ZurĂŒck zur ersten Liebe

von Gordon MacDonald |

Haben Sie Ihr Leben mit Gott anfangs auch als aufregendes Abenteuer erlebt, sind aber bald danach vom Syndrom "geistliche MĂŒdigkeit" befallen worden? Sehnen Sie sich im Grunde Ihres Herzens danach, wieder Feuer und Flamme fĂŒr Gott und seine Sache zu sein? Gordon MacDonald kennt das Problem. Er zeigt, welche EinflĂŒsse und Gewohnheiten uns die Kraft fĂŒr ein vitales Christsein rauben, und kommt zu dem Schluss, dass die Prinzipien fĂŒr ein leidenschaftliches Glaubensleben ganz einfach sind. Lesen Sie selbst, wie Sie Ihren leeren Tank wieder auffĂŒllen und zur ersten Liebe zurĂŒckfinden!
MacDonald, Gordon. ZurĂŒck zur ersten Liebe. Wie Ihr geistliches Leben neue Leidenschaft bekommt. ISBN 3865912583. Projektion J 2007. 172 Seiten.

Eine Buchzusammenfassung von Felix Ruther

 

Viele Christen leben stÀrker aus Gewohnheit als aus Leidenschaft. Aber es ist möglich, diese Leidenschaft wieder zu gewinnen.


Wachsende AktivitÀt - schrumpfende Freude

Was ist das Resultat, wenn die To-do-Liste lĂ€nger wird als das Leben? MĂŒdigkeit, das GefĂŒhl, in die Falle gegangen zu sein, das BedĂŒrfnis, wegzulaufen. „Du weißt, ich habe es einmal genossen, diese Dinge zu tun, aber jetzt macht es keinen Spass mehr.“

FĂŒr die, die im vollzeitlichen Dienst stehen, dreht sich das Leben in einem nie endenden Arbeitskreislauf, den man nur mit grossem Unbehangen ob der unerledigten Dinge durchbrechen kann. Immer gibt es etwas, das noch besser und vollstĂ€ndiger getan werden kann. Auch fĂŒr den Laien scheint es eine unendliche Flut von guten Dingen zu geben, die man auch noch machen könnte oder sollte.

Zwei Dinge können wir feststellen:

  1. In dem Mass, in dem unsere Augen mehr und mehr auf die Ereignisse der Welt (auch christliche Welt) gezogen werden, hungert die innere Welt, nach Aufmerksamkeit und Pflege. Mehr Zeit fĂŒr AktivitĂ€t bedeutet weniger Zeit fĂŒr Andacht. Mehr fĂŒr Gott tun bedeutet weniger Zeit mit Gott. Unser Reden ersetzt Meditation und Zuhören. Dennoch sagt uns etwas, all diese edlen Dinge zu tun, sei nicht ganz schlecht. Nein, es mag gut sein, aber es muss nicht immer das Beste sein.
  2. Die GeschÀftigkeit des Lebens verzehrt unsere Leidenschaft. Und dann kommt unweigerlich der Moment, wo wir feststellen, dass wir nur noch die Form wahren, aus Gewohnheit handeln. Aber unser Handeln geschieht ohne Leidenschaft. Wir tun immer mehr und haben immer weniger Freude daran.

Was geschieht da mit uns? Weshalb erzĂ€hlen wir immer hĂ€ufiger, dass wir mĂŒde und ausgebrannt sind? Sollten wir nicht einmal Stopp rufen und uns fragen, ob das das Leben ist, das Christus fĂŒr uns möchte?

Wenn wir auf Jesus schauen, dann scheint er immer sehr beschĂ€ftigt gewesen zu sein. Aber bedenken wir doch, dass damals das Leben nicht durch innere Disziplin sondern durch ganz praktische Ă€ussere Hindernisse bestimmt wurde, die wir heute durch Hochgeschwindigkeitstransporte, Telefon und Organisationstechniken ĂŒberwunden haben. Aber diese Hindernisse gewĂ€hrleisteten frĂŒher einen gelasseneren Zeitplan (Wanderungen von Jesus). Wenn es in unserer Agende FreirĂ€ume gĂ€be, die durch ein Leben in langsameren Tempo entstĂŒnden, mĂŒssten wir nicht ĂŒber kĂŒnstliche Methoden der Erholung reden. Wirt wĂŒssten etwas von echter MĂŒdigkeit am Ende des Tages und wĂŒrden nicht ĂŒber geistige Erschöpfung, oder den Verlust an Leidenschaft klagen. Wir mĂŒssten den Kalender nicht nach einem noch freien Abend durchsuchen, an dem wir das Herz und die Gedanken wieder in Ordnung bringen können.


Manchmal signalisiert der Körper Erschöpfung, weil wir eine Aufgabe als unattraktiv ansehen, oder Angst zu versagen haben. Das ist aber Erschöpfung der falschen Sorte.


MĂŒdigkeit ist der Feind der Leidenschaft, und MĂŒdigkeit ist das Resultat, wenn die Leidenschaft verschwunden ist. Daher mĂŒssen wir unsere MĂŒdigkeit analysieren. Weshalb will ich gerade jetzt aufhören? Sind die Signale die richtigen?

John Wesley: „Obwohl ich mich immer beeile, bin ich nicht in Eile, denn ich ĂŒbernehme nie mehr Arbeit, als ich mit geistlichem Frieden erledigen kann.“

Der Friede des Geistes ist eine notwendige Voraussetzung fĂŒr ein wohlgeordnetes Leben. Wie finden wir diesen Frieden? Darauf gibt es viele Antworten. Zuerst mĂŒssen wir aber die UrsprĂŒnge der inneren MĂŒdigkeit verstehen.

Sieben ZustÀnde, welche geistliche Leidenschaft bedrohen

1. Der ausgepumpte Zustand

Kater dieser Sorte treten bei Predigern oft am Montag auf, bei anderen am Ende einer Zeitspannen, in der sie ihre inneren Reserven reichlich vorausgabt haben. Das ist keineswegs ein religiöses Problem. Jeder, der viel mit Menschen zu tun hat, versteht diesen Zustand. Denn der Vorrat an Energie oder Leidenschaft unseres Geistes ist eben nicht unerschöpflich.

Drastisch wird dies beim Propheten Elia beschrieben (Vgl. 1. Kö 18 ff.) Nach dem Kampf auf dem Karmel war er ausgepumpt (1. Kö 19,4). Mehr als alles andere brauchte er etwas Schlaf und ein gutes Essen.

Man kann keine geistliche Arbeit tun, ohne dass Energie abfliesst (Lk 8,46).

Ausgepumpte Menschen werden gegenĂŒber sich selber und auch anderen ĂŒberkritisch. Sie sind ĂŒberzeugt, sie hĂ€tten sich zum Narren gemacht. Sie geraten in Stimmungen, die das Verlangen hervorrufen, die Aufgabe abzugeben, die sie ansonsten gerne ausĂŒben. Ausgepumpte Momente können eine Zeit sein, in der man sich schrecklich einsam fĂŒhlt.

Wir sollten also nicht ĂŒberrascht sein, wenn dieser Zustand bei uns eintritt. Wichtig ist, dass wir vorher und nachher Zeiten einplanen, in denen wir wieder auftanken können.


2. Der ausgetrocknete Zustand – Fahren mit leerem Tank

WĂ€hrend jemand, der ausgepumpt ist, diesen Zustand durch Erschöpfung seiner Reserven erreicht hat, wird man ausgetrocknet, weil man ĂŒber lĂ€ngere Zeit nichts in die inneren Kammern des Lebens hineingenommen hat. Der ungefĂŒllte geistliche Tank ist geradezu eine Einladung fĂŒr Katastrophen.

