Was unterscheidet christliche Schulen von staatlichen?

Was unterscheidet christliche Schulen von staatlichen?

von Daniel Kummer | 22.09.1996

Eine Umfrage zeigt: Christliche Werte k√∂nnen im Schulalltag ganz unterschiedlich umgesetzt werden. Die verschiedenen Ans√§tze geben Impulse f√ľr die Art und Weise, wie christliche Werte in die Schule eingebracht werden k√∂nnen.

Wenn christliche Werte wieder in die Schule eingebracht werden sollen, kommt solchen Institutionen eine zentrale Bedeutung zu. Sie zeigen vor, wie eine Ausgestaltung der christlichen Grundlagen aussehen k√∂nnte. Tatsache ist, dass auch diese Institutionen immer wieder zwischen S√§kularisierung und Erneuerung hin- und herpendeln und unter Umst√§nden selbst in gewisser Hinsicht s√§kularisiert wurden. Ich m√∂chte im folgenden Teil eine Umfrage unter diesen Institutionen vorstellen, da dies einige Ankn√ľpfungspunkte f√ľr die Art und Weise, wie christliche Werte in die Schule eingebracht werden k√∂nnen, aufzeigt. 

Das Vorgehen

Ende Februar 1995 verschickte ich an insgesamt 54 Schulen einen Begleitbrief und einen Fragebogen, die beide auf den n√§chsten Seiten abgedruckt sind. Es ging mir darum, durch diese Umfrage Einblick zu erhalten, wie das Selbstverst√§ndnis bewusst evangelischer, evangelikaler und katholischer Schulen ist. Alle diese Schulen sind Mitglied in einer entsprechenden Vereinigung und tragen z. T. eine entsprechende Bezeichnung in ihrem Namen. Von 54 haben 30 zumindest den Fragebogen zur√ľckgeschickt und zum Teil zus√§tzliches Material beigelegt. 22 Schulen haben nicht geantwortet. Auf meine telefonische R√ľckfrage nach den Gr√ľnden, haben sich drei Kategorien ergeben. Bei einem gr√∂sseren Teil ist der Fragebogen unter irgend einem Stapel Papier liegen geblieben oder es fand gerade ein Wechsel in der Schulleitung statt. Bei einer zweiten Gruppe war das Thema zu delikat, als dass man es h√§tte beantworten k√∂nnen. Ein Rektor einer Schule hat daf√ľr treffend folgende schriftliche R√ľckmeldung geschickt:

  • "Sehr geehrter Herr Kummer, f√ľr Ihre Abschlussarbeit in P√§dagogik suchen Sie die Meinungen verschiedener christlicher Institutionen. Da ich glaube, dass andere da viel berufener sind f√ľr eine Stellungnahme, und wir andererseits seit Jahren an ufer- und ergebnislosen Diskussionen zu den von Ihnen angef√ľhrten Fragen 'gelitten' haben, m√∂chte ich mich gern aus Ihrer Untersuchung raushalten. Von Seiten unserer Schule stelle ich Ihnen Prospekt und 106. Jahresbericht zu; vielleicht sind Sie in der Lage, den Geist, der da(rin) weht, zu erfassen und zu verwerten."

Ein anderer Schulleiter hat gesagt, dass das Thema f√ľr sie als vom Staat finanziell unterst√ľtzte Kantonsschule zu heikel sei, als dass er darauf antworten k√∂nne. Einer dritten Gruppe war der Rahmen der Fragen zu eng. Sie h√§tten in der Lehrerkonferenz dar√ľber gesprochen, aber seien auf keinen gr√ľnen Zweig gekommen. Sie w√ľrden mehr Raum und Zeit brauchen, um zu dem Thema etwas Brauchbares sagen zu k√∂nnen. In dieser Form sei es zu oberfl√§chlich.

Frage 1: Wie w√ľrden sie den Begriff 'christlich' umschreiben?

a) Verschiedene Schulen haben keine Antwort gegeben oder dann auf das Schulmaterial verwiesen, in dem ich selbst eine Antwort suchen sollte.

b) Eine weitere Gruppe hat ihre Antwort ohne Bezug zur Person Christi oder zu Bibel oder zum Evangelium gegeben:

  • "Lebensfroh, fr√∂hlich, hoffnungsvoll, lebensbejahend, konfliktf√§hig, suchend, wertvoll, undogmatisch, offen (Nr. 2). Achtung vor den Mitmenschen (Nr. 39). Solidarisch sein mit anderen. Dem Sinn des Lebens echt nachgehen (Nr. 51). Menschlich, famili√§r, offen (Nr. 53)."

c) Etwa die Hälfte der Antworten nehmen auf die Person Christi Bezug:

  • "Eine pers√∂nliche Beziehung zu Jesus Christus suchen, annehmen und pflegen und dem Sch√∂pfer gegen√ľber verantwortlich handeln (Nr. 13). Das Leben nach der Lehre von Jesus Christus aufbauen und versuchen, danach zu leben und diese Ethik auch weiterzugeben (Nr. 36)."

d) Einige beziehen sich vor allem auf die Bibel in ihrer Umschreibung:

  • "Bewusstes Wahrnehmen biblischer Impulse f√ľr das individuelle und gesellschaftliche Leben (Nr. 11). Bedeutet f√ľr uns 'biblisch fundiert' (Nr. 20)."

e) Darunter hat es einige wenige, die darauf hinweisen, dass das Evangelium auch mit dem Welt- und Lebensverständnis, sowie mit der konkreten Lebenspraxis zu tun hat:

  • "Der Lehre und dem Evangelium Jesu Christi verpflichtet: a) auf der Ebene der Moral und Ethik und b) auf der Handlungs- und Verhaltensebene (Nr. 23). Zun√§chst w√ľrde ich sagen: 'Christlich' meint eine Lebens- und Weltdeutung, und eine Lebenspraxis, die sich wesentlich an die Person Jesus h√§lt. Die Kerninhalte finden Sie in den klassischen Glaubensbekenntnissen. Bez√ľglich der Lebenspraxis sind vor allem die Belehrungen der Bergpredigt von tragender Bedeutung: N√§chstenliebe bis zur Feindesliebe, Achtung vor dem N√§chsten und auch vor der Welt als Sch√∂pfung, Vezeihungsbereitschaft. (1. Kor. 13) (Nr. 30)."

