christliche Menschenbild hin, das in den Kindern etwas Kostbares – und nicht „einen Störfaktor“ –  sieht. Es lohne sich daher, den persönlichen Einsatz auf die Förderung der SchĂŒler zu konzentrieren, statt sich von administrativen Aufgaben erdrĂŒcken zu lassen.

Esther Köppel, Leiterin der Arbeit unter internationalen Studierenden ISA, stellt Beziehungen mit Studierenden aus sehr unterschiedlichen Kulturen her. Diese Menschen fĂŒhlten sich hier oft isoliert, seien aber auch auf der Suche nach Sinn und Wahrheit, besonders Studierende mit muslimischem Hintergrund. Wichtig sei fĂŒr diese Zielgruppe, dass sie Gastfreundschaft erlebten. Sie suchten aber auch nach Echtheit unter den Christen, die ihnen begegnen.
FĂŒr Rico Bossard, Leiter der VBG-SchĂŒlerarbeit, sind die AnknĂŒpfungspunkte in den Mittelschulen die Entwicklung der eigenen IdentitĂ€t, der Selbstwert, aber auch die Gottesfrage. Junge Christen mĂŒssten in dieser Lebensphase gestĂ€rkt werden, auf die Fragen ihrer MitschĂŒler Antworten geben zu können, aber ohne den Anspruch, alle Fragen beantworten zu können.
Christoph Egeler, neuer Leiter der Studierendenarbeit, sieht sich bei den  Studierenden an der Uni und ETH mit Beziehungsfragen, dem Thema SexualitĂ€t, aber auch dem BedĂŒrfnis, die nötigen Credits schnellstmöglich zu erwerben, ausgesetzt.  Um offene aktuelle Fragen, die sich letztlich auch um den Sinn des Lebens drehen, zu behandeln, hĂ€tten sich Podiumsdiskussionen bewĂ€hrt. Da mĂŒsse man sich nicht vor Manipulation fĂŒrchten, und die Form, dass Prominente miteinander um die Wahrheit streiten, sei attraktiv und spannend. Eine Beobachtung, die auch Daniel Kummer bestĂ€tigte. Wichtig seien an der Uni aber auch Beratungsangebote zu Fragen, wie das Studium bewĂ€ltigt werden kann. Letzlich stĂŒnden aber viele auch vor der Sinnfrage, die sich in Suchtverhalten Ă€ussern könne, wenn sie nicht gelöst werde.