Einige können gut mit Worten umgehen. Der Beifall der Menge kann den Redner betĂ€uben, und er denkt, dass er ein Diener Gottes sei und dass sein Zeitplan fĂŒr das Auftanken von geistlicher Energie keine Zeit lasse. WĂ€hrend einer Predigt denken sie mehr darĂŒber nach, was die Leute ĂŒber sie denken, als was sie schliesslich ĂŒber Gott denken.

Der ausgetrocknete Zustand ist Tat ohne Herz, Gebet ohne Kraft, Lehre ohne Liebe. Menschen, die innerlich ausgetrocknet sind, können oft, eine Zeitlang jedenfalls, die hÀrtesten Arbeiter sein. Aber sie können auch zu den schlimmsten Kritikern verkommen.

Das Resultat des ausgetrockneten Zustandes ist Mangel an Leidenschaft Versuchungen zu erkennen und ihnen zu widerstehen, Mangel an Hunger nach Gottes FĂŒhrung.

Viele MĂ€nner und Frauen haben völlig versagt, weil sie aus einem geistlich ausgedörrten Zustand heraus gearbeitet haben. Mehr als alles andere erklĂ€rt diese DĂŒrre die Leidenschaftslosigkeit vieler Christen.


3. Der verzerrte Zustand

Wir gehen durch eine Welt, in der ĂŒber 2000 ĂŒberzeugende Botschaften jeden Tag auf uns einstĂŒrmen - auf Plakaten, in den menschlichen Kontakten, durch Verbotsschilder usw. Zwar filtern wir viel davon aus. Aber selbst der kleine Rest an Entscheidungen, die wir stĂ€ndig fĂ€llen mĂŒssen, ist riesig und ermĂŒdet uns. Wenn wir in einen Supermarkt gehen, mĂŒssen wir wieder viele Entscheidungen treffen. Durch den negativen Ă€usseren Einfluss kann unser Geist verzerrt werden. Solche Verwirrungen können auch aus der christlichen Gemeinschaft kommen. Es ist die Erfahrung vieler Leiter, dass einer der grössten Feinde des inneren Wohlbefindens, die enorme Anzahl guter Erlebnisse und Gelegenheiten ist. Es gibt auch eine ĂŒbermĂ€ssige Sensationsgier. Man kann an so vielen interessanten und aufregenden Dingen teilnehmen. Das Leben scheint nur noch daraus zu bestehen, von einem Höhepunkt wundervoller Erfahrungen zum nĂ€chsten zu springen; jeder emotional  ein bisschen höher als der vorangegangene, bis der Zeitpunkt kommt, an dem diese Gipfelerlebnisse nicht mehr höher oder hĂ€ufiger werden können. Das innere Wesen wird mit Aufregung und Spannung gefĂŒttert. Das ist aber eine geistliche MangeldiĂ€t, die uns erschöpft und geschwĂ€cht zurĂŒcklĂ€sst.

Ob nun all diese Signale aus einer guten oder bösen Welt stammen, die Gefahr ist die gleiche. Sie fĂŒhrt zur ErmĂŒdung und dem Verlust geistlicher Leidenschaft - zu einem ausgetrockneten Tank, der keine Energie mehr liefert.


4. Der niedergeschmetterte Zustand

Er entsteht aus MĂŒdigkeit, die mit Menschen und Ereignissen einhergehen, die heftig dem entgegenstehen, wofĂŒr wir eintreten. Man ist so weit wie möglich gegangen angesichts des offenen Widerstands und dann beginnt sich Entschlossenheit und Widerstandskraft langsam aufzulösen. Wir haben die Helden des Glaubens falsch verstanden, wenn wir annehmen, dass sie nie Momente der Verzweiflung kannten. Und wir liegen falsch, wenn wir glauben, dass unsere Verletzung nur ein Zeichen unserer geistlichen Unreife sei. .(Vgl David auf der Flucht 2. Sam 16,14) Wir sollten ĂŒber solche Zeiten nicht ĂŒberrascht sein. Es kann eine Zeit sein, in der Leidenschaft erprobt und manchmal auch aufgesaugt wird.


5. Der desillusionierte Zustand

Wenn unsere grossen TrĂ€ume zerplatzen, sind wir desillusioniert. Dann stehen wir in der Gefahr uns zurĂŒckzuziehen und zu geloben, nie wieder zu trĂ€umen. Vielleicht ist Mose ein Beispiel, als er den Ägypter tötete um zu erfahren, dass sein eigenes Volk noch nicht bereit war das Joch abzuschĂŒtteln.


6. Der geschlagene Zustand

Vielleicht ist das die hĂ€ufigste Erscheinungsart der ErmĂŒdung: wir erleben eine persönliche Niederlage. Denn Leidenschaft wohnt nicht im Herzen des Niedergeschlagenen Petrus ist dafĂŒr ein Beispiel. Er hatte zwar vor aus Leidenschaft zu handeln, tat es dann aber nicht und verriet Jesus. Er konnte nur noch weinen. Die Niederlage lĂ€hmte ihn.


7. Der entmutigte Zustand

Vielleicht könnte man diesen Zustand auch mit „EinschĂŒchterung“ beschreiben. EingeschĂŒchtert oder entmutigt sind wir, wenn wir ein Bild von Leuten, Ereignissen oder Institutionen bekommen, das sie weit mĂ€chtiger erscheinen lĂ€sst als Gott. Das kann leicht geschehen. Ein Beispiel sind die Kundschafter, die das gelobte Land voller Riesen schilderten. Geistliche Leidenschaft kann sich rasch auflösen, wenn man die konkreten Symbole der Macht mit dem Evangelium von Jesus vergleicht, und man ist versucht, mit den JĂŒngern angesichts der Tausenden von hungrigen MĂ€ulern zu sagen: „Was vermag das Evangelium bei so vielen?“

FĂŒr Menschen, in denen der Heilige Geist arbeitet, ist es unertrĂ€glich, ohne geistliche Leidenschaft zu leben. Ein Bewusstsein fĂŒr diese ZustĂ€nde, die das bewirken, ist daher unerlĂ€sslich.

Menschen, die uns Freude machen

Geistliche Leidenschaft wird auch durch Menschen beeinflusst. Mit Menschen zusammen zu sein ist erschöpfend. Diejenigen, die mit ihren HĂ€nden arbeiten, mögen fragen, weshalb das so ist. Es ist ermĂŒdend, weil Menschen unseren Energiespiegel in einer Art und Weise heben und senken, deren wir ĂŒberhaupt nicht bewusst sind. Sie strapazieren unsere Gedanken und unseren Geist, und die daraus resultierende MĂŒdigkeit kann manchmal schlimmer sein als die nach einem Arbeitstag in einem Bautrupp.

Einige Leute bringen Freude, wo sie hingehen, andere bringen Freude, wenn sie weggehen.

Wir mĂŒssen die Menschen unserer Umgebung verstehen und herausfinden, welche Rolle sie im Blick auf unsere mögliche Erfrischung oder ErmĂŒdung spielen. Jede Person in der Leitung wird entdecken, dass Arbeit mit Menschen ein nie endender Prozess ist. Und wenn dieser Prozess nicht verstanden und sorgsam ĂŒberwacht wird, kann es ungĂŒnstige Auswirkungen auf die geistliche Leidenschaft haben.


1. Die sehr formende Menschen: Sie entzĂŒnden unsre Leidenschaft (+++).

Man nennt sie Mentoren, denn sie formen das Leben, entzĂŒnden unsere Leidenschaft fĂŒr den Glauben. Bei ihnen finden wir Wegweisung und Beifall. Durch ihren Mut und ihre Reife erhalten wir Energie. Sie sind in jeder Beziehung unsere Quelle. Nun könnten wir aber versucht sein, immer mit Menschen ihrer Art zusammensein zu wollen. Das könnte aber auf lange Sicht ungesund fĂŒr unsere SelbstĂ€ndigkeit und Entwicklung sein, es wĂŒrde uns auf Dauer einengen.