Was ein Hinweis auf Säkularisierungstendenzen einiger Schulen sein kann, ist, dass einige Schulen den Begriff 'christlich' umschreiben können, ohne einen Bezug zur Bibel oder zur Person von Christus hineinzunehmen. Die Dimensionen, die sich sonst zeigten waren die Ebene des Bekenntnisses, die Ebene des entsprechenden Handelns, die Person Christi und die Bibel und daraus hergeleitet ein entsprechendes Verständnis des Menschen und der Welt als Schöpfung Gottes.

Frage 2: Was kennzeichnet eine 'christliche Schule'?

In dieser Frage ging es mir um das Spezifische, das eine evangelische oder katholische Schule ausmacht. Was unterscheidet sie von anderen 'neutralen' Schulen? Auch hier können wieder verschiedene Antworten unterschieden werden:

a) Verschiedene haben keine Antwort gegeben oder auf die allgemeinen Unterlagen verwiesen. Einige haben betont, dass die Frage so nicht gestellt werden kann: "Die Frage ist in dieser Form unm√∂glich. F√ľr unsere Schule haben Sie ein Hinweis in den Unterlagen (Nr. 9)."

b) Auch hier gibt es wieder einige, die keinen Bezug zu einem Bekenntnis herstellen, sondern das 'Christliche' vor allem in der Art des zwischenmenschlichen Umgangs sehen, der u. U. von einem christlichen Menschenbild geleitet sein kann:
"In einer Schulgemeinschaft eine famili√§re Atmosph√§re verwirklichen, mit welcher sowohl Orientierungshilfe als auch zielorientierte Leistungsf√∂rderung verbunden sind (Nr. 13). Sie akzeptiert den Sch√ľler mit all seinen St√§rken und Schw√§chen und versucht ihm ein christliches Menschenbild zu vermitteln (Nr. 39). Nicht nur Schulstoff ist wichtig, sondern ebenso Werte. Jedes einzelne Kind wird akzeptiert, wie es ist und auch ernst genommen (Nr. 53)."

c) Mehrere Antworten betonen die Beziehung des Menschen zu Gott und darauf aufbauend eine entsprechende Welt- und Existenzdeutung von Gott her. Dies beinhalte sowohl das Schulverständnis als auch das Verhalten:

  • "- ein schriftlich nachlesbares, biblisch orientiertes p√§dagogisches Konzept. ‚Äď die pers√∂nlich m√∂gliche √úberpr√ľfung der Umsetzung des Konzepts durch Aussenstehende an Ort und Stelle. ‚Äď christliche Mitarbeiterinnen und Mittarbeiter (Nr. 23). In erster Linie die (nach obiger Definition) christliche Begegnung der Lehrerschaft den Sch√ľlern gegen√ľber, dann aber auch das bewusste Einbringen des christlichen Gedankenguts in den verschiedensten Schulf√§chern sowie Vorleben von und Vermitteln christlicher Grundwerte (Nr. 41)."

d) Einige wenige betonen wieder vor allem den Bezug zur Bibel:

  • "Der Begriff 'christlich' wird leider heute mit allem M√∂glichen gef√ľllt. F√ľr uns hat in allen Fragen die Bibel, Gottes Wort, Relevanz (Nr. 20). 1. Biblische Konzeption, 2. Biblische Integration im Unterricht, 3. Authentizit√§t der Lehrer, 4. Ruf des Sch√ľlers in die Nachfolge Christi (Evangelisation), 5. Seelsorgerliche Schulatmosph√§re, 6. Elternarbeit, 7. Gemeindebindung (Nr. 21)."

e) Einige Antworten z√§hlen auch konkret √§ussere Formen auf, in denen sich die christliche Haltung ausdr√ľckt: "Zus√§tzlich werden explizit religi√∂se Vollz√ľge (wie Gottesdienst, Gebet im weitesten Sinne vor der ersten Schulstunde, Begehen bestimmter religi√∂ser Feiertage) gepflegt (Nr. 30)."

Interessant ist wiederum, dass auch hier der Kern der christlichen Schule vorwiegend auf der zwi- schenmenschlichen Ebene beschrieben wird und ein Bezug zu Christus oder zur christlichen Religion fehlen kann. Mir f√§llt auf, dass die Tendenz besteht, mit dem Hinweis auf 'den Geist', der in der Schule weht oder wehen sollte, unantastbar zu werden. Generell wurde recht wenig an klar sichtbaren Institutionen (Feste, Gebet...) genannt, so dass man annehmen k√∂nnte, dass die den christlichen Kern ausmachen sollen. Dabei w√§ren es gerade diese Einrichtungen, die allen sichtbar machen w√ľrden, dass sich diese Schule von nichtchristlichen Schulen unterscheidet. Man denke da zum Beispiel an die Steiner-Schulen, die sich bereits in der Architektur klar unterscheiden. Offensichtlich besteht dieses Bed√ľrfnis hier nicht. Wenn Unterschiede nur auf der Ebene 'des Geistes' liegen sollen, bleibt das f√ľr 'Aussenstehende' schwer nachvollziehbar.

