"Wie kann ein liebender Gott Menschen in die Hölle schicken?"
(Kapitel 5 aus 'Warum Gott?')

von Timothy Keller | 14.08.2014

Unsere Gesellschaft hat kein Problem mit der Idee eines liebenden Gottes, aber die Vorstellung eines göttlichen Gerichts gehört in unserer Kultur zu den anstössigsten Ideen.

Kapitelzusammenfassung von Benedikt Hitz

 

Dieser Ansatz der Religionskritik hat eine Geschichte: Statt wie früher (vor der Moderne) unser Verlangen der Realität anzupassen versuchen wir heute die Realität unserem Verlangen anzupassen. Es gibt auch Gesellschaften, die Vergebung und "die andere Backe hinhalten" anstössig finden, die Idee eines göttlichen Gerichts aber überhaupt nicht.

Ein Gott des Gerichts kann kein liebender Gott sein

Alle liebenden Personen sind manchmal mit Wut und Zorn erfüllt. Wut und Zorn sind nicht das Gegenteil von Liebe. Das Gegenteil ist Hass und in der ultimativen Form Gleichgültigkeit. Wenn Gott nicht einst ultimativ der Gewalt Einhalt gebieten würde, wäre er unserer Anbetung nicht würdig. Die einzige Möglichkeit, selbst von Gewalttätigkeit und dem Impuls, zu richten, Abstand zu nehmen ist, zu insistieren, dass nur Gott legitimiert ist, Gewalttätigkeit auszuüben und darauf zu vertrauen, dass er einst richten wird. Wenn nach dem Tod alles vorbei wäre und wir unsere Taten nie ultimativ zu rechtfertigen hätten führt das unweigerlich zum Chaos.

Ein liebender Gott würde keine Hölle erlauben

Die Vorstellung der meisten Menschen über die Hölle funktioniert folgendermassen: Gott gibt uns Zeit, die richtigen Entscheidungen zu treffen aber wenn wir bis zum Ende unseres irdischen Lebens nicht richtig entschieden haben, wirft er unsere Seelen bis in alle Ewigkeit erbarmungslos in die Hölle. Das biblische Bild ist ganz anders: Sünde trennt uns von Gott, der die Quelle aller Freude, aller Liebe, aller Weisheit und aller guten Dinge ist. Wenn wir von dieser Quelle getrennt sind, dann ist das die Hölle. Alles was Gott schlussendlich tut ist, dass er den Leuten gibt, was sie am meisten wollen, inklusive Freiheit von ihm selbst in alle Ewigkeit. C.S. Lewis: Es gibt nur zwei Arten von Leuten: Die zu Gott sagen: Dein Wille geschehe und die, zu denen Gott sagt: Dein Wille geschehe.

Hölle und die Gleichheit aller Menschen

Sind Christen engstirniger, weil sie an eine ewige Verurteilung glauben, weil sie die Konsequenzen ihres Handelns als gravierend betrachten? Stell dir vor, zwei Menschen debattieren über die Art eines Kekses. Jack denkt, der Keks ist giftig, währen Jill denkt, er ist es nicht. Jack denkt, dass Jills falsche Meinung über den Keks sie im Spital enden lässt oder schlimmer während Jill denkt, Jacks falsche Meinung hält ihn von einem schmackhaften Dessert ab. Ist nun also Jack engstirniger nur weil er denkt, dass die Konsequenzen viel ernsthafter sind?

Die Idee des "liebenden Gottes"

Es gibt Leute, die sagen, dass sie nicht an einen Gott der Bibel glauben, wo es heisst, dass er Leute bestraft und über sie richtet, sondern dass sie an einen Gott der Liebe glauben. Was bringt nun aber die Leute dazu, an einen Gott der Liebe zu glauben? Können die Leute die Welt oder die Geschichte oder andere religiösen Texte anschauen und echt sagen, dass beweist einen Gott der Liebe? Die einzige echte Quelle für die Idee eines Gottes der Liebe ist die Bibel selbst. Und die Bibel sagt uns, dass Gott nicht nur ein Gott der Liebe, sondern auch des Gerichts ist, der im Ende alles in Ordnung bringen wird.