2. Die sehr wichtigen Menschen: Sie teilen unsere Leidenschaft (++)

Das sind unsre Kameraden, die Menschen, mit denen ich am engsten verbunden bin: Arbeitskollegen, enge Freunde, mit denen ich den Dienst teile (Phil 4 : JochgefÀhrten). Wie bei Paulus und Barnabas. Sie freuen sich an unserem Erfolg und weinen mit uns, wenn wir enttÀuscht sind.


3. Die sehr lernbereiten Menschen: Sie empfangen unser Leidenschaft (+)

SLM: Ihr Beitrag an unsere Leidenschaft ist. SFM entzĂŒnden unsere Leidenschaft; SWM teilen sie und SLM empfangen sie. Obwohl SLM unsere Kraft stark beanspruchen, sind wir normalerweise froh, mit ihnen zu arbeiten, denn wir sehen das Potential, das in ihnen liegt. Wir ziehen sie auf unsere Seite und öffnen ihnen unser Leben. Eben darin, dass wir von uns weitergeben, fachen wir unsere eigene Leidenschaft an, denn wir sehen die Wirkung, die sie auf sie hat. Ich bin der Überzeugung, dass ab dem 40. Lebensjahr die Investition in SLM eine zunehmende PrioritĂ€t darstellen sollte.


4. Die sehr netten Menschen: Sie geniessen unsere Leidenschaft (+/-0)

Die SNM kommen in grosser Zahl, und wir haben sie gerne um uns. Sie klatschen und lachen und stĂ€rken unser SelbstwertgefĂŒhl. Sie machen Christen in leitender Position glĂŒcklich, weil sie die Veranstaltungen bevölkern. Eigentlich leisten sie aber keinen wahrnehmbaren Beitrag an unsere Leidenschaft – sie fördern sie nicht, mindern sie aber auch nicht. Die SNM machen die grosse Mehrheit unserer Gemeinden aus. UnglĂŒcklicherweise bevorzugen sie Einrichtungen, PlĂ€ne und Programme, die genau auf ihre BedĂŒrfnisse und ihre Bequemlichkeit abgestimmt sind. Weil allein die Menge der Leute dir Leiter ĂŒberzeugt, ihre Programme seien erfolgreich, wird den Forderungen der SNM GenĂŒge getan. Auch wenn die SNM durch ihren Applaus und bedingte LoyalitĂ€t das SelbstwertgefĂŒhl des Leiters aufbauen, so erschöpfen sie seinen Geist, weil sie alles nehmen wollen, was immer er zu geben hat. Es ist wunderbar mit SNM zusammen zu sein. Wenn es aber um den Dienst geht und um Wachstum, sind sie oft nicht mehr dabei.


5. Die sehr krÀfteraubenden Menschen: Sie nehmen uns unsere Leidenschaft (-)

Langfristig gesehen ist es keine Lösung, wenn man sich einfach der SKM entledigt. Wir sollten vielmehr drei Dinge beachten:

  1. SKM werden von jeder gesunden Gruppe angezogen, und sie bleiben dort, bis sie entweder selbst Kraft bekommen haben oder abgewiesen werden.
  2. Eine Gruppe gesunder Menschen wird an Lebendigkeit verlieren, wenn zu viele SKM von ihr versorgt werden mĂŒssen. Das Leben der Gruppe dreht sich immer mehr um Krisen und Probleme, so dass ein Fortschritt auf neue Ziele hin zunehmend unmöglich wird. 3. Wird es den SKM gestattet, ohne RĂŒcksicht die Leidenschaft der Leitenden zu untergraben, so werden sie letztlich eine AtmosphĂ€re schaffen, in der keiner mehr im Leidungsdienst tĂ€tig sein will. Leitende mĂŒssen daher vor den SKM geschĂŒtzt werden. Daher mĂŒssen sie sich immer wieder auch selber fragen, wie viel Raum die SKM in ihrer Zeit einnehmen. Jesus verbrachte viel Zeit mit seinen JĂŒngern, dennoch ist er den Kranken und Armen nicht ausgewichen. Aber die Kranken beherrschten nie seinen ganzen Zeitplan. Jesus verbrachte viel Zeit bei seinem himmlischen Vater (SFM) und mit seinen NĂ€chsten (SWM).

Dennoch sind die SNM und SKM ein wesentlicher Bestandteil der christlichen Gemeinschaft. Und sie sind auf unseren Dienst angewiesen. Trotzdem mĂŒssen wir begreifen, dass sie allein schon durch ihr Wesen immer grössere AnsprĂŒche stellen werden, bis die Energie der Gesunden auf dem Nullpunkt angekommen ist und nur noch Erschöpfung zurĂŒckbleibt. Wenn wir die meiste zeit mit den SNM und SKM verbringen, dĂŒrfen wir uns nicht wundern, wenn unsere Lebendigkeit abnimmt.

Der Angriff aus den eigenen Reihen

Hier geht es um die Beziehungen unter Leitern - „Friendly Fire“.


1. Konkurrenzgeist

Wenn wir andere Leiter als unsere Konkurrenten ansehen, dann nehmen sie unsere Leidenschaft. Sie flaut ab, wenn wir mehr und mehr Zeit damit verbringen, eifersĂŒchtig auf die Wege der anderen zu schauen, anstatt auf den Weg zu sehen, den Gott fĂŒr uns geebnet hat (vgl. Joh 21,21.22). Kann ich mich ĂŒber den erfolg anderer freuen?


2. Kritikgeist

In Momenten, da wir mĂŒde sind, fĂ€llt es uns leichter, bei jedem Menschen einen Fehler zu sehen. Wenn ich das Negative betone, Differenzen in lehrmĂ€ssigen Fragen suche, charakterliche MĂ€ngel feststelle ... werde ich daran gehindert, die nötige positive Energie zu entfalten.


3. Geist der Eitelkeit

Wenn wir einem unersĂ€ttlichen BedĂŒrfnis Raum geben, Eindruck auf Leute zu machen, dann zerstört das den Geist der Leidenschaft. Dieses BedĂŒrfnis entsteht normalerweise aus dem GefĂŒhl der persönlichen Unsicherheit. Die Leidenschaft, andere zu beeindrucken, wird stĂ€rker als die Leidenschaft, Christi Interessen voran zubringen. Je mehr wir unseren Selbstwert darauf aufbauen, was andere ĂŒber uns sagen, desto weniger wird sich Gott verpflichtet wissen, uns seine Gabe des Selbstwertes zu gebe. Kein Mensch kann gleichzeitig von sich und von Christus Zeugnis geben.

 

4. Geist der Ablehnung

Unsere geistliche Leidenschaft wird auch davon beeinflusst, wie wir mit Ablehnung in unseren Beziehungen umgehen. Geistliche Leidenschaft kann nicht neben RachegefĂŒhlen existieren. Wo ein Geist ist, der nicht vergeben will, ist kein Platz fĂŒr die Energie, die einen Christen wachsen und effektiv werden lĂ€sst. Wir mĂŒssen lernen die derbe oder auch sanfte Kritik anderer zu akzeptieren, ob sie uns mögen oder nicht, denn in jeder Kritik findet sich auch ein Körnchen von Wahrheit - suche danach, und du wirst ein besserer Mensch. Suche diese Wahrheit und verteidige dich nicht.

Vom Umgang mit Ehrgeiz und Stolz

Eine dunkle, geheimnisvolle Welt liegt in uns verborgen. Ein Raum, der s o weit und unentdeckt sein mag wie das Weltall. Und in diesem dĂŒsteren und furchterregenden Abgrund finden sich Motive, Wertvorstellungen und Reaktionsweisen, die sich kaum definieren oder vorhersagen lassen.