Frage 3: Welche Bereiche betrifft die christliche Grundlegung Ihrer Schule? (ankreuzen von 1 bis 4)

a) die weltanschauliche Grundlage (3.67)1
Hier haben, wie ich erwartet habe, alle Schulen bis auf zwei, hohe Werte angekreuzt. 23 von 30 Schulen haben den Wert 4 angekreuzt und damit ausgedr√ľckt, dass die christliche Grundlegung vor allem auf die weltanschauliche Ausrichtung wirkt. Die beiden Schulen, Nr. 31 und Nr. 13, die den Wert 1 respektive 2 angekreuzt haben, sind Schulen, die sich in ihren Unterlagen recht vorsichtig √§ussern. Zum Beispiel ist der einzige religi√∂se Bezug in der Schulbrosch√ľre von Nr. 31 folgende Bemerkung:

  • "Ganzheitliche Bildung. Ziel der Schule XY2 ist es, junge Frauen durch eine umfassende berufliche Grundausbildung zu bef√§higen, aktiv am kulturellen, sozialen, und religi√∂sen Leben unserer Zeit und Welt mitzuwirken. In der Ausbildung steht     daher die ganzheitliche Pers√∂nlichkeitsentfaltung im Vordergrund (Nr. 31)."

Auch die Vorstellungsbrosch√ľre der Schule Nr. 13 ist sehr zur√ľckhaltend und offen gehalten. Die Schule bezeichnet sich als christlich-√∂kumenisch ausgerichtet:

"Was heisst 'christlich-ökumenisch ausgerichtet'?

  • Wenn wir unsere Schule als christlich bezeichnen, so tun wir dies mit der hier    angezeigten Zur√ľckhaltung und Bescheidenheit.
  • Die Zugeh√∂rigkeit zu einer bestimmten Konfession spielt keine Rolle.
  • Die Pr√§senz des Christlichen ist nicht auf bestimmte Veranstaltungen verlegt, sondern es bleibt der Initiative jedes Lehrers √ľberlassen, religi√∂se Themen und Aspekte in irgendeinem Fach einfliessen zu lassen oder im pers√∂nlichen Gespr√§ch zu ber√ľhren.
  • Jeder Lehrer ist frei, auch in religi√∂sen Fragen seinen pers√∂nlichen Standpunkt zu vertreten.
  • Die Lehrer sind verpflichtet, taktvoll auf den religi√∂sen Standort der Sch√ľler und ihrer Eltern R√ľcksicht zu nehmen.
  • Wir glauben, dass unsere Sch√ľler so etwas angeboten bekommen, was ihnen hilft, ihren eigenen Standort zu finden und die Gef√§hrdungen unserer Zeit zu √ľberstehen.
  • Mit Bestimmtheit stehen wir daf√ľr ein, dass keine 'Extremlehren' irgendwelcher Pr√§gung an unserer Schule Fuss fassen.
  • Die Verpflichtung zum Besuch von Religionsunterricht entspricht dem an staatlichen Schulen vorgeschriebenen Mass. Nach M√∂glichkeit werden Unterrichtsstunden √∂kumenisch gef√ľhrt, so dass sie mit Billigung der zust√§ndigen Instanzen der betreffenden Kirchen sowohl von Protestanten als auch von Katholiken besucht werden k√∂nnen. Es gibt keine obligatorischen Gebetsandachten (Nr. 13 Vorstellungsbrosch√ľre, 2/3)."
  • Der Durchschnittswert bei dieser Frage betr√§gt 3.67. Dies ist der zweith√∂chste Durchschnittswert.

 

b) die Lehrplangestaltung (2.77)
Verschiedene Schulen haben betont, dass sie an die staatlichen Lehrpl√§ne mehr oder weniger gebunden sind und von daher gar nicht gross die M√∂glichkeit haben, eigene Lehrpl√§ne umzusetzen. Von daher ist der relativ tiefe Wert, 2.77 Punktwerte, verst√§ndlich. Wenn der Lehrplan ein zentrales Instrument ist, um einer Schule ihr spezifisches Gepr√§ge zu geben, gerade WENIGER (1952) hat den Lehrplan als politischen Zankapfel der geistigen M√§chte dargestellt, ist es doch erstaunlich, dass nicht h√∂here Werte eingetragen wurden. Ich verstehe, dass der √úbergang von einer Privatschule in eine Staatsschule jederzeit m√∂glich sein soll. Dies muss jede Privatschule gew√§hrleisten k√∂nnen. Jedoch finde ich es einen beachtlichen Eingriff des Staates, wenn er den staatlichen Lehrplan f√ľr Privatschulen vorschreibt. Das Kernst√ľck einer Schule, das Bildungsprogramm in Form des Lehrplans, wird damit staatlich verordnet. Dadurch wird der Spielraum der Privatschulen massiv eingeschr√§nkt. Dies erw√§hnen auch verschiedene Schulen. Eine christliche Ausrichtung k√∂nnte zum Beispiel zu recht verschiedenen Gewichtungen einzelner F√§cher f√ľhren oder auch neue Fachbereiche nahelegen. Nur zwei Mittelschulen (Nr. 39; Nr. 40) haben hier den h√∂chsten Punktwert angekreuzt. Sie haben in der Lehrplangestaltung deshalb mehr Freiraum, weil sie nicht mehr auf der Volksschulstufe unterrichten. Beide Schulen werden aber finanziell vom Staat unterst√ľtzt. Drei Schulen (Nr. 10, Nr. 41, Nr. 53) sind der Auffassung, dass der Lehrplan keine Rolle spielen kann und haben hier eine Eins angekreuzt. Alle drei betonen explizit, dass sie sich per Verordnung an die staatlichen Lehrpl√§ne halten m√ľssen: "Die Lehrpl√§ne der Schule sind (per staatl. Vorschrift) die Lehrpl√§ne der √∂ffentlichen Schule" (Nr. 41). Dies obschon zwei der drei Schulen vom Staat keinerlei finanzielle Unterst√ľtzung erhalten.

