"Wie kann ein guter Gott Leiden zulassen?"
(Kapitel 2 aus dem Buch 'Warum Gott?')

von Timothy Keller | 14.08.2014

Ein Gott, der gut ist, kann doch kein Leiden zulassen. Oder ist der "gute Gott" nicht allmÀchtig, wenn er existiert? Und auch falls es solch einen Gott gibt, wie kann man ihm vertrauen?

Kapitelzusammenfassung von Felix Ruther

 

Die Existenz des Bösen und des Leidens in der Welt kann ein philosophisches und persönliches Problem zugleich sein.

Die Existenz von Bösem und Leiden spricht nicht gegen Gott

Die Behauptung, dass es einen guten und gleichzeitig allmĂ€chtigen Gott nicht geben könnte, geht von der PrĂ€misse aus, dass etwas Böses, das mir sinnlos bzw. nicht gut vorkommt, auch tatsĂ€chlich sinnlos ist. Man geht von dem Glauben an unser eigenes Erkenntnisvermögen aus. Aber nicht nur die Logik, sondern auch das Leben selbst widerlegt dieses Argument: Gerade schwierige und schmerzliche Erfahrungen bringen uns im Leben weiter und können unseren Charakter lĂ€utern und stĂ€rken, wie wir im Nachhinein oft feststellen können. Warum sollte es nicht möglich sein, dass es aus der unendlich höheren Perspektive Gottes fĂŒr alles Böse gute GrĂŒnde geben könnte?

Die Existenz von Bösem und Leiden spricht vielleicht sogar fĂŒr Gott

Die Bewertung von Gut und Böse erfordert einen allgemein gĂŒltigen Massstab, ohne Gott gibt es keine Instanz, die einen solchen Massstab setzen könnte.

Insofern spricht die Existenz von Bösem und Leiden gerade fĂŒr Gott, denn ohne den Massstab eines absoluten Gottes kann man nicht mehr von "gut und böse", "gerecht und ungerech" sprechen. Böses kann es nur geben, wenn wir irgendwie wissen, wie rationale Wesen leben sollten, leben mĂŒssen. Der Evolution nach ist Tod, Zerstörung etc. völlig natĂŒrlich, doch das widerspricht unserem Gerechtigkeitsempfinden. Leiden und Ungerechtigkeit sind also Probleme fĂŒr alle Menschen. Der christliche Glaube, obwohl er nicht jedes einzelne Leiden erklĂ€rt, kann uns zudem ungeheuer helfen, dem Leiden nicht mit Verbitterung und Verzweiflung, sondern mit Hoffnung und Mut gegenĂŒberzutreten, denn Jesus Christus selbst hat sich in einzigartiger Weise mit uns in unserem Leiden identifiziert.

Der leidende Gott

Jesus tat sich mit seinem grausamen Tod viel schwerer als andere MĂ€rtyrer, denn im Moment des Todes verlor Jesus die Beziehung zu Gott, Seinem Vater, welche seit aller Ewigkeit von absoluter Liebe geprĂ€gt war. Sein körperliches Leiden war nichts im Vergleich zu der inneren Qual der absoluten Verlassenheit. Jesus durchlebte an unserer Stelle die ewige Trennung von Gott, die die ganze Menschheit seit Adam lebt und verdient hat.   

Leiden und Erlösung

Jesus kam auf die Erde und litt, um die Menschen und die Schöpfung zu erlösen. Er zahlte die Strafe fĂŒr unsere SĂŒnden, damit er eines Tages das Böse und das Leiden vernichten kann, ohne uns zu vernichten. Gott nimmt unser Elend und Leiden so ernst, dass er bereit war, es selber auf sich zu nehmen. Das ist ein bleibend aufgerichtetes Zeichen der Liebe Gottes zu uns! Gott ist mit uns – auch in unserem schlimmsten Leiden.

Leiden und Auferstehung

Jesus Christus ist vom Tode auferstanden, er hat ihn ĂŒberwunden und wird ihn vollstĂ€ndig beseitigen. Darin ist eine einzigartige Zukunftshoffnung begrĂŒndet, unser irdisches Leben mittels des Glaubens an Jesus Christus durch das ewige Leben, das ĂŒber den Tod hinausgeht, zu vervollkommnen. Die biblische Zukunftshoffnung ist die Auferstehung und das ewige Leben – eine Zukunft jenseits dieses Lebens, die unserem Leben und Leiden hier auf Erden die Sinnlosigkeit nimmt. Das Leiden begleitet die Heiligung des Christen, es hilft zur Vorbereitung der GlĂ€ubigen. Diese Zukunftshoffnung ist nicht ein bloßes Trostpflaster fĂŒr das Leben, das wir nie hatten, sondern eine Wiederherstellung des Lebens, das wir immer wollten. Alles Schreckliche und Falsche, das je passiert ist, wird nicht bloss ausgelöscht oder repariert werden, sondern es wird in gewissem Sinne die Freude und Herrlichkeit noch grösser machen.