Dieser Bereich kann von Gottes Gegenwart bewohnt sein, wenn wir ihm die Kontrolle darĂŒber ĂŒberlassen. VernachlĂ€ssigen wir dies jedoch, laden wir unwissentlich destruktive KrĂ€fte dorthin ein. Die biblischen Schreiber nannten diese KrĂ€fte SĂŒnde, und wiederholt warnen sie vor ihrer Macht.

MĂŒdigkeit entsteht, wenn wir stĂ€ndig von dieser Macht ĂŒberfallen werden. Wie wir bereits festgestellt haben, werden wir einerseits durch Ă€ussere UmstĂ€nde und andererseits durch Kontakt mit bestimmten Menschen geistlich mĂŒde. Nun ist es auch wichtig, diese dritte Quelle geistlicher MĂŒdigkeit zu nennen: die geistlichen KĂ€mpfe, die ihren Ursprung im menschlichen Geist haben.

Wenn wir diese Dinge nicht angehen, kommen sie zu Zeiten zum Vorschein, in denen wir am verletzbarsten sind, und machen unsere Versuche, geistliche Leidenschaft zu entwickeln, zunichte.


1. Die Schlacht des Ehrgeizes

Ehrgeiz kann ganz versteckt auftreten. Er kann sich hinter dem BemĂŒhen verstecken, Rivalen von ihren PlĂ€tzen zu vertreiben, weil ihre Theologie angeblich nicht mehr stimmt. Am gefĂ€hrlichsten ist er jedoch, wenn er sich in den Winkeln unserer Herzen niederlĂ€sst und uns in Versuchung bringt, jede Situation danach zu beurteilen, welche Chance sie fĂŒr einen Aufstieg, fĂŒr Belohnung oder BerĂŒhmtheit bietet.

Die Motive, aus denen wir Christus dienen, vermischen sich, und wir haben Schwierigkeiten, sie auseinanderzuhalten. Wir beten, dass Gott durch unsere BemĂŒhungen verherrlicht werde, gleichzeitig ist uns jedoch sehr bewusst, dass der Beifall der Menge mindestens von gleich grosser Bedeutung ist. Geistliche Leidenschaft und Ehrgeiz können nicht gleichberechtigt nebeneinander existieren. Menschen, die diesen Lernprozess nie durchgemacht haben, werden immer leiden, weil sie nie mit dem zufrieden sein können, was sie erreicht haben.

Ehrgeiz strengt an und ĂŒberwĂ€ltigt auch die geistliche Leidenschaft. Die stĂ€ndigen Gedanken: was wĂ€re wenn ... wenn doch nur ... ermĂŒden, weil wir unzufrieden sind, wo immer wir uns befinden.


2. Die Schlacht des Stolzes

Der Stolz ist die UnfĂ€higkeit, mit Erfolg umgehen zu können. Viele haben den Dienst fĂŒr Gott begonnen, aber ihr Erfolg begann sie zu berauschen. (vgl. 2. Chr 26,16) Der Applaus und die Verehrung der Menschen wirken betĂ€ubend und machen blind. Wenn wir nicht Ă€usserst wachsam sind, entsteht daraus rasch Stolz, und die geistliche Leidenschaft versinkt, ersetzt durch blosse Show.

Das Innere zÀhlt

Wir gehen auf eine Epidemie von MĂŒdigkeit und Erschöpfung zu, wie wir es nie zuvor erlebt haben. Die Gemeinschaft der Glaubenden war noch nie so beschĂ€ftigt, musste noch nie auf so viele Stimmen hören und hatte noch nie so viele Entscheidungen zu treffen. Wir sind mit einer umfassenden geistlichen Erschöpfung konfrontiert. Wenn wir das weiterhin ignorieren, laden wir das geistliche Desater geradezu ein.

ÜberwĂ€ltigt von Christi Tat am Kreuz, sind wir bereit zu bestĂ€tigen, dass die Macht, die ihn von den Toten auferweckte, grösser ist als alle Macht des Alls. Wir freuen uns ĂŒber die Berichte der frĂŒhen Apostel und GlĂ€ubigen, und in den Tiefen unseres Herzens sehnen wir uns nach der gleichen Leidenschaft und Hingabe — und natĂŒrlich nach den vollmĂ€chtigen Ergebnissen!

Doch den meisten Menschen fehlt es fast immer an dieser geistlichen Leidenschaft! In den wenigen Momenten, in denen wir sie haben, fĂŒrchten wir schon, dass sie zu schnell wieder verschwindet, was dann ja auch oft genug der Fall ist.

Eines der Dinge, die mich am meisten enttĂ€uschen ist, dass anscheinend viele Christen zu oft gehofft haben, dass in ihrem Leben etwas geschehen wĂŒrde, was sie zu lebendigen JĂŒngern Jesu machen könnte. Doch als diese Hoffnung zerstört war, haben sie einfach ihr Interesse verloren und sich um andere Dinge gekĂŒmmert. Sie sind taub fĂŒr die Versprechungen eines weiteren Predigers, Systems, Erlebnisses.

Vielleicht haben wir in dem heutigen religiösen und unreligiösen Trubel ein paar wenige, einfache Tatsachen vergessen, die im Leben heiliger MÀnner und Frauen durch die Jahrhunderte hindurch Bestand hatten.

Schauen Sie sich ihr Leben an und suchen Sie nach den Geheimnissen. Es scheint, dass nur wenige Prinzipien befolgt werden mĂŒssen, um geistliche Leidenschaft zu entwickeln, zu erhalten und wiederherzustellen.


Sammlung

Die meisten von uns haben in ihrem beschÀftigten Leben weder Zeit noch Raum zur Sammlung - und so kommt es zur Erschöpfung. Sammlung wird erst wichtig, wenn wir allzu oft Zeiten der Stumpfheit und Leidenschaftslosigkeit erlebt haben.

Drei Bestandteile der Sammlung: sich Zeit nehmen; Beziehungen suchen; PrioritĂ€ten setzen. FĂŒr jeden Teil mĂŒssen wir uns bewusst entscheiden.

  1. Zuerst mĂŒssen wir uns fragen: An welchen Orten kann Sammlung stattfinden? An sicheren Orten, wo ich frei von Unterbrechung und Störung bin, die mein Inneres in Unordnung bringen.
  2. Dann mĂŒssen wir uns fragen, wann wir uns sammeln können: Zu den Stille- und Sabbatzeiten des Lebens.
  3. MĂŒssen wir uns fragen, welche Menschen unsere Sammlung fördern: Solche, die ich als die besonderen Freunde bezeichne.
  4. Was geschieht als Resultat meiner Sammlung? Mein Herz verwandelt sich; wir empfangen die Signale des Himmels; geistliche Leidenschaft wird wieder hergestellt.

Sichere Orte

„Eine Stadt ohne sorgfĂ€ltig behĂŒtete Orte der Leere, an denen man die Stille spĂŒren kann, aus der alle Worte entstehen, wo man in der Stille ausruhen kann, aus der alles Handeln fliesst - so eine Stadt ist in Gefahr, ihren wirklichen Charakter zu verlieren.“ H. Nouwen

Den vollkommen sicheren Ort haben wir aber erst im Himmel (vgl. Off 4 und 5).

Die alten Mystiker glaubten, dass sichere Orte nur an dunklen, unbekannten Stellen errichtet werden können. Also bauten sie Klöster und Einsiedeleien draussen in der WĂŒste, auf Bergen oder im Wald. In der Hoffnung, den Platz ui finden, an dem sie mit Gott in BerĂŒhrung kommen und ihn anbeten könnten, liessen sie sogar manchmal die Zivilisation hinter sich.