 

c) das zwischenmenschliche Zusammenleben im und neben dem Unterricht (3.77)
Wie zu erwarten war, haben hier die meisten Schulen den h√∂chsten Punktwert angekreuzt. Nur eine Schule (Nr. 31) hat eine Eins angekreuzt und vier Schulen (Nr. 5, 6, 30, 55) haben eine Drei angekreuzt. Alle 25 anderen Schulen haben eine Vier angegeben. Der Durchschnittswert war hier mit 3.77 am h√∂chsten. Gerade die evangelischen Schulen haben vor allem diese Ebene betont, da sich hier das spezifisch Christliche bemerkbar mache. Das wird auch in verschiedenen Schulbrosch√ľren deutlich. Exemplarisch daf√ľr ein Auszug aus dem Leitbild von Nr. 9:

  • ''Die evangelische Grundlage: Die evangelisch-reformierte Grundlage muss vor allem erkennbar werden an einem bewussten Eingehen auf den einzelnen Menschen, an der Pflege der Schulgemeinschaft und am Versuch, das Evangelium stets neu und zeitgem√§ss im Schulalltag wirksam werden zu lassen (Leitbild Nr. 9)."

Verschiedene Schulen haben, wie oben deutlich wurde, vor allem die zwischenmenschliche Ebene als bezeichnend f√ľr die christliche Ausrichtung hervorgehoben. Dies schl√§gt sich auch hier wieder nieder.

 

d) den Fachunterricht, d. h. die Wissensvermittlung (2.23)
Wie wirkt sich die christliche Grundlegung auf den Fachunterricht, das heisst auf die Wissensvermittlung aus. Hier k√∂nnte man erwarten, dass verschiedene Schulen, z. B. im Biologieunterricht, andere Schwergewichte setzen und vielleicht neben der Entstehungstheorie der Erde aus Zufall eine, allenfalls evolution√§re Sch√∂pfungstheorie daneben stellen. Dies erw√§hnt eine Schule (Nr. 22) auch explizit. Verschiedene Schulen haben bei der Frage f√ľnf auch eine Anzahl Unterrichtsf√§cher erw√§hnt, auf die sich die christliche Ausrichtung auswirkt. Das sollte sich hier in einem h√∂heren Zahlenwert ausdr√ľcken. F√ľnf Schulen (Nr. 6, 7, 11, 30, 36) haben hier eine Eins angekreuzt und damit ausgedr√ľckt, dass die Wissensvermittlung unabh√§ng von der christlichen Ausrichtung ist. Eine Schule hat bei der Frage f√ľnf betont, dass der christliche Einfluss vor allem durch die Lehrperson auf die F√§cher wirke. Die anderen Schulen haben inkonsequenterweise bei der Frage f√ľnf geschrieben, dass die christliche Ausrichtung auf die Sprachf√§cher (Nr. 11), dann "besonders Philosphie, Ethik, Geschichte, Literaturgeschichte, Wirtschaft (als Wirtschaftsethik), Naturwissenschaften (als Wissenschaftsethik), Psychologie" (Nr. 30). und "Lebenskunde, Biologie (Menschenkunde) Deutsch, Zeichnen" (Nr. 36). wirke. Dies ist insofern inkonsequent, als nicht auf der einen Seite behauptet werden kann, dass die christliche Ausrichtung keinen Einfluss auf den Fachunterricht habe und dann doch eine Reihe von F√§chern erw√§hnt werden, auf die die christliche Grundlage Einfluss hat. Es wird gerade bei Nr. 30 deutlich, dass es auch um inhaltliche und nicht nur um zwischenmenschliche Aspekte geht. Alle 14 Schulen, die den Wert drei angekreuzt haben, erw√§hnen eine Reihe von Unterrichtsf√§chern in Frage sechs auf die die christliche Ausrichtung wirkt. Die spannende Frage ist, ob das mit dem staatlichen Lehrplan, dem alle Volksschulen verpflichtet sind, kompatibel ist.

 

e) die Lehrmittel (1.77)
Die christliche Grundlegung hat offensichtlich kaum Einfluss auf die Lehrmittel, die verwendet werden. Dies vermutlich deshalb, weil die Lehrmittel weitgehend staatlich verordnet sind. Leider wurden hierzu keine Angaben gemacht. Ich frage mich, wie weit man sich bewusst ist, dass gerade die Lehrmittel doch einen relativ starken Einfluss auf die Werthaltungen haben. Besonders bei den Schulen, die die weltanschauliche Grundlage als zentral einsch√§tzen, sollte hier auch ein relativ hoher Wert angekreuzt werden. Dies ist aber nicht der Fall. Verschiedene Schulen (Nr. 2, 7, 9, 10, 30, 32, 51, 53) haben den Wert vier bei a) angekreuzt und w√§hlten trotzdem bei dieser Frage den Wert eins. Dies ist ein Widerspruch. Vor allem muss man sich fragen, wie es m√∂glich ist, eine christliche Grundlegung der Schule zu behaupten und dann, obschon die weltanschauliche Dimension als entscheidend betrachtet wird, beim Lehrplan und den Lehrmitteln kaum Auswirkungen zu erwarten. Gerade Lehrplan und Lehrmittel sind doch Schnittstellen f√ľr die Ausrichtung einer Schule, wenn man die Ausrichtung nicht nur auf die Atmosph√§re des Zusammenlebens oder 'den Geist' beschr√§nken will.

 

f) die didaktische Gestaltung (2.37)
Hier f√§llt die starke Streuung und der dazugeh√∂rende entsprechende Mittelwert auf. Es wurden f√ľnfmal der Punktwert eins angekreuzt und f√ľnfmal der Punktwert vier und die Werte dazwischen streuen entsprechend. Es lassen sich keine Beziehungen herstellen. Zum Beispiel haben Schulen, die sowohl die weltanschauliche, sowie die zwischenmenschliche Dimension betonen, trotzdem hier einen tiefen Punktwerte angekreuzt. Es ergeben sich keine sinnvollen Aussagen dar√ľber, wie Lehrplan oder zwischenmenschliche Beziehung zusammenh√§ngen k√∂nnten. Verschiedene Schulen haben auf spezielle Formen der Wissensvermittlung aufmerksam gemacht und im besonderen Eingehen auf den einzelnen Sch√ľler ein Kennzeichen der christlichen Ausrichtung gesehen. Diese Schulen haben bei dieser Frage im Schnitt auch h√∂here Werte. (z. B. Nr. 13)

