«Wenn Jesus nicht auferstanden ist, dann ist alles sinnlos»

«Wenn Jesus nicht auferstanden ist, dann ist alles sinnlos»

von Felix Ruther | 01.07.2013

An der Ostertagung 2013 sprach VBG-Studienleiter Felix Ruther über die prägnanten Worte in 1. Korinther 15. Für die Bausteine fasste er sein Referat zusammen.

Von Christus her strahlt das nahegekommene Reich Gottes in die ganze Welt. Das Ostergeschehen geht daher nicht nur Jesus etwas an. Die Auferweckung Jesu Christi meint, dass die ganze alte Welt mit ihren Gesetzen des Todes, der Angst, der Verzweiflung und der Sinnlosigkeit aufgebrochen ist; dass das Gefängnis seine Gitter verloren hat und die neue Welt hereintritt.
Nun überlagert sich beides: Das Alte und das Neue. Wir stehen in der Schnittmenge, im Schon aber auch im Noch-nicht. Jesu Auferweckung bedeutet eine Zeitenwende. Das will Paulus seinen Korinthern klar machen, denn unter ihnen gibt es solche, die sagen, es gäbe keine Auferstehung der Toten. Ihnen zählt er auf, was es bedeuten würde, wenn Jesus nicht auferweckt worden wäre.
Dann ist der Glaube nichts als Illusion – «Opium fürs Volk».
Dann sind die Apostel und Prediger alle Lügner und Verführer.
Dann ist das Reden von der Sündenvergebung nur ein Traum.
Dann sind wir Christen betrogene Betrüger, die bedauernswürdigsten Menschen – Narren.
Paulus benennt ganz klar die Alternativen: Entweder Auferweckung oder Nihilismus. Wenn Christus nicht auferweckt worden ist – nun zitiert Paulus ein altes Trinklied – «dann lasst uns einfach essen und trinken, denn morgen sind wir tot». Dann bleibt uns nur der Rausch des Augenblicks. Warum soll ich dann noch mit meinen Trieben kämpfen, weshalb mich denn noch um die Mitmenschen mühen? Entweder Auferweckung oder das Recht des Stärkeren. Paulus ist zutiefst überzeugt, dass im Grunde kein moralischer Entwurf in unserer Welt ein wirkliches Fundament hat, wenn der Tod das letzte Wort behält. Dann ist alles absolut sinnlos, «dann seid ihr umsonst (griechisch frustra) gläubig geworden» (15,2).


Ringen um eine zentrale Frage
Doch wie kann ich glauben, dass Jesus auferstanden ist, dass also der Anfang gemacht wurde und das Reich Gottes schon begonnen hat? Schon Paulus musste ja mit den Korinthern um diese Frage ringen. Auch für heutige Christen ist es nicht nur leicht, an die Auferstehung der Toten zu glauben. Zumal sogar etliche Theologen meinen, dass die Geschichten vom leeren Grab nur Erfindungen der späteren Erzähler seien.


Interessant ist aber, dass Paulus in seinen Argumentationen – in all seinen Briefen – das leere Grab gar nie erwähnt. Er schreibt zwar von vielen Begegnungen mit dem Auferstandenen. Aber sein Argument für die Auferstehung Jesu baut nicht darauf auf. Er sagt: «Wenn es keine Auferstehung der Toten gibt, dann ist auch Christus nicht auferstanden». Er kehrt also das Argument um: Nicht weil wir an die Auferstehung Jesu glauben, glauben wir auch an unsere Auferstehung, sondern wenn wir an unsere Auferstehung glauben, glauben wir auch an Jesu Auferstehung– und deshalb ist das Christentum nicht Schall und Rauch.


Der tiefere Grund
Es muss also einen Grund geben, der noch hinter die Auferstehung Jesu zurückreicht. Ein Grund, der mich zu Beidem erst berechtigt: zum Glauben an die Auferstehung Jesu wie zum Glauben an die Auferstehung aller Gestorbenen. Die frühen Christen glaubten dies, nicht weil sie an etwas Unsterbliches (z.B. eine unsterbliche Seele) im Menschen glaubten. Das wäre typisch griechisches Denken. Wussten sie doch, dass nur Gott unsterblich ist (1 Tim 6,16). Sie glaubten dies vielmehr, weil sie Jesus selbst Glauben schenkten, der ihnen durch Wort und Tat das Wesen Gottes offenbart hatte. Hier liegt die Begründung des Auferstehungsglaubens. So lautete denn auch die Botschaft der frühen Christen schlicht und einfach: «Gott hat Jesus von den Toten auferweckt!» 1
Hier sind wir am Kern des christlichen Glaubens an den auferstandenen, fortlebenden Jesus Christus. Im Letzten hängt alles davon ab, wie wir von Gott denken und was wir Gott zutrauen. Daher schreibt Paulus an jene, welche die Auferstehung leugnen: «Einige von euch kennen Gott letztlich überhaupt nicht» (V. 34).