Doch dies ist gar nicht immer nötig. Michael Quoist sagte: „Ich begriff: Ich trage meine Einsiedelei mit mir herum, ich muss gar nicht weit gehen, um meinem Herzen zu begegnen. Oft muss ich mich in meinen inneren Ruheplatz zurĂŒckziehen, wenn auch nur fĂŒr wenige Minuten. Christus wartet dort auf mich.“ Auch Frank Laubach meinte: Indem ich eine HĂŒtte mit den Gedanken an Gott fĂŒlle, wird sie zum Palast.

Menschen, die sich regelmĂ€ssig sichere Orte schaffen, brauchen sich um MĂŒdigkeit und Erschöpfung keine Sorge zu machen. Oder falls sie aufkommen, so kann ein Besuch an einem sicheren Ort sie vertreiben. Leute, die stĂ€ndig mĂŒde sind, denken, dass sie immer weitermachen können, ohne eine Pause einzulegen; dass sie stĂ€ndig Neues erreichen können, ohne zwischendurch an einem sicheren Ort auszuruhen.

Es gibt ĂŒberall einen Ort der Stille und Ruhe, nahe beim Herzen Gottes. Einen Ort, wo die SĂŒnde nicht stören kann. Es kann ein Ort sein, wo man den Einen trifft, den wartenden Vater. Keiner kann gut ohne solche Orte leben; und doch versuchen es viele.


Vier sichere Orte, an denen wir geistliche Leidenschaft wiedergewinnen

Ps 63 ist ein Gedicht ĂŒber sichere Orte.

  1. Das Heiligtum: (Ps 63,3-4) In der Wildnis denkt David an das Heiligtum, denn hier bekommen die Dinge wieder ihre wahre Grösse, und hier wird man an Gottes treue Liebe erinnert. Das ist das Geheimnis zwischen Gott und demjenigen, der das Heiligtum sucht. Und dieses Geheimnis kann man nur an sicheren Orten zu hören bekommen.
  2. Schlafraum: (Ps 63,7-8) Das Hauptthema hier ist die Hilfe Gottes. Im Auf und Ab des Tagesgeschehens halten viele von uns inne, auch wenn sie sehr beschĂ€ftigt sind, und schaffen sich einen sicheren Ort, Ă€hnlich wie Davids Schlafraum. Und fĂŒr einen Moment erinnern wir uns, dass Gott unsere Hilfe sein will. Mag sein, dass wir ihn sogar fragen: „Wo wirst du sein?“ Vielleicht werden wir dann ein FlĂŒstern vernehmen, das unsere besorgten Herzen zur Ruhe bringt und uns verlorene Leidenschaft zurĂŒckgibt: „Ich will dich nicht verlassen noch von dir weichen.“ (Jos 1,5)
  3. Im Schatten der FlĂŒgel: (Ps 63,8) Am sicheren Ort werden wir ĂŒber die grössere Macht nachdenken, die grösser ist als jene, die uns gerade bedroht. Hier werden wir die Bedeutung von Liebe und Treue erkennen, die sich nicht gegen uns wendet, die nicht versagt. Und wir denken darĂŒber nach, woher uns Hilfe kommen kann. FrĂŒher oder spĂ€ter werden unsere Gedanken sich auch um Schutz drehen - und hier kommt das Bild der Vögel ins Spiel. Vögel zeigen uns, wie wichtig sichere Orte sind. An den geschĂŒtzten Orten fĂŒhlt man sich frei, sich zu freuen, zu lachen und zu singen. Oftmals wird das Bild der Vögel in der Bibel in diesem Zusammenhang gebraucht: 5. Mo 32,11; Ps 91,4; Mt 23,37; Ps 57,2. All diese Anspielungen auf einen sicheren Ort, werden lebendig, wenn man im Trubel tĂ€glicher Ereignisse gefangen ist und sich verletzbar und schutzlos der Gefahr ausgesetzt fĂŒhlt. Die schĂŒtzenden Fittiche Gottes geben geistliche Sicherheit. Wenn wir solche Moment regelmĂ€ssig in unserem Tagesablauf einrichten, dann können wir nicht nur der MĂŒdigkeit vorbeugen, sondern auch Furcht durch ein solches Zutrauen ersetzen, dass wir vor Freude singen können.
  4. Die starken HĂ€nde: (Ps 63,9) Vertrauen beschreibt einen Zustand von Herz und Verstand, der es einer Person erlaubt,  in der Sicherheit zu handeln, dass vergangene Niederlagen sich in Siege von morgen verwandeln werden. „Meine Seele hĂ€ngt an dir, deine rechte Hand hĂ€lt mich“. Das Bild des schutzlosen Kindes, das an der Seite des Vaters geht, gehalten von seiner starken Hand ist das Bild von einem Menschen, der annimmt, dass seine eigene Kraft aus der Macht des Vaters stammt. Die Verbindung der HĂ€nde macht aus der Furcht Vertrauen. Der Griff der VaterhĂ€nde war auch fĂŒr David ein sicherer Ort. Wie ein Kind streckte er die imaginĂ€ren HĂ€nde seiner Seele aus nach Gottes Hand.

Viele von uns wurden gelehrt, zuversichtlich zu handeln, auch wenn uns gar nicht danach zumute war. „Benimm dich wie ein Mann“, bekommt der kleine Junge mit aufgeschlagenen Knien zu hören. Das heißt: Weine nicht; lass nicht zu, dass dir dein Herz bricht, dass dein Knie so sehr weh tut. Und aus solchen Worten haben wir gelernt, dass man so tun sollte, als sei die Furcht nicht real, als mĂŒsse Schmerz ignoriert werden, als sei Versagen ein Zeichen von Schwachheit. Manchmal mag das gut sein, aber auf diese Weise haben wir nicht gelernt, die sicheren Orte zu schĂ€tzen.

Wir haben gelernt, eine falsche Zuversicht und Tapferkeit aufzubauen. Wir zeigten Ă€usserlich Fröhlichkeit, wĂ€hrend wir innerlich weinten. Wir haben Techniken entwickelt, mit denen wir unsere Unsicherheiten verbergen können, zum Beispiel, in dem wir prahlen, laut lachen und alle möglichen Risiken eingehen. Doch oft, hier und da, ob jĂŒnger oder Ă€lter, waren und sind wir Kinder mit gebrochenen Herzen, die nicht zulassen wollen, dass jemand mitbekommt, wie es ihnen wirklich geht. Was wir normalerweise brauchen, ist die starke Hand eines Vaters - jetzt des himmlischen Vaters -, der uns sagt: „Ich bin deine Zuversicht. Entspanne dich, lehne dich an mich an.“

Mit der wachsenden GeschĂ€ftigkeit und Verantwortung in meinem Leben habe ich erkannt, dass es immer dringender und wichtiger wird, persönliche und gemeinschaftliche Orte der Sicherheit aufzubauen, an denen mir Gottes Zusagen wieder neu bestĂ€tigt werden. Wenn wir dies nicht verstehen und dementsprechend handeln, werden betĂ€ubende MĂŒdigkeit und der Verlust geistlicher Leidenschaft die Folgen sein. Deshalb habe ich bei mir zu Hause einen sicheren Ort geschaffen, an dem ich jeden Morgen nach einer Begegnung mit Gott strebe. Gelegentlich mĂŒssen wir auch an einen sicheren Ort kommen, der von der christlichen Gemeinschaft reserviert ist. Diejenigen, die in freieren protestantischen Traditionen gross geworden sind, wurden nie gelehrt, von welchem Wert die heiligen PlĂ€tze sind: Orte, die einzig und allein fĂŒr Anbetung und das Hören auf Gott reserviert sind.