 

g) den Tagesablauf (2.63)
Verschiedene Schulen erw√§hnen in ihrer Schulbeschreibung explizite Veranstaltungen, die sie von anderen Schulen unterscheiden. Besonders in den Jahresprogrammen der katholischen Schulen wird klarer deutlich, dass sie mehr Veranstaltungen durchf√ľhren, die einen Bezug zum Kirchenjahr haben und so der christlichen Ausrichtung eine bestimmtere Form geben als evangelische Schulen. In diesen wird eher auf die Art und Weise des Umgangs Bezug genommen. Einige betonen sogar, dass es gerade nicht um das Veranstalten √§usserer Anl√§sse gehe und das die christliche Ausrichtung ausmachen k√∂nne:

  • "Die Pr√§senz des Christlichen ist nicht auf bestimmte Veranstaltungen verlegt, sondern es bleibt der Initiative jedes Lehrers √ľberlassen, religi√∂se Themen und Aspekte in irgendeinem Fach einfliessen zu lassen oder im pers√∂nlichen Gespr√§ch zu ber√ľhren (Nr. 13)." 'Pers√∂nliches Beten ‚Äď Meditation: Der Geist des Evangeliums als befreiende, je neu werdende Botschaft steht im Zentrum. Kein Zwang frommer √úbung, Gottesdienstbesuch etc., sondern Vorbereitung zu einer echten, christlichen Lebensbew√§ltigung, zur Selbstfindung, zur Ausfaltung der F√§higkeiten und Talente (Nr. 32)."

 

h) weiteres:
Hier haben einige Schulen Aspekte erw√§hnt, die ihnen f√ľr ihre Schule wichtig erscheinen. Es sind dies unter anderem Wochen- (Nr. 2) und Jahresablauf (Nr. 5), Schulkultur (Nr. 7), das bewusste Pflegen der Gemeinschaft (Nr. 9) und des Umgangs mit Sch√ľlern und Eltern (Nr. 41), das Betonen der Mitverantwortung und Selbst√§ndigkeit beim Gestalten von Gottesdiensten und gemeinsamen Wochenenden (Nr. 32), der Religionsunterricht (Nr. 33) sowie die Werbung und die √∂ffentlichen Beziehungen (Nr. 13).
Wenn man den Totalwert der einzelnen Schulen betrachtet, sagt er etwas aus √ľber die Intensit√§t der christlichen Grundlegung einer Schule, wie sie sich selbst einsch√§tzt. Hier f√§llt auf, dass doch elf der dreissig Schulen im Durchschnitt einen Wert von drei oder mehr angekreuzt haben. Auf die drei Gruppen evangelische, evangelikale und katholische Schulen aufgeteilt, f√§llt auf, dass sich die evangelikalen mit einem Durchschnittswert von 22,2 (max/min: 25/18) am h√∂chsten einsch√§tzen, dann die katholischen mit einem Durchschnittswert von 19,125 (max/min: 23/15) und zum Schluss die evangelischen Schulen mit einem Durchschnittswert von 17,667 (max/min: 23/13). Ich habe, um nicht allzustarke Verf√§lschungen zu erhalten, dort wo keine Angabe gemacht wurde, den Wert zwei eingetragen zur Berechnung. Wie gesagt, diese Zahlen sagen lediglich etwas √ľber die Selbsteinsch√§tzung aus, sind aber als solches interessant.

Frage 4: Wie wirkt sich die christliche Grundlegung auf die Lehrpläne ihrer Schule aus?

Wie schon angedeutet ist hier der Gestaltungsspielraum nicht besonders gross. Eine Schule betont, dass es vor allem auf die Grundhaltung ankommt, die von den Verantwortlichen eingebracht wird (Nr. 1). Mehrere sagen, dass ihnen die staatlichen Lehrpl√§ne vorgeschrieben sind, sie aber gewisse Schwerpunkte bez√ľglich der Auswahl (Nr. 20, 31, 38) und der Gewichtung in der Stundentafel (Nr. 2) oder dem Beizug anderer Materialien (Nr. 22, 32) setzen k√∂nnen. Viele Schulen sagen, dass das Fach Religion bei ihnen von der Stundentafel her oder generell insofern wichtiger ist, als der Unterricht f√ľr alle Sch√ľler obligatorisch ist (Nr. 2, 5, 7, 9, 11, 30, 33, 36, 44, 50, 51). Verschiedene Schulen haben in ihr Schulprogramm Feste und religi√∂se Anl√§sse fest eingeplant. Zum Beispiel eine Theologiestudienwoche in der Lehrerbildung (Nr. 7), w√∂chentliche Sch√ľlergottesdienste, eine religi√∂se Besinnungswoche (Nr. 33), Kirchengesang, Eucharistiefeier im Stundenplan, Besinnungstage und Sondertage mit religi√∂sem Hintergrund (Nr. 38), Besinnungszeiten (Nr. 50). Hier f√§llt auf, dass es vor allem katholische Schulen sind, die verschiedene religi√∂se Veranstaltungen w√§hrend dem Schuljahr in ihr Programm aufgenommen haben. Dies wird in den Jahresberichten noch zus√§tzlich deutlich.

Kaum eine Schule scheint neben dem obligatorischen staatlichen Lehrplan einen eigenen Lehrplan entworfen zu haben. Das finde ich bedenklich. Eine Schule (Nr. 35) erwähnt, dass kaum ein Einfluss auf den Lehrplan bestehe, eine Schule (Nr. 52) sieht den Einfluss vor allem in der ökumenischen Offenheit und Toleranz.

Frage 5: Wirkt sich die christliche Grundlegung auch auf andere Fächer aus, als auf das Fach Religion? Wenn ja, auf welche besonders?