Auferweckungsglaube ist Glaube an den Schöpfergott
Auferweckungsglaube ist grundsätzlich Glaube an Gott und nicht an etwas, das man auch noch «dazu» glauben muss.
Auferweckungsglaube ist auch nicht Glaube an das Faktum des leeren Grabes oder an die Jesusbegegnungen nach Ostern. Es ist kein Zusatz zum Glauben an den biblischen Gott, sondern ein Glaube, der nicht auf halbem Weg stehen bleibt. Es ist ein Glaube, in welchem sich der Mensch ohne strikt rationalen Beweis, wohl aber in durchaus vernünftigem Vertrauen darauf verlässt, dass der Gott des Anfangs auch der Gott des Endes ist, dass er wie der Schöpfer der Welt und des Menschen so auch ihr Vollender ist. Es ist ein Glaube, der dem Schöpfergott auch das Letzte zutraut: die Überwindung des Todes. Denn nicht in ein Nichts hinein sterben wir. Wir sterben in Gott hinein.


Auferweckungsglaube ist Glaube an den gerechten Gott
Wir haben auch Grund, an die Auferstehung der Toten zu glauben, weil ohne diese Auferstehung keine Gerechtigkeit einziehen könnte. Das Böse würde für immer gesiegt haben. Der deutsche Philosoph Max Horkheimer meinte: «Ich fürchte, dass es keinen Gott gibt.» Als man ihn nach dem Grund seiner Befürchtung fragte, antwortete er: «Wenn es keinen Gott gibt, dann gibt es auch keine Gerechtigkeit.» Denn ohne Auferstehung gibt es kein Gericht. Und das widerstrebt allem menschlichen Empfinden. Auch bei dieser Überlegung gründet der Glaube an die Auferstehung der Toten wiederum in Gott selber – in seiner Gerechtigkeit. Karl Rahner sagte ganz treffend: «Man kann sagen, man habe von Gott erst dann etwas verstanden, wenn man glaubt und hofft, es gäbe denjenigen, der die «Ewigkeit» der bösen Tat aufheben kann.»


Auferweckungsglaube ist Glaube an den Gott der Liebe
Für Glaubende kann Gott, wie er von Jesus als absolut liebender Gott verkündet und vorgelebt worden ist, nur ein Gott sein, «der die Toten lebendig macht» (Röm 4,17). Ein Gott, der rundum Liebe ist, konnte seinen Sohn Jesus nicht im Tod lassen. Dieser Gott wird niemanden, den er liebt, im Tode lassen (vgl. Röm 8,38). Wenn Gott der ist, zu dem wir «Abba, Vater» rufen, wenn er ein Gott der absoluten Liebe ist, dann will er uns für immer! Dann lässt er uns im Tod nicht ins Nichts fallen. Dann hat er Jesus zum Leben auf ewig auferweckt, und dann weckt er jeden Menschen aus dem Todesschlaf zum Leben auf. Gottes Liebe besiegt den Tod. Also sind auch hier nicht das leere Grab oder die Erscheinungen Jesu zentraler Grund unserer Auferstehungshoffnung. Der Glaube an die Auferstehung gründet wieder in Gott selber – im Gott, der Liebe ist. Seine Liebe ist stärker als der Tod.


So stellt sich uns heute die Frage: Glaubst du an Gott, den Schöpfer, an Gott, den Gerechten, und an den Gott der Liebe? Denn wenn du das glaubst, dann darfst du erstens auch glauben, dass Gott den Tod in Jesus besiegt hat, und dass damit der christliche Glaube nicht Schall und Rauch ist, und dass das Reich Gottes schon angebrochen ist. Zweitens darfst du dann glauben, dass Gott auch deinen Tod und den Tod deiner Lieben besiegen wird.
Wenn dem noch nicht so ist, dann sollten wir beten: «Herr, ich glaube, hilf meinem Unglauben.»