Wie wichtig ist es doch zu verstehen, dass wir an sicheren Orten mit all unseren Sinnen in die Gegenwart des wartenden Vaters eintreten können. Dort ist Stille, in der das innere Ohr hören kann, dort ist Schönheit, die das Auge in all den Farben, Formen und Anordnungen (den Symbolen von Gottes Wesen und Handeln) wahrnehmen kann, dort ist Frieden, in dem sich der Körper entspannen kann und das Innere sich ausstreckt, um den Geist reden zu hören.

Die Welt konstruiert sich Orte der VergnĂŒgung, der Gefangenschaft, der Gewalt und des Konsums. Warum entwickeln wir nicht den gleichen Eifer, wenn es darum geht, sichere Orte zu entwickeln, die uns Frieden und Wiedergewinnung geistlicher Energie versprechen? Wir mĂŒssen erkennen, dass es KreativitĂ€t und Geschick erfordert, auf den Karten unseres Lebens Orte fĂŒr die Wiederherstellung geistlicher Leidenschaft zu reservieren. Wir wissen gar nicht, wieviel wir verlieren, wenn wir versuchen, unsere Leidenschaft an Orten zurĂŒckzugewinnen, die auch fĂŒr andere Dinge benutzt werden. Wenn immer es möglich ist, sollten HeiligtĂŒmer nicht wie öffentliche HörsĂ€le behandelt werden. Und Kapellen sollten nicht nur fĂŒr gelegentliche Hochzeiten dienen.

Mit der Zeit entdecken wir auch, dass ein Heiligtum, ein sicherer Platz, nur zum Teil aus Architektur und Struktur besteht, der Rest besteht aus Erinnerungen und Erfahrungen mit Gott. Unser Ort der Sicherheit braucht einige Zeit, in der er Erinnerungen an besondere Zeiten aufspeichern kann, in denen Gott uns begegnete.

 

Zeiten der Stille

Die einzige Antwort auf ein erschöpftes Leben ohne Leidenschaft ist, den Bereich unter der OberflĂ€che zu ĂŒberprĂŒfen, das Innere. Und an diesem Punkt kommt der Sabbat ins Spiel - die Zeiten der Stille. Sabbat ist das göttliche Gegenmittel fĂŒr Arbeitssucht. Es ist der PrĂŒfstein fĂŒr Menschen, die dem Glauben in die Falle gegangen sind, dass ihr persönlicher Wert auf ihrem Handeln und nicht auf ihrem Sein beruht. So wie die Karte meines Lebens viele sichere Orte zeigen sollte, so sollte der Kalender meines Lebens viele Sabbat- oder Stillezeiten aufweisen. Das sind die Momente, zu dem LĂ€rm unseres Tagesablaufes das zu sagen, was Jesus dem Sturm zurief: „Schweig und verstumme.“ (Mk 4,39)

Nur zehn Gebote! Und eines davon behandelt die Stille Zeit!

Wenn der Sabbat als Schutz gegen Arbeitssucht diente, indem er die Unterbrechung der Arbeitswoche erzwang, dann schob der Zehnte dem Materialismus einen Riegel vor. Es ist praktisch unmöglich, wie besessen materielle Dinge zu horten, wenn man sich die Disziplin des Zehnten zu eigen gemacht hat. In den Bereichen, die am meisten gefĂ€hrdet sind, exzessiv ausgelebt zu werden - Arbeitssucht und Materialismus - schĂŒtzen gut funktionierende Prinzipien die Menschen davor, sich selbst durch einen unausgeglichenen Lebensstil zu ruinieren.

Was waren die Bestandteile des Sabbats? Erstens, gedenke! In der hebrĂ€ischen Welt war das Gedenken eine dynamische AktivitĂ€t. Man war bemĂŒht, ein vergangenes Ereignis so wieder zu erleben, als wĂŒrde alles noch einmal geschehen. In diesem Fall geht es besonders um das Ereignis, dass Gott am siebten Tag der Schöpfung ruhte. Also bedeutet Gedenken hier, von der Arbeit zu ruhen, wie Gott es tat. Es bedeutet, dass man zurĂŒckschaut auf die Arbeit und sie beurteilt, wie Gott sein Werk beurteilte. Sabbat bedeutet auch Verzicht: Verzicht auf Arbeit - nicht etwa weil Arbeit etwas Schlechtes sei, sondern weil sie, wird sie nicht in Grenzen gehalten, ausser Kontrolle gerĂ€t und den Arbeiter gefangennimmt; die Arbeit verliert ihre eigentliche Bedeutung, und es bleibt keine Zeit fĂŒr Gebet oder Ruhe.

Das erste Problem, das Wissen um wirkliche Ruhe, ist sehr gross, weil FreizeitbeschĂ€ftigung und Unterhaltung heute praktisch der Inbegriff wahrer Ruhe sind. Obwohl diese AktivitĂ€ten auch von einem gewissen Mass an Entspannung und Befreiung begleitet werden, denke ich, dass man mit Sicherheit sagen kann, dass wirkliche, tiefe Erschöpfung im geistig-geistlichen Bereich kaum, wenn ĂŒberhaupt, davon berĂŒhrt wird. Spiele sind natĂŒrlich gut, man kann Beziehungen aufbauen, den Körper trainieren, den Verstand beleben. Aber sie reichen nicht bis zu den tiefsten Schichten unserer MĂŒdigkeit hinab, dorthin, wo das Innere die SchlĂ€ge der geistlichen KĂ€mpfe einstecken muss. Das Bewusstsein, dass wir unserem Geist Ruhe gönnen mĂŒssen, ist fast gar nicht vorhanden. Was die frĂŒhen Heiligen so gut konnten, sich jeden Tag in der Sabbattradition die Zeit zu nehmen, um den Geist zu sammeln, hat sich in modernen Zeiten auf etwas reduziert, das man „Stille Zeit“ nennt - die von den meisten vernachlĂ€ssigt und von vielen ĂŒberorganisiert wird; vernachlĂ€ssigt, weil sie anscheinend nicht viel Wert hat; ĂŒberorganisiert, weil sie denen zum Opfer gefallen ist, die denken, dass sich alles auf eine Methode reduzieren lĂ€sst, auch wenn dadurch SpontaneitĂ€t oder die Möglichkeit zerstört wird, dass Gottes Geist zu uns sprechen kann.

Ich bin ĂŒberzeugt, dass jeder von uns, der sich entschlossen hat, Christus nachzufolgen, die Disziplin der Stille sehr ernst nehmen muss. Tun wir das nicht, missachten wir ein lebenswichtiges Prinzip. Halten wir uns nicht daran, ersticken wir unser Inneres, bis es ĂŒberhaupt nicht mehr aktiv ist - mĂŒde, wie es schlimmer nicht sein könnte.

VielbeschĂ€ftigte Menschen werden, genauso wie junge MĂŒtter, vermutlich nur „kurze Fetzen“ an stillen Zeiten besitzen. Es ist wichtig, nach solchen Momenten zu greifen. Ein Gedanke in einer solchen Pause kann einen grossen Unterschied machen, wie wir die folgenden Stunden durchleben, ob wir sie mit geistlicher Leidenschaft oder mit Schufterei verbringen. Gott will nicht, dass wir uns schuldig fĂŒhlen, wenn lĂ€ngere Zeiten der Stille und Anbetung nicht möglich sind. Ich aber glaube, er wĂŒrde es bevorzugen, wenn wir von geistlichem Heimweh zu den Sabbaten getrieben wĂŒrden, wo wir seine heilende Gegenwart erfahren können.