Eine Schule (Nr. 9) sieht keinen Einfluss auf die Fachbereiche. Verschiedene Schulen machen den Einfluss ausschliesslich abh√§ngig von der Lehrperson (Nr. 1, 5, 7, 33) oder verweisen wieder auf den zwischenmenschlichen Umgang (Nr. 53). F√ľnf Schulen (Nr. 10, 40, 44, 50, 55) betonen grunds√§tzlich, dass sich die Grundlegung auf alle F√§cher auswirken kann, insofern weltanschauliche Themen angeschnitten werden. Grunds√§tzlich werden eine breite Anzahl an F√§chern erw√§hnt, auf die die christliche Ausrichtung Einfluss hat. Verschiedene F√§cher kommen nur an Mittelschulen vor. Explizit werden folgende F√§cher erw√§hnt:

  • Lebenskunde: 6
  • Philosophie (Ethik): 3
  • P√§dagogik: 3
  • Psychologie: 3
  • Sprachf√§cher (Deutsch/Literatrur): 14
  • Geschichte (Kunstgeschichte): 10
  • Kunstf√§cher/Gestalten: 3
  • Singen/Musik: 7
  • Turnen: 1
  • Realien: 4
  • Biologie/Naturkunde: 11
  • Geografie (Umwelt/Geologie): 5
  • Wirtschafts- (Ethik): 2
  • Rechtskunde: 1
  • Staatskunde: 1
  • Berufswahlvorbereitung: 1


Wir sehen, dass vor allem die Sprachf√§cher und Biologie/Naturkunde, sowie Geschichte besonders oft erw√§hnt werden. Auch Singen/Musik, ein Fach, das f√ľr die christliche Religion von jeher besonders wichtig war, sowie Geografie und die Kunstf√§cher werden mehrmals erw√§hnt. Erstaunlich scheint mir, dass Turnen erw√§hnt wird. F√ľr den Volksschulbereich fehlen folgende F√§cher, die in der Stundentafel explizit erw√§hnt werden: Rechnen/Mathematik, sowie Technisches Zeichnen, Schreiben, Handarbeiten/Werken und Gartenbau. Die spannende Frage w√§re, ob und wenn ja wie, diese Anspr√ľche eingel√∂st werden k√∂nnen.

Frage 6: Weltanschaulich umstritten sind in der zunehmend pluralistischen Staatsschule vor allem Religion, Muttersprache und Geschichte. Sind Sie einverstanden damit? Wenn nein, welche Fächer sollten nicht oder zusätzlich dazugehören?

Diese Frage habe ich deshalb gestellt, weil sie eine Art Testfrage f√ľr die vorhergehende Frage darstellt. Entweder werden hier keine zus√§tzlichen F√§cher erw√§hnt ausser Religion, Muttersprache und Geschichte, weil sie nicht weltanschaulich umstritten sind. Folglich k√∂nnten diese F√§cher auch keine spezifisch christliche, und damit weltanschauliche Ausrichtung haben. Dann d√ľrften aber bei der Frage f√ľnf keine weiteren F√§cher ausser diesen drei aufgef√ľhrt sein. Sonst widerspricht man sich entweder oder die christliche Ausrichtung wird als nicht-weltanschaulich oder als √ľbergeordnet angesehen. Diese Frage wurde verschiedentlich nicht ganz verstanden (Nr. 21, 33, ev. 35). Vermutlich war verwirrlich, dass es nun pl√∂tzlich um die Staatsschule geht. Einige Schulen haben die Verkn√ľpfung zwischen Frage f√ľnf und sechs erkannt und deshalb F√§cher, die sie unter der Frage f√ľnf erw√§hnt haben, zus√§tzlich auch hier aufgef√ľhrt (Nr. 20, 13, 23, 44, 50). Einige Schulen haben folgenden Kommentar gemacht:

  • "Ich sehe das Faktum, finde es aber v√∂llig falsch. Alle F√§cher k√∂nnen weltanschaulich gepr√§gt und somit umstritten sein" (Nr. 20). "F√ľr mich ist die Frage, wie weit man weltanschauungsfrei unterrichten kann. Abgesehen von den rein formalen F√§chern (wie Mathematik, Logik, Grammatik) sind alle andern Wissensinhalte immer auch mit Werthaltungen verbunden. Die Frage ist einfach, ob man diese Werthaltungen auch artikulieren will oder nicht. Den Verzicht auf die Artikulation nennt man dann 'weltanschauliche Neutralit√§t'... (Nr. 30)."

Eine Schule (Nr. 6) hat sich gegen jede weltanschauliche Ausrichtung der F√§cher gewehrt. Sie sollen auf einer offensichtlich neutralen Basis als Kulturf√§cher unterrichtet werden: "Auch Religion ist ein Kulturfach und kein Glaubensunterricht einer beliebigen religi√∂sen Ideologie oder Konfession (Nr. 6)." Die Frage stellt sich, ob es hier auch keine christliche Ausrichtung der Schule geben kann oder, ob sie sich ausschliesslich in anderen, zum Beispiel zwischenmenschlichen Aspekten √§ussert, die nicht erw√§hnt wurden. Erstaunlich ist, dass diese Schule bei Frage 3 a) den Punktwert drei angekreuzt hat, was doch eine relativ ausgepr√§gte Gewichtung der Weltanschauungsebene darstellt. Schule Nr. 2 hat mehr von den aktuellen Ereignissen her gedacht und an die ganze Schleierdiskussion und den Bundesgerichtsentscheid zur 'Badedispensation' eines Moslemm√§dchens gedacht und deshalb Turnen und Schwimmen angef√ľgt. Einige Schulen (Nr. 1, 10, 31, 35, 42, 51) haben die Frage nicht beantwortet und mehrere Schulen (Nr. 7, 24, 39, 41, 52, 53, 55) sind kommentarlos mit der Aussage einverstanden. Eine Schule (Nr. 22) verneint die Frage ohne weiteren Kommentar. Vier Schulen (Nr. 36, 41, 52, 55) haben F√§cher, die sie bei der Frage f√ľnf erw√§hnt haben, hier nicht mehr erw√§hnt. Vermutlich sind sie der Auffassung, dass man die weltanschauliche Auseinandersetzung auf diese F√§cher beschr√§nken muss, was nur dann konsequent, aber vermutlich anderen Weltanschauungen gegen√ľber nicht fair w√§re, wenn der christliche Zugang als etwas grunds√§tzlich anderes als weltanschauliche Zug√§nge betrachtet wird. Zwei Schulen (Nr. 2, 11) haben hier F√§cher aufgef√ľhrt, die sie bei der Frage f√ľnf nicht erw√§hnten, f√ľr die es aber, so kann man r√ľckschliessen, auch Zug√§nge aus christlicher Sicht geben m√ľsste. Die F√§cher sind: Philosophie, Ethik, Wirtschaft, Hauswirtschaft, Turnen, Schwimmen. Schule Nr. 38 hat auf der einen Seite betont, dass die christliche Grundlage sich auf verschiedene F√§cher auswirkt, aber auf der anderen Seite sagt sie, dass die drei F√§cher Religion, Muttersprache und Geschichte alle eine wichtige Grundlage f√ľr unsere Kultur darstellen und deshalb gem√§ss unserer christlichen Kultur unterrichtet werden m√ľssten. Dies weist auf einen Widerspruch hin, in den man oft ger√§t, wenn man auf der einen Seite zeigen will, dass der christliche Zugang speziell ist, und dann auf der anderen Seite den christlichen Zugang als allgemeinverbindlich hinstellen m√∂chte.

Frage 7: Gab es in den letzten Jahren Konflikte mit den Behörden wegen Ihrer christlichen Ausrichtung? (ev. Grund)

Diese Frage haben alle bis auf eine Schule (Nr. 39) verneint und eine Schule hat erwähnt, dass der Wunsch bestehe, mehr Ausgestaltungsmöglichkeiten zu erhalten als momentan von der Erziehungsdirektion erlaubt werde.

Frage 8: Gab es Konflikte bez√ľglich der Glaubens- und Gewissensfreiheit von Sch√ľlern oder Lehrern an ihrer christlichen Institution? (ev. Grund)

F√ľnf Schulen (Nr. 24, 32, 36, 40, 55) beantworten diese Frage mit 'ja', wobei die Gr√ľnde recht unterschiedlich sind. Nr. 36 sagt: "Bei 12-17j√§hrigen Menschen kommt sicher einmal eine Glaubenskrise, die durchgesprochen werden muss." Bei einer Schule (Nr. 24) wird pers√∂nliche Verletzung als Grund angegeben. Die anderen erw√§hnen keinen Grund. Eine Schule schreibt, dass es eher zu Konflikten mit fundamentalistischen Kreisen kommen k√∂nnte (Nr. 42).

Frage 9: Wird Ihre Privatschule vom Staat finanziell unterst√ľtzt?

Diese Frage haben 18 von 30 Schulen mit 'ja' beantwortet. Das scheint beachtlich, doch betrifft es keine einzige Volksschule, die in einem reformierten Kanton angesiedelt ist. Alle Schulen, die staatliche Unterst√ľtzung erhalten, sind entweder Schulheime (Nr. 1, 23) oder Mittelschulen (Nr. 5, 6, 9, 30, 31, 33, 39, 40, 50, 51, 52, 55) oder Schulen, die von einem katholischen Kanton unterst√ľtzt werden (Nr. 38, 42, 44, 53).

Frage 10: Können Sie mir Literaturangaben machen oder allenfalls Kopien beilegen dazu, wie sich die christliche Grundlegung allgemein in den Fachbereichen auswirken kann?

Ich habe folgende Literaturangaben erhalten, die in etwa den Horizont skizzieren, was in diesen Schulen an Literatur f√ľr wichtig erachtet wird:

  • BOHNSACK, F. & NIPKOW, K.E.: Verfehlt die Schule die Jugendlichen und die allgemeine Bildung? Comenius Institut. M√ľnster 1991.
  • BOHNE, J., ADAM, G., BARON, R., RIFFER, G.: Die religi√∂se Dimension wahrnehmen. Unterrichtsbeispiele und Reflexionen aus der Projektarbeit des Christlichen Schulbundes in Bayern. Comenius Institut. M√ľnster 1992.
  • BERG, H-C., GERTH, G., POTTHAST, K-H.: Unterrichtserneuerung mit Wagenschein und Comenius. Versuche Evangelischer Schulen 1985-1989. Comenius Institut. M√ľnster 1990.
  • FLURY, J.: Evangelische Schule: solidarisch im Gelingen und im Scheitern. Reformiertes Forum 46. 17. Nov. 1988, 11-14.
  • MEIER, B.: Vom Weltbild zum Unterricht. AEBS: Allgemeine Biblische Leitlinien zu den Didaktiken des sch√∂pfungswissenschaftlichen Unterrichts.
  • Unterlagen der Association of Christian Schools International oder Creduca in der Schweiz. Dr. Armin Mauerhofer: Vorlesungsskript.
  • Bildung 3/93: Katholische Schulen und ihre Zukunft. Verlag: Arbeitsstelle f√ľr Bildungsfragen der Schweizer Katholiken, Hirschgraben 13, Postfach 2069, 6002 Luzern. ‚Äď Leitbild der katholischen Schulen der Schweiz (gleicher Verlag).
  • OGGENFUSS, G.: Ziele und Strukturen konfessioneller und √∂ffentlicher Schulen. Lizentiatsarbeit. P√§d. Institut Uni Z√ľrich. 1977.

Fazit der Untersuchung

Zwei dieser Angaben stammen von den evangelischen Schulen, mehrere Angaben von Evangelikalen und zwei Angaben stammen von katholischen Schulen. Vor allem die katholischen Schulen scheinen fast keine Literatur zu dem Thema zu kennen. Eine Schule (Nr. 32) schreibt, dass es sehr schwierig sei Material zu finden. Man m√ľsse vielleicht einiges selbst ver√§ndern und anpassen. Zum Beispiel k√∂nne man ja das Thema des Fastenopfers in verschiedenen F√§chern, zum Beispiel im Geografieunterricht, vertiefen. Eventuell w√§re es m√∂glich, aus p√§dagogischen Werken, zum Beispiel der Individualpsychologie nach Adler etwas f√ľr den Unterricht zu entnehmen. Wenn professionelle Institutionen, die sich bewusst an christlichen Grundlinien orientieren wollen, so schlecht √ľber Literatur und Wege der Umsetzung informiert sind, muss man sich fragen, ob sie dieser Umsetzung eine hohe Priorit√§t beimessen, oder ob die Umsetzung nicht von einer theoretischen Reflexion begleitet ist, sondern eher unbewusst l√§uft. Ich vermute, dass die meisten Schulen so sehr √ľberarbeitet sind, dass keine Zeit bleibt, einschl√§gige Literatur zu studieren. Um herauszufinden, wie die Situation in der Schule aussieht, m√ľsste man direkt vor Ort eine Untersuchung durchf√ľhren.
Mir f√§llt auf, dass gerade die Frage der 'christlichen Identit√§t' an evangelischen und katholischen Privatschulen nicht ein Thema ist, √ľber das viel geschrieben wurde. Bei einigen Antworten ist ein gewisses Unbehagen dieser Frage gegen√ľber sp√ľrbar geworden. Vor allem aber f√§llt auf, dass eine grosse Bandbreite an Antworten m√∂glich ist und wenig einheitliche Auffassungen bestehen. Besonders erstaunt, wie wenig Zeit vorhanden ist, um sich mit entsprechender Literatur auseinandersetzen zu k√∂nnen. Christliche Privatschulen m√ľssten, falls es ihnen um eine Profilierung der christlichen Ausrichtung ginge, Mitarbeiter freistellen, die Zeit haben, aus christlicher Sicht Lehrpl√§ne und Lehrmittel zu entwickeln. Einige Kriterien, was eine christliche Schule und somit ihr Fehlen als Indikatoren f√ľr einen S√§kularisierungsprozess darstellen k√∂nnen, wurden aber doch deutlich. Ich sehe vor allem drei Aspekte:

  1. Wenn institutionelle Gef√§sse geschaffen wurden, um der christlichen Ausrichtung ein Gewicht zu geben, ist dies ein deutliches Zeichen daf√ľr, dass man christlichen Werten eine Priorit√§t geben will. Zum Beispiel wird an verschiedenen Schulen dem Religionsunterricht ein besonderer Stellenwert beigemessen oder es werden gemeinsame religi√∂se Feste gefeiert oder gezielt Veranstaltungen mit einem christlichen Bezug organisiert. Wer das ganz der Freiheit des Lehrers √ľberl√§sst, handelt anders als alle Schulpolitiker, die ihre Interessen in konkreten Gef√§ssen umgesetzt wissen wollen.
  2. Es gibt explizit religi√∂se Inhalte, die in verschiedenen Kontexten thematisiert werden. Hier f√§llt auf, dass gerade das Kirchenjahr f√ľr katholische Schulen recht bedeutungsvoll ist.
  3. Viele sehen eine F√ľlle impliziter religi√∂ser Bez√ľge, jedoch ist hier entscheidend, ob diese Bez√ľge zumindest dem Lehrer selbst klar und als das formulierbar sind und zudem von religi√∂sen Werten hergeleitet werden k√∂nnen. Diese Bez√ľge sollten m. E. deshalb klar begr√ľndet werden, damit das h√§ufig zitierte 'Wehen des Geistes' nicht zur Leerformel f√ľr Errungenschaften wird, die an jeder guten Schule vorkommen. Es geht doch um das, was spezifiziert. Wenn man schon in dem Zusammenhang die Bibel zitieren will, sollte man sie vollst√§ndig zitieren: "Der Wind weht, wo er will, und du h√∂rst sein Sausen, aber du wei√üt nicht, woher er kommt, und wohin er geht; also ist jeder, der aus dem Geiste geboren ist" (Die Bibel; Johannes 3,8). Hieran wird zumindest deutlich, dass man das Sausen des Windes h√∂ren kann, dass also durchaus eine f√ľr andere erleb- und nachvollziehbare Wirkung damit verbunden ist. Worin besteht dieses Sausen an christlichen Schulen?


Einige Zeichen, die auf eine S√§kularisierung oder zumindest auf eine Identit√§tskrise hinweisen k√∂nnen, sind zum Beispiel die Zur√ľckhaltung mit der der Begriff 'christlich' bei einigen Schulen gebraucht wird. Einige Schule sind von der Umfrage und dem Schulmaterial her ohne nennbaren christlichen Bezug.
Dass die Umsetzung kein allzugrosses Gewicht haben kann, zeigt sich auch daran, dass es kaum Material gibt, dieses Material nicht bekannt zu sein scheint, oder aus irgend einem Grund nicht angegeben wurde. Wenn ein Thema wichtig ist, √§ussert sich das immer auch an der Materialf√ľlle, wie dies zum Beispiel am Konzept der interkulturellen P√§dagogik deutlich gezeigt werden kann. Seit den 80er-Jahren hat die Materialf√ľlle in zwei Richtungen hin zugenommen. Es gibt rein quantitativ mehr Buchtitel und Umsetzungsvorschl√§ge f√ľr den Unterricht und es gibt inhaltlich wesentlich spezifiziertere Vorschl√§ge, wie interkulturelle P√§dagogik z. B. selbst im Mathematikunterricht umgesetzt werden kann. Wenn christliche Werte f√ľr unsere Gesellschaft wieder mehr Bedeutung erlangen sollen, muss gerade in christlichen Schulen mehr an Identit√§tsbildung und vor allem auch schriftlicher Arbeit erfolgen, so dass hier modellhaft betrachtet werden kann, wie durch christliche Werte das Gesicht einer Schule geformt wird.

1 In Klammern werden jeweils die Durchschnittswerte angegeben.
2 Die Schule w√ľnscht keine Namensangabe (Anm. DK).

Auszug aus der Lizentiatsarbeit von Daniel Kummer-Sidiropoulos: Schule und christliche Werte. Uni Bern, 1996. Weitere Auskunft beim Autor.