Besondere Freunde

Joseph Heller beschreibt in seinem Roman „Was geschah mit Sclocum“ eine erschöpfende Arbeitsumgebung, einen Ort, an dem Menschen ihrer produktivem und kreativen Energie beraubt werden, weil sie soviel Zeit damit verbringen, sich zu fragen, ob ihre Kollegen nicht eher Konkurrenten sind. An Orten wie diesen werden Menschen mĂŒde. Solche Erfahrungen gibt es auch in Familien und Gemeinden.

Ein Kontrabeispiel ist der Kampf der Israeliten in 2. Mo 17. Mose wird gestĂŒtzt. Die zugrundeliegende Botschaft ist von zeitloser Bedeutung. Ein Mann war umgeben von besonderen Freunden, und gemeinsam erreichten sie, was keiner von ihnen allein hĂ€tte schaffen können.

Wenn wir eine Karte mit sicheren Orten haben und eine Agenda mit Zeiten der Stille, dann sollten wir auch ein AdressbĂŒchlein mit besonderen Freunden besitzen. Besondere Freunde werden nicht eifersĂŒchtig, wenn man gewinnt, und sie weiden sich nicht am Versagen eines anderen. Dabei geht es um besondere Freunde und nicht um besondere Bekanntschaften, denn von letzteren haben die meisten genug; aber nicht von den anderen. FĂŒr sie muss man viel Zeit investieren, um die Beziehung aufzubauen und zu erhalten, Zeit, die wir vielleicht von anderen Zielen abziehen mĂŒssen. Das ist aber keine zusĂ€tzliche Arbeit, nein, das ist ein Teil unserer Arbeit.


1. Förderer: (anderer Name fĂŒr Mentor oder Lehrer, ein SFM). Förderer sind normalerweise in der NĂ€he und können angesprochen werden, wenn Mut, FĂŒhrung oder die Versicherung vonnöten ist, dass der gewĂ€hlte Weg, der richtige ist. Es gibt kaum ein besseres Beispiel fĂŒr eine fördernde Beziehung als die zwischen Mordochai und Ester. Denn auf sich allein gestellt wĂ€re Ester gelĂ€hmt gewesen. Ihre Leidenschaft entstand durch die Aktion des Förderers. Er scheint förmlich Mut in Ester hineingepresst zu haben, und zwar einfach durch seine geschriebene Botschaft.

Wenn Förderer ihre Arbeit tun, erschliesst sich fĂŒr den, der gefördert wird, eine ganz neue Dimension. Wir brauchen Förderer bis wir unsere mittleren Jahre erreicht haben. Dann kann es vielleicht sein, dass wir darĂŒber hinaus sind.

Aber oft sind wir zu beschĂ€ftigt, so dass die Beziehung zum Förderer oft genug dem Zeitmangel zum Opfer fĂ€llt. Der Förderer muss nicht unbedingt ein Freund sein. Förderer können auch aus Biographien zu uns sprechen. Es gibt aber kaum etwas Effektiveres in der ZurĂŒstung vollmĂ€chtiger und leidenschaftlicher Menschen, die das Reich Gottes erweitern können, als reife Christen, die als Förderer fĂŒr jĂŒngere Christen dienen, die Vorbilder und AnfĂŒhrer brauchen. Gibt es ĂŒberhaupt einen grösseren Beitrag zur Gesellschaft, als sich selbst fĂŒr eine jĂŒngere Generation zu geben?

 

2. BestĂ€tiger: Er ĂŒbernimmt die Arbeit, wenn der Förderer geht. Er verfolgt, was wir tun - und beurteilt das Ganze. Wir dĂŒrfen BestĂ€tigung nicht mit leeren Komplimenten verwechseln. BestĂ€tigung ist gleichzeitig Entdeckung und Bewertung; sie ist nicht impulsiv und geschieht auch nicht mit dem Ziel, Wohlwollen zurĂŒckzubekommen. BestĂ€tigung ist der Beistand einer Person, die uns dabei hilft das Leben Gottes in unserem Sein und Handeln zu entdecken.

Wenn BestĂ€tigung verweigert wird, bleiben Menschen zurĂŒck, die unsicher sich, sich fragen, ob ihr Beitrag Bedeutung hat, ob er etwas verĂ€ndert oder nicht. Das geht an die Nerven, und geistliche Leidenschaft geht verloren. Verunsicherer reden aus einem Mangel an SensibilitĂ€t, aus Ignoranz, GleichgĂŒltigkeit oder aus purer Bosheit heraus. Der Verunsicherer wĂ€hlt den Moment, in dem man gerade etwas beendet hat, das geistliche Kraft gekostet hat, und stellt unsere Motive, die QualitĂ€t unserer Arbeit oder die Resultate in Frage. Sofort sind wir verletzt, zornig und versucht alles hinzuwerfen. Es ist leicht ein Verunsicherer zu werden, und man merkt es oft erst, wenn es zu spĂ€t ist.

 

3. Ermahner: Es kann gut sein, dass das der wichtigste Freund ist. Wir alle brauchen Menschen, die uns die Wahrheit sagen, auch wenn sie uns nicht schmeckt. In unserer Welt herrscht grosser Mangel an Menschen, die die Wahrheit sagen. Und ohne Zurechtweisung wĂ€chst man nur selten. Eine solide und liebevolle Zurechtweisung ist soviel wert wie hundert BestĂ€tigungen. Das zeigt uns auch Paulus im Timotheusbrief. Ebenso weist Jesus Petrus oft zurecht. Zurechtweisung und Kritik sind aber zwei verschiedene Dinge. Ersteres ist eine wertvolle Gabe, letzteres etwas billiger. Dennoch steckt ja bekanntlich immer auch ein Körnchen Wahrheit in jeder Kritik. Wir haben schon viel erreicht, wenn wir ein scheinbar negatives Wort akzeptieren und aufnehmen, und uns zwingen, die Wahrheit aus dem Gehörten zu ĂŒberprĂŒfen und uns zu entscheiden, nicht zurĂŒckzuschlagen und den zu verletzen, der die Rolle des Ermahners gespielt hat. „Wer einen Menschen zurechtweist, wird zuletzt Dank haben, mehr als der da freundlich tut.“ (Spr 28,23) Der Ermahner spielt seine Rolle mir grossem Risiko. Und wir, die wir zurechtgewiesen werden, mĂŒssen sorgfĂ€ltig zuhören und dem Ermahner fĂŒr die Wahrheit danken.

 

4.  FĂŒrbitter: Wenn ich von meinen Freunden geistliche Leidenschaft erlangen will, so werden unter ihnen solche sein, die auf der Position des FĂŒrbitters stehen. FĂŒrbitter haben die Verantwortung ĂŒbernommen, mich vor Gott im Gebet zu tragen. (Lk 22,31-32; Joh 17). In ‚Inter Varsity’ haben wir uns zum Ziel gesetzt, dass jeder Mitarbeiter drei FĂŒrbitter nennen kann, die in seinem Team mitspielen. Und das wichtigste Gebet des FĂŒrbitters ist, dass unsere geistliche Leidenschaft wiederhergestellt wird und wir nicht mĂŒde werden.

 

5. Partner: Die Wiederherstellung und Erhaltung geistlicher Leidenschaft hĂ€ngt oft von der Partnerschaft mit einem oder mehreren ab, die sich die Last teilen. Ich frage mich oft, wie viele MĂ€nner und Frauen es gibt, die Gott besser hĂ€tte gebrauchen können, wenn sie in einem Team gewesen wĂ€ren, in dem es Partner gegeben hĂ€tte (vgl. ein einzelnes Pferd vermag 2 Tonnen zu ziehen, zwei in einem Gespann aber 20). FĂŒr viele von uns ist der Ehepartner der wichtigste Partner im Leben.

 

6. Pastor: Er ist eine sanfte Person, die uns in Zeiten der Erschöpfung zur Seite steht. Er ist derjenige, der uns hilft, den Sinn des Lebens zu erkennen, wenn alles verwirrend und durcheinandergeraten ist. Pastoren mĂŒssen nicht ordinierte Personen sein. Es sind Menschen, die leiten, nĂ€hren und schĂŒtzen, eben wie ein Hirte. (Vgl. Paulus in Apg 27,22-25)

ZurĂŒck zur geistlichen Leidenschaft

Ich bin besorgt darĂŒber, dass Menschen immer mehr tun, immer mehr wissen, immer mehr auf sich nehmen, aber in Wirklichkeit kein StĂŒck weiterkommen. Im schlimmsten Fall können diese UmstĂ€nde dazu fĂŒhren, dass manche einfach aussteigen. Sie werden mĂŒde, immer die richtigen Dinge zu sagen und zu tun. Im stillen frustriert, fĂŒhlen sie sich, als kĂ€men sie nirgendwohin. Irgendwie  haben wir ihnen nicht geholfen; wir haben ihnen immer nur mehr SchuldgefĂŒhle und Verpflichtungen aufgeladen. Und jetzt sind sie weg! „Ich habe Jesus nicht verlassen, aber ich bin der ganzen Aktionen mĂŒde, die, wie die Leute sagen, im Namen Jesu getan werden mĂŒssen.“ „Ich will nicht Lieder singen, in denen es heisst, dass ich dies oder das tue und sage, wenn ich in meinem Herzen weiss, dass das nicht stimmt und so auch nie stimmen wird.“

Ich glaube, was diese Leute brauchten und nicht fanden, beziehungsweise sich nicht die Zeit nahmen zu finden, waren Dinge wie sichere Orte, Zeiten der Stille und besondere Freunde. Die sicheren Orte hÀtten ihnen Gelegenheit gegeben herauszufinden, wer Gott ist. Die Zeiten der Stille hÀtten ihnen ermöglicht, zu hören, was Gott sagt. Die besonderen

Freunde hĂ€tten ihnen Ermutigung und Korrektur gegeben, damit sie dem gehorchen könnten, was Gott von ihnen verlangt. Allzuoft sind unsere sicheren Orte zu laut, unsere Zeiten der Stille von GeschĂ€ftigkeit erfĂŒllt. Und unsere besonderen Freunde sind wenig mehr als Bekanntschaften, die nicht wissen oder sich nicht darum kĂŒmmern, wie sie mit uns in diesem Lebensbereich umgehen sollen. Das Resultat? MĂŒdigkeit, Verlust geistlicher Leidenschaff, Verlust der Energie, die wir brauchen, um mit dem weiter zu kommen, was Christus als Leben in FĂŒlle bezeichnete.

Ein biblisches Beispiel aus 1. Chr 11,17ff:

Diese drei MĂ€nner zeigten geistliche Leidenschaft.

  • Sie waren mit David so vertraut, dass sie seinen Wunsch vernahmen, nicht nur seine Befehle: Vertrautheit ermöglicht es, Gottes Stimme zu hören.
    Nur an sicheren Orten und in Zeiten der Stille wird man die WĂŒnsche Gottes hören oder, in diesem Fall, die eines anderen Menschen. Gottes WĂŒnsche werden nicht laut ausgerufen; oft sind sie hinter Befehlen versteckt. Jeder kann Gottes Befehle hören, wenn er sich nicht dagegen entscheidet. Aber man braucht sensible Ohren, auch seine WĂŒnsche zu hören, und das geschieht nur an sicheren Orten in Zeiten der Stille.
    Die Vertrautheit in der Gegenwart des Kommandeurs ist etwas, was relativ wenige Leute erstreben. In einer Welt, in der man so viele Erfahrungen auf so einfache und billige Weise machen kann, sind nicht viele Menschen dazu bereit, den Preis fĂŒr die Vertrautheit in der Gegenwart Gottes zu zahlen.
    Ich habe eine grosse Hilfe in der Entwicklung meines eigenen geistlichen Lebens erfahren, als ich an den Gott dachte, der WĂŒnsche fĂŒr sein Volk und fĂŒr die Welt, die er schuf, hat. Seine Befehle sind fĂŒr alle zu lesen und zu sehen; aber seine WĂŒnsche sind nur denen offenbar, die sich jeden Tag aufmachen, ihm eifrig und sorgfĂ€ltig zuzuhören.
    Wenn unsere Terminkalender und persönlichen Strassenkarten keine sicheren Orte und keine stillen Zeiten anzeigen, bĂŒssen wir die Chance ein, die WĂŒnsche Gottes zu hören. Wir werden davon abhĂ€ngig sein, was andere Leute uns erzĂ€hlen, und ihre Deutungen mögen nicht immer richtig sein. Unsere NachlĂ€ssigkeit bedeutet einen schweren Verlust.
    Deshalb habe ich gelernt, dass die Zeiten, die ich fĂŒr sichere Orte und stille Zeiten reserviere, das wichtigste Ereignis in meinem tĂ€glichen Leben sind

  • Die Entscheidung zum Handeln birgt oft ein grosses Risiko: Die entstehende Leidenschaft fĂŒhrte sie vom Hören zum Handeln. Überzeugungen, die in einer echten Begegnung mit dem lebendigen Gott entstehen, schaffen Leidenschaft zu handeln und die Kraft, die Handlung auch auszufĂŒhren. Was allzuoft geschieht, fĂŒrchte ich, ist, dass moderne Christen aufgrund der Leidenschaft anderer in Bewegung zu kommen versuchen: der Leidenschaft eines Organisationsleiters, einer raffinierten VerkaufsprĂ€sentation von Profis, die sich in Marketing-Techniken auskennen. Wir reagieren mit echter Begeisterung, aber die Leidenschaft ist sehr oberflĂ€chlich und vergeht schnell oder wird durch die nĂ€chste mĂ€chtige Botschaft abgelöst. Davids MĂ€nner lasen den WĂŒnsch von den Lippen ihres Kommandeurs ab. Der Mann oder die Frau, die sich die Zeit nimmt zu hören, was Gott sagt, ist zur gleichen Reaktion bereit: sofortige Bewegung.

  • Kraft des Geistes: Durch die ganze Bibel hindurch pulsiert eine geheimnisvolle göttliche Kraft, die, wenn sie in Menschen hineingepflanzt wird, gewaltige Erfolge bringt. Wir wissen, dass diese Kraft aus dem Heiligen Geist kommt, der, dritten Person der Gottheit. Durch die Jahrhunderte hindurch haben einfache und teilweise unausgebildete Menschen Bemerkenswertes in ihrer Umwelt in Bewegung gesetzt, wenn die Leidenschaft Gottes ihr Wesen durchdrang. Sie nahmen Risiken in Kauf, ĂŒberwanden Hindernisse und setzten MassstĂ€be, bei denen uns der Atem stockt. Das ist das BemĂŒhen des Heiligen Gottes, wenn er zu einer mĂŒden Person kommt. Er will uns beleben, eine Vision geben, mit Kraft ausrĂŒsten. Und wenn er das tut, ist nicht das erste Ziel, dass wir uns gut, sicher oder erfolgreicher fĂŒhlen. Obwohl einige dieser Dinge tatsĂ€chlich geschehen können, ist das vorrangige Ziel, unsere FĂ€higkeiten zu vergrössern, am Reich Gottes mitzubauen: im Leben und in Worten die Herrlichkeit des lebendigen Christus zu demonstrieren und seine unglaubliche Macht, verlorene Menschen zu retten und sie zu einem besseren Leben zu fĂŒhren Ich bete fĂŒr alle, die mĂŒde, geistlich leer, richtungslos oder gefĂŒhllos sind, um Wiederherstellung ihrer geistlichen Leidenschaft. Der Grund?  Um Gott zu gefallen und ein Licht fĂŒr die Welt